Architekturmuseum verkleinern?
Kameralistik … Eingaben, Ausgaben, fertig. So funktionieren bis heute die meisten Buchführungs- und Rechnungssysteme in der öffentlichen Verwaltung, auch im Kulturbereich. Umso aufschlussreicher die Formulierung, dass neben aller mangelhaften strategischen Steuerung „gleichzeitig […] die kameralistische Haushaltsführung und die bestehende Stellenbewirtschaftung die Flexibilität der Museen insbesondere in der Finanz- und Personalplanung [begrenzen].“
Das alles steht im Zusammenhang mit dem jüngst veröffentlichten Weißbuch Reformkommission Museumsoffensive. Die Zukunft der staatlichen Museen Bayerns, in dem versucht wird, die Museumslandschaft des Freistaats zu retten; finanziell. Denn auch wenn Finanznot für die meisten Ausgabenfelder zu konstatieren ist, Einsparungen werden gerne zuerst in der Kultur vorgenommen; weil deren Produktivität zwar als positiv erforscht, aber kämmererseits nicht akzeptiert ist.
Die Offensive – wir dürfen das in diesen Zeiten wieder schreiben – zielt unter anderem auch auf die Pinakothek der Moderne mit ihren vier Museen Designmuseum, Sammlung Moderne Kunst, Staatliche Graphische Sammlung und Architekturmuseum (der TUM). Einziehen sollen hier laut Offensive noch das Deutsche Theatermuseum und die Sammlung Götz (über deren akuten Ausfall wir im vergangenen Heft berichteten).
Weil es also enger wird, soll das Architekturmuseum, in Resträumen mit 600 m² (von 12 000 m²) eher Zaungast, auf Flächen verzichten. Im Weißbuch heisst es: „Der [zukünftige; Be. K.] Verbund sollte zunächst aus zehn Staatsmuseen bestehen, die über eine kritische Größe verfügen“, darunter auch die Neue Pinakothek, in der das Architekturmuseum aber nicht mehr gelistet wird. „Darüber hinaus empfiehlt die Kommission garantierte Ausstellungsmöglichkeiten für das Architekturmuseum der TUM […] in der Pinakothek der Moderne.“ Was heißt: Das Architekturmuseum wird zur Verhandlungsmasse. Was wunderbar dazu kontrastiert, dass in dem Weißbuch notiert ist, dass das Architekturmuseum „Deutschlands größte Spezialsammlung für Architektur, mit Zeichnungen, Modellen und Fotografien vom 16. Jahrhundert bis heute“ ist.
Umgesetzt werden soll das alles 2029. Dann gibt es auch eine neue Museumsleitung (aktuell ist es noch Prof. Dr. phil. Andres Lepik (seit Oktober 2012), Inhaber der Professur für Architekturgeschichte und kuratorische Praxis an der TUM). Vorschlag für die kommende Stellenausschreibung: „Neben aller internationaler Vernetzung und fachlicher Kompetenz werden vor allem Flexibilität und der Wille zum andauernden Improvisieren vorausgesetzt“. So oder ähnlich. Wir bleiben dran. Be. K.
www.architekturmuseum.de
