Deutsch-polnischer Architekturförderpreis verliehen
02.10.2026Der BDA und der polnische Architektenverband SARP haben in Berlin den diesjährigen BDA-SARP-Award verliehen. Der Hauptpreis 2026 geht an Lukas Pap, Absolvent der Universität Stuttgart. Drei gleichwertige Auszeichnungen erhalten Laurin Dietz (TU Dortmund), Milena Hög (Technische Hochschule Augsburg) und Annahelen Mende (Bauhaus-Universität Weimar). Eine Besondere Auszeichnung geht an Szymon Misiak (Cracov University of Technology).
Insgesamt waren 18 Absolventinnen und Absolventen deutscher und polnischer Hochschulen für die zweite Wettbewerbsstufe nominiert, wie der BDA mitteilt. Sie nahmen vom 10.-13. September 2026 an einem gemeinsamen Workshop in Berlin teil. Im Anschluss stellte jede und jeder Finalist die eigene Abschlussarbeit der Jury vor, die anschließend über die Vergabe des BDA-SARP-Awards und der Auszeichnungen entschied.
Der mit 2500 € dotierte bilaterale Nachwuchsförderpreis wird an Absolventinnen und Absolventen der Fachrichtung Architektur beider Länder vergeben. Die Hochschulen nominieren dafür ihre besten Abschlussarbeiten, die von beispielhaften, zukunftsweisenden Ideen und einer außergewöhnlichen schöpferischen Begabung der Verfasserin oder des Verfassers zeugt, so die Kriterien. Der BDA-SARP-Award steht für den deutsch-polnischen Austausch in der Architektur und wurde von einem Entwurfsworkshop in Berlin begleitet. Die eingereichten Projekte müssen jedoch nicht im thematischen Kontext mit Polen stehen.
BDA-SARP-Award 2026
Lukas Pap, Universität Stuttgart, Fragments of an island
Der Hauptpreis 2026 geht an Lukas Pap, Absolvent der Universität Stuttgart.
Abb. Lukas Pap
Goli Otok, eine kroatische Insel mit einer schwierigen und schmerzhaften Geschichte, steht im Zentrum von Lukas Paps Entwurf. Die Architektur führt Besucher:innen auf einem Weg durch die Überreste des ehemaligen Gefangenenlagers bis zum „Room of Silence“, einem Ort der Kontemplation auf dem Gipfel des Glavina-Hügels. Fragmente zerstörter Strukturen, Schutt, Steine und Erde werden mit lokalen Materialien in einen neuen Zusammenhang gebracht. So entsteht eine zurückhaltende Architektur, die den besonderen Charakter des Ortes vermittelt. Die Jury würdigt den Entwurf für seine kraftvolle Aussage sowie seine große Sensibilität und Empathie im Umgang mit einem Ort, der vom Leid zahlreicher Menschen geprägt ist.
Auszeichnungen
Laurin Dietz, TU Dortmund, Transformation of the Raiffeisen Tower in Dortmund Harbor
Anerkennung: Laurin Dietz (TU Dortmund)
Abb. Laurin Dietz
Die Jury lobt die Initiative zur Umnutzung des alten Arbeitsamtgebäudes aus den 1970er Jahren. Das Projekt entwickelt eine regionale Antwort auf den Umgang mit der Typologie alter Getreidesilos. Der Entwurf verwandelt den ehemaligen Silo in einen öffentlichen Ort und schlägt im Erdgeschoss ein Schwimmbad vor. Die Jury lobt die sensible Nutzung der vorhandenen Bedingungen und den Erhalt des industriellen Charakters des Dortmunder Hafens.
Milena Hög, TH Augsburg, HOSPITAL [ITY] – Adaptive Reuse of the Klinikum Memmingen
Anerkennung: Milena Hög, Technische Hochschule Augsburg
Abb. Milena Hög
HOSPITAL [ITY] zeigt, wie ein alternder Gebäudekomplex durch Umnutzung neu belebt werden kann. Unterschiedliche Wohnformen werden zu einem vielfältigen und zugleich harmonischen Ensemble verbunden. Die Jury würdigt den Ansatz, Räume für Menschen mit unterschiedlichen Lebenssituationen zu schaffen und dabei niemanden zurückzulassen.
Annahelen Mende, Bauhaus-Universität Weimar, In the Village, by the Fields
Anerkennung: Annahelen Mende, Bauhaus-Universität Weimar
Abb. Annahelen Mende
Mit sorgfältiger Recherche und kleinen Eingriffen entwickelt der Entwurf das historische Gebäude und seine Umgebung behutsam weiter. Die Jury lobt die Sensibilität im Umgang mit Bestand, Landschaft und Geschichte und die überzeugende Anpassung des traditionellen Grundrisses an heutige Anforderungen, ohne dessen Grundstruktur zu verändern. Die Jury würdigt die besondere Sensibilität im Umgang mit dem bestehenden Gebäude, seiner Landschaft und seiner Geschichte.
Besondere Auszeichnung
Szymon Misiak, Cracov University of Technology, Scenographies of the End. Between Disappearance and Regeneration of the Barycz Landscape
Besondere Auszeichnung: Szymon Misiak, Cracov University of Technology
Abb. Szymon Misiak
Der Entwurf entwickelt für die durch menschliche Eingriffe geprägte Barycz-Landschaft ein Szenario zur Renaturierung in fünf Schritten. Aus dem zurückgewonnenen Land entsteht Architektur, die eine Verbindung zwischen Vergangenheit und Zukunft schafft. Die Jury würdigt insbesondere den reifen Umgang mit einem komplexen Thema, das räumliche und soziale Fragen gleichermaßen berührt, sowie die sensible und zurückhaltende Gestaltung von Recherche und Entwurf.
