ZIN gewinnt Internationalen Hochhaus Preis 2026/27
06.11.2026Das Finale um den Internationalen Hochhaus Preis (IHP) 2026/27 ist entschieden: Das mixed-use Hochhaus ZIN in Brüssel der Architekturbüros 51N4E, l'AUC und Jaspers-Eyers Architects gewinnt den Wettbewerb um das weltweit innovativste Hochhaus. Der Preis ist mit 50.000 Euro dotiert und wurde am 3. November in der Frankfurter Paulskirche verliehen.
Preisträger 2026/2027: ZIN, Brüssel/BE von 51N4E, Brüssel/BE; l'AUC, Paris/FR; Jaspers-Eyers Architects, Brüssel/BE
Foto: Kirsten Bucher
Das ZIN stehe nicht nur für eine architektonische Erneuerung, sondern auch für einen Paradigmenwechsel im Hochhausbau: Statt Abriss und Neubau rücken Transformation, Ressourcenschonung und Nutzungsmischung in den Mittelpunkt, wie das DAM mitteilt. Die beiden ursprünglichen World-Trade-Center-Hochhäuser, die hier standen, wurden nicht vollständig abgebrochen, sondern beide Erschließungskerne sowie die Untergeschosse wurden beibehalten und in den Neubau integriert. Zwischen die Türme wurde eine Scheibe geschoben, die die beiden Hochhäuser zu einem Gebäude verbindet. Heute wird das ZIN vielfältig genutzt und Teile sind auch für die Öffentlichkeit frei zugänglich. Sportvereine trainieren in der Sporthalle, es gibt Appartements und ein Hotel, einen großen Dachgarten sowie ein Gewächshaus, das von dem Café des Hotels mitgenutzt wird. Die flämische Regierung hat ihren Sitz ins ZIN verlegt.
Das Projekt ist Startpunkt einer umfassenden Erneuerung des Brüsseler Nordquartiers und öffnet sich durch seine gemischte Nutzung zur Stadt und zur Bevölkerung.
Jury: Hochhaus soll „guter Nachbar“ sein
Das Projekt ist Startpunkt einer umfassenden Erneuerung des Brüsseler Nordquartiers
Foto: Kirsten Bucher
Den Schwerpunkt, den die Jury sich bei diesem 12. Internationalen Hochhaus Preis setzte, war die Frage danach, welche Rolle das Hochhaus in Zukunft spielen könnte. Unabhängig von Ästhetik und Funktion war man sich einig, dass die Fähigkeit eines Hochhauses „ein guter Nachbar zu sein“ von grundlegender Bedeutung ist. Sprich: Ein Hochhaus sollte seiner Umgebung etwas zurückgeben, den Kontext, in dem es steht verbessern und der Stadt, in der es gebaut wurde, und den Menschen, die dort wohnen, zugutekommen. Die Jury orientierte sich in ihrer Entscheidung an der Idee, dass nur ein Hochhaus gewinnen sollte, das auch in 15 Jahren noch von Relevanz ist. Eine zusätzliche Frage, die im europäischen Kontext eine immer größere Bedeutung bekommt, betrifft die Themen Sanierung und Umbau, und damit einhergehend Wandlungsfähigkeit und Nutzungsmischung. Der Konsens der Jury lautete, es sei wesentlich, dass Hochhäuser, die als „gute Nachbarn“ gelten wollen, nicht monofunktional sein dürfen, sondern dass sie dazu beitragen sollten, Stadtzentren und zentrale Geschäftsbezirke wiederzubeleben.
Es soll mit seinen 10.000 m2 Fläche einen Anziehungspunkt in einem bislang weniger attraktiven Stadtviertel bieten.
Foto: Kirsten Bucher
Daraus resultierend kürte die Jury einstimmig das Projekt ZIN in Brüssel, Belgien, zum Gewinner des Internationalen Hochhaus Preises 2026/27. Brian Yang, Gewinner von 2024 und Vorsitzender der Jury, begründete die Entscheidung folgendermaßen: „Hochhäuser sollen nicht länger nur hoch aufragende Symbole der Macht sein. Es geht vielmehr darum, die Macht zu transformieren, zu verändern, auf eine Situation zu reagieren. Ich glaube, es ist wichtig für einen Stadtteil, voller Leben zu sein, und das kann mit einer Mischung von Büros, Hotels und Wohnungen wie im ZIN erreicht werden.“
ZIN stärkt das Viertel, in dem es steht
Die ehemaligen beiden Türme wurden nicht vollständig abgebrochen, sondern beide Erschließungskerne sowie die Untergeschosse wurden beibehalten und in den Neubau integriert.
