Deutscher Fassadenpreis 2026 für VHF
Fünf Preisträger in vier Kategorien geehrt 21.10.2026Der Fachverband Baustoffe und Bauteile für vorgehängte hinterlüftete Fassaden (FVHF) hat am 15. Oktober 2026 im Deutschen Architektur Zentrum (DAZ) in Berlin den 16. Deutschen Fassadenpreis für vorgehängte hinterlüftete Fassaden verliehen. Ausgezeichnet wurden das Büro Voigt, RIEHLE KOETH, augustinundfrank/Winkler Architekten, Modersohn & Freiesleben Architekten sowie allmannwappner. Das Spektrum der prämierten Projekte reicht von der Sanierung historischer Theaterwerkstätten über ein Biotechnologiezentrum bis hin zu Schul- und Sozialbauten sowie einem Wohn- und Büroensemble.
Der seit 1999 ausgelobte Fassadenpreis für VHF spiegelt laut Mitteilung des auslobenden Verbands den Wandel der Gebäudehülle wider: Neben architektonischer und konstruktiver Qualität gewinnen Weiterbauen im Bestand, Ressourcenschonung, Kreislauffähigkeit und Energiegewinnung an Bedeutung. Die ausgezeichneten Projekte ständen exemplarisch für diese Entwicklung, so der FVHF.
Preisträger „Bauen im Bestand“
Preisträger der Kategorie „Bauen im Bestand": Theaterwerkstätten Eisenach, Büro Voigt
Foto: Philip Heckhausen
Mit der Sanierung der Theaterwerkstätten Eisenach zeige Büro Voigt, wie energetische Ertüchtigung, Weiterbauen im Bestand und architektonische Identität zusammenfinden. Die bestehende Putzfassade wurde additiv gedämmt und mit einer horizontalen Holzschalung als VHF versehen; vorhandene Fenster und Sonnenschutzelemente konnten weiterverwendet werden. Horizontale Brandschotts erscheinen bewusst als Gesimse und werden so Teil der Gestaltung. Die Jury würdigte die präzise, handwerklich geprägte Lösung, die vorhandene Substanz bewahrt, technische Anforderungen integriert und zugleich reparaturfreundlich und reversibel bleibt.
Preisträger „Das besondere Detail“
Preisträger der Kategorie „Das besondere Detail“: Biotechnologiezentrum Tübingen, RIEHLE KOETH
Foto: Brigida González
Beim Biotechnologiezentrum Tübingen von RIEHLE KOETH verbinde die VHF architektonische Klarheit mit technischer Präzision. Filigrane Lisenen und gewelltes Aluminiumlochblech bündeln unterschiedliche Funktionen zu einem ruhigen Fassadenbild. Die perforierte Hülle dient zugleich als Sonnen- und Sichtschutz und integriert die dezentrale Lüftung. Die Jury überzeugte besonders das Wechselspiel zwischen Strenge und Transparenz sowie die selbstverständliche Integration von Verglasung, Brüstungen, Öffnungselementen und Gebäudetechnik.
Preisträger „VHF-Funktionsfassade“
Preisträger der Kategorie „VHF-Funktionsfassade“: Schulmensa und Stadtteilzentrum Pasewalk, augustinundfrank/Winkler Architekten PartmbH
Foto: Andrew Alberts
Mit der Schulmensa und dem Stadtteilzentrum Pasewalk zeigen augustinundfrank/Winkler Architekten, wie die Gebäudehülle zum zentralen Bestandteil eines Low-Tech-Konzepts werden kann. Geschlossene und perforierte Trapezblechflächen schaffen unterschiedliche Transparenzen, unterstützen solare Gewinne und natürliche Nachtauskühlung und übernehmen zugleich den sommerlichen Wärmeschutz. Die Jury hob hervor, dass die Fassade nicht nur technisch überzeugt, sondern auch einen sozialen Beitrag leistet: Das Gebäude stärkt als neuer Treffpunkt das gemeinschaftliche Miteinander im Quartier.
Sonderpreis „VHF-Holzbekleidung“
Preisträger Sonderpreis: VHF mit Holzbekleidung: Haus im Park (Berlin), Modersohn & Freiesleben Architekten Partnerschaft mbB
Foto: Sebastian Schels
Der erstmals ausgelobte Sonderpreis VHF-Holzbekleidung ging an zwei Projekte, die das gestalterische und konstruktive Potenzial von Holz auf unterschiedliche Weise zeigen. Beim „Haus im Park“ in Berlin von Modersohn & Freiesleben Architekten verbinden sich rot lasierte Lärchenholzfassaden mit geneigten „Brandschürzen“ aus Faserzement zu einem charakteristischen Fassadenbild. Die Jury würdigte das Projekt als „elegant, fröhlich und pragmatisch zugleich“ und hob die sensible Materialwahl und Detailausbildung hervor.
Preisträger Sonderpreis: VHF mit Holzbekleidung: Wohn- und Bürogebäude „Vinzent“ (München), allmannwappner gmbh
Foto: Kim Fohmann
Das Wohn- und Büroensemble „Vinzent“ in München von allmannwappner überträgt den Holzbau dagegen in einen gründerzeitlich geprägten Stadtraum. Vorgefertigte hinterlüftete Holzfassaden, ornamentierte Oberflächen, kräftige Farbakzente und integrierte Begrünung schaffen eine eigenständige zeitgenössische Interpretation des Quartiers. Die Jury überzeugten sowohl die Bewältigung der komplexen bauphysikalischen Anforderungen als auch die lebendige, vielschichtige Gestaltung.
Zwischen Transformation und Baukultur
Rund 140 Gäste aus Architektur und Bauwirtschaft, darunter die nominierten Architektenteams gemeinsam mit ihren Bauherrschaften, kamen zur Preisverleihung im Deutschen Architektur Zentrum in Berlin. Alle zwölf nominierten Architektenteams stellten ihre Projekte vor. Die Preisträger wurden anschließend jeweils mit einer Laudatio durch ein Mitglied der Jury gewürdigt.
Den inhaltlichen Auftakt vorab bildete die Keynote von Axel Gedaschko, Präsident des GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen, unter dem Titel „Kleider machen Häuser. Wie die Fassade aus dem Bestand die Zukunft des Wohnens baut – und unseren Städten wieder ein Gesicht gibt.“
„Die Fassade entwickelt sich zunehmend zur Funktionsfassade“, so FVHF-Geschäftsführer Wolfgang Häußler. Die VHF könne Energie erzeugen, das Mikroklima verbessern, Begrünung integrieren und vor Hitze und Witterung schützen. Damit werde sie zu einem aktiven Bestandteil nachhaltiger Architektur und der Transformation des Gebäudebestands.
Der nächste Deutsche Fassadenpreis für vorgehängte hinterlüftete Fassaden (VHF) wird turnusgemäß im Jahr 2028 verliehen.
Jury
Reiner Nagel (Vorsitz), Dr.-Ing. Simon Banakar, Tim Bauerfeind, Prof. Mikala Holme Samsøe, Christoph Jopp, Heiko Sasse und Johann Simons
