More is now!
Neue tschechische Architektur im DAM Frankfurt 25.09.2026Gastland der diesjährigen Frankfurter Buchmesse ist Tschechien. Passend dazu widmet sich nun auch eine Ausstellung im Deutschen Architekturmuseum (DAM) der neuen tschechischen Architektur. Noch bis zum 17. Januar werden dort Projekte junger Architektinnen und Architekten des Nachbarlandes, überwiegend aus der sogenannten Millennial-Generation, präsentiert. Gezeigt werden 28 ausgezeichnete Bauten.
Die Ausstellung knüpft an das modernistische Erbe an – insbesondere an das Haus Tugendhat (1928–1930 in Brünn), das Ludwig Mies van der Rohe und Lilly Reich in ihren Vierzigern als ikonisches Bauwerk der Moderne entwarfen und bauten.
Weingut Lahofer, Dobšice, 2015–2020 von CHYBIK + KRISTOF
Foto: Laurian Ghinitoiu
Der Slogan „less is more“ wird Ludwig Mies van der Rohe als universelles Prinzip des architektonischen Minimalismus zugeschrieben. Im Alter von 42 Jahren entwarf Ludwig Mies van der Rohe die Villa Tugendhat, die zu einer Ikone der Moderne wurde. Selbst hundert Jahre später setze sie noch immer Maßstäbe für Architektinnen und Architekten, heißt es in der DAM-Mitteilung. Die Ausstellung More is Now! geht der Frage nach, inwiefern sich die tschechischen Architekturschaffenden der Millennial-Generation heute vom Prinzip „less is more“ inspirieren lassen oder das Erbe der Moderne neu interpretieren. Einige setzen auf „less“ und konzentrieren sich auf Minimalismus, während andere zu „more“ neigen und Komplexität und Vielschichtigkeit hinzufügen, wenn auch nicht unbedingt in der Form.
Lasvit Hauptsitz, Nový Bor, 2014–2019 vom Büro OVA
Foto: Tomáš Souček
Viele zeitgenössische tschechische Architektinnen und Architekten lassen sich von Zurückhaltung oder gar Strenge leiten. Ihr Minimalismus sei formaler, konzeptioneller und ethischer Natur. Sie fühlen sich von Einfachheit, klaren Strukturen und Modularität angezogen, die ihren Gebäuden Gestalt verleihen. In ihren Arbeiten loten sie das formale und technische Potenzial von Beton, Holz oder wiederverwendeten Baumaterialien aus. Aus ethischer Sicht bedeutet „less“ den Respekt vor bestehenden Strukturen und Materialien. Durch ihren Umbau erhalten alte Industriegebäude wie Hallen oder Silos ein neues Leben. Die Transformation von Infrastrukturprojekten beleben die aus früheren Verkehrsplanungen übrig gebliebenen Flächen neu – sie ergänzen diese durch Stadtmobiliar oder Freizeitangebote. Ein radikales Beispiel für konzeptionelle und materielle Reduktion sowie Recycling sind temporäre Pavillons aus wiederverwendeten Materialien. Umweltorientierte Bestrebungen lassen sich mit dem Satz „Weniger Architektur, mehr Natur“ zusammenfassen.
Skatepark unter der SNP-Brücke, Bratislava, Slowakei, 2020–2024 von U / U Studio, Janko Kráľ
Foto: Kubo Krížo
Projekte, die auf „more“ abzielen, bieten reichhaltigere Eindrücke, Erlebnisse und Zusammenhänge an. Diese Entwürfe ermöglichen den Besuchern, in Raum, Farbe oder audiovisuelle Erlebnisse einzutauchen. Wenn es um Gedenkstätten oder Parks im öffentlichen Raum geht, insbesondere um solche mit künstlerischem Ansatz, ist es oft das Ziel, komplexe historische Zusammenhänge zu entwirren oder sich mit ihnen auseinanderzusetzen. Büros, die für gewagte Kombinationen und zeitgemäße konzeptionelle Lösungen bekannt sind, verbinden traditionelle Handwerkskunst bzw. traditionelle Formen mit modernen, nachhaltigen Technologien und innovativen Materialien.
Im Allgemeinen habe sich die tschechische Architektur vom Prinzip der „Tabula rasa“ wegbewegt und erkenne nun den Wert und die Ressourcen städtischer Räume, historischer Gebäude und der Materialien in unserer Umgebung an. Auffällig an der Ausstellung sei, dass die meisten jungen Architekturschaffenden ihre ersten größeren Projekte durch den Gewinn öffentlicher Wettbewerbe realisieren konnten und dass sich ihre Gebäude oft außerhalb von Prag in einigen der fortschrittlicheren Regionen des Landes befinden. Die Ausstellung rückt herausragende Werke dieser neuen Architekturgenerationen in den Mittelpunkt.
Kuratorin der Ausstellung ist Helena Huber-Doudová von der Nationalgalerie Prag.
Das Projekt „More is Now!“ wird gemeinsam von der Nationalgalerie Prag und dem Deutschen Architekturmuseum (DAM) organisiert und vom Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds unterstützt.
Ausstellung: More is now! Neue tschechische Architektur im DAM Frankfurt
Dauer: 19.9.2026-17.01.2027
Ort: Deutschen Architekturmuseum (DAM), Schaumainkai 43, 60596 Frankfurt am Main