Foto: Kirsten Bucher
ZIN überzeugte die Jury als das Hochhaus mit dem Gesamtnarrativ: Es zeige auf, wie sich das Konzept von Sanierung und Umbau auf ein neues Niveau heben lasse. Dazu kommt, dass ZIN für europäische Verhältnisse äußerst groß dimensioniert ist. Es bietet mit seinen 10.000 m2 Fläche einen Anziehungspunkt in einem wenig attraktiven Stadtviertel. Die Jury resümierte, dass das Gebäude in ästhetischer Hinsicht zwar nicht als Blickfang wirke, gerade darin aber seine Stärke liege: Es vermag, „viel zu bewirken“, ohne auf ikonische Wirkung abzuzielen.
Statt Abriss und Neubau rücken beim mixed-use Hochhaus ZIN Transformation, Ressourcenschonung und Nutzungsmischung in den Mittelpunkt.
Foto: Kirsten Bucher
Das Projekt widersetze sich dem lautstarken Anspruch „Hier bin ich“ und lege den Fokus stattdessen auf die richtige Vermittlung der Botschaft. Während viele der Hochhäuser in Brüssel klassische Stahl- und Glas-Monolithen sind, bricht ZIN komplett mit diesem Leitbild. Die beiden ursprünglichen World-Trade-Center-Hochhäuser, die hier standen, wurden bis auf den Kern zurückgebaut. Zwischen ihnen wurde ein neues Gebäude mit doppelter Geschosshöhe eingefügt, das sowohl vertikal als auch horizontal Mischnutzungen fördern soll. Büros, Wohnungen, Hotelzimmer, Einzelhandel und Grünraum sind miteinander verflochten, um eine zusammenhängende Einheit zu schaffen, die auch nachts nie „leblos“ wirkt. Das neue Sockelgebäude aus Glas auf der einen Seite und der verbindende Turm mit doppelt hohen Geschossen auf der anderen Seite sorgen im neuen/alten Gebäude für Vielfalt. Dabei erreiche das Projekt eine Cradle-to-Cradle-Zertifizierung von 95 % für die verwendeten neuen Materialien. Dies sei ein noch nie zuvor erreichter Wert für ein europäisches Mischnutzungsprojekt dieser Größe.
Als weitere Finalisten geehrt wurden:
- AGE 360, Curitiba, Brasilien Architektur: Architects Office, Sao Paulo, Brasilien; Triptyque, Sao Paulo, Brasilien / Paris, Frankreich
- Tencent Tower, Guangzhou, China Architektur: Ateliers Jean Nouvel, Paris, Frankreich
- 88 Walker, Sydney, Australien Architektur: Fitzpatrick + Partners, Sydney, Australien
- One Pearl Bank, Singapur Architektur: Serie Architects, London, Großbritannien; Multiply Architects, Singapur
Aus über 1.000 Hochhäusern, die innerhalb der letzten zwei Jahre weltweit fertiggestellt wurden, hatte das Deutsche Architekturmuseum (DAM) 30 Gebäude aus 12 Ländern nominiert. Eine internationale Jury von Expertinnen und Experten aus Architektur- und Ingenieurpraxis sowie den Partnern des IHP (DekaBank, Stadt Frankfurt am Main und Deutsches Architekturmuseum) – unter der Leitung von Brian Yang (Architekt, Partner BIG, Kopenhagen) – wählte aus den Nominierten die Finalisten und den Gewinner.
Ausstellung im DAM
Was: Die Ausstellung Best High-Rises 2026/27 – Internationaler Hochhaus Preis zeigt neben dem Preisträger und den Finalisten alle nominierten Projekte.
Wann: 5.11.2026 – 4. April 2027, Di, Do – So 11.00 – 18.00 / Mi 11.00 – 20.00 / Mo geschlossen
Wo: Deutsches Architekturmuseum (DAM), Schaumainkai 43, 60596 Frankfurt am Main
Führungen: Jeweils samstags und sonntags, 14 Uhr
