Buchrezension: Biennale Architettura 2018


Foto: Benedikt Kraft / DBZ

Foto: Benedikt Kraft / DBZ
Man sollte diesen Fehler nicht machen: Die beiden Bände auf dem Gelände der Biennale erstehen, gleich am Anfang des Rundgangs beispielsweise. Zusammen wiegen die Bände im ca. DIN A 4 Format sicherlich knappe 2 kg, die, in der Tasche über der Schulter hängend getragen, spätestens am Abend für Rückenschmerzen sorgen. Aber die Versuchung ist groß, gleich zu Beginn der großen Architekturausstellung in den Bücherläden am Arsenale oder in den Giardini zuzugreifen, denn das was hinter den Einlasstoren kommt, ist meist nicht an zwei oder drei Tagen zu erfassen, dazu reicht die Zeit einfach nicht.

Was also könnte besser sein, als sich in Ruhe auf die 16. Architekturbiennale in Venedig mittels des Katalogs (in zwei Bänden) vorzubereiten?! Das erste Mal wird der Hauptkatalog – neben oder mit den vielen vielen Katalogen der nationalen Aussteller, der Kataloge zu Sonderthemen wie die Kapellenentwürfe für den Vatikan etc. – im Eigenverlag der Biennale produziert und offensichtlich auch verbreitet. Wer genauere bibliografische Daten sucht, kommt selbst mit der ISBN nicht gleich ans Ziel.

Aber Schluss mit dem Vorgeplänkel, hinein in die gedruckte Ausstellungswelt. Traditionell ist das Ausstellungsspektrum auf zwei Bände verteilt, der größere Band schaut auf die Beiträge der Hauptkuratoren beziehungsweise auf die Beiträge derjenigen, die die beiden Biennale-Direktorinnen Yvonne Farrell und Shelley McNamara von Grafton Architects aus Dublin ins Arsenale und den Hauptpavillon (ehemaliger italienischer Pavillon in den Giardini) eingeladen haben. Deren Arbeiten werden – weil gar nicht anders möglich – über einen kurzen Konzepttext sowie Skizzen, Visuals oder Renderings vorgestellt. Wie das hinterher in der Ausstellung aussieht, ist manchmal von überraschender Divergenz!

Alle Arbeiten werden über Ausstellungspläne auffindbar gemacht, alle Autoren dieser Beiträg werden mit Kurzviten vorgestellt, hinzu kommen Angaben zum Projektteam. Neben zwei kurzen Einleitungstexten der Direktorinnen – deren Inhalt mit dem identisch ist, was im Vorfeld der Biennale länger schon als Statements durch die Presse ging – findet sich in dem dickleibigen Band weiter nichts. Lesestoff ist allerdings genug vorhanden!

Im zweiten, deutlich schmaleren Band wird auf die Nationenbeiträge (vornehmlich in den Pavillons der Giardini) geschaut, wieder ist es nur ein Doppelseite je Beitrag und natürlich sehen wir auch hier nur die Visuals der Beiträge.

Was das bringt? Überblick. Und den braucht man, will man sich nicht nur treiben lassen von Show-Event zu Ausstellungshighlight (und zurück). Der gedruckte Überblick der beiden Bände, die man lesen sollte, Anmerkungen, Vorlieben, Fragezeichen notieren und dann, beide Schwergewichte zuhause zurückgelassen, den Weg durch die Ausstellung wagen. Um dann, wieder zurückgekommen, manches innere Bild, manchen Gedanken noch einmal retrospektiv abzugleichen mit dem Gedruckten … Es wird überraschend! Und intensiver, als ein Ausflug ohne jede Katalog-Begleitung. Be. K.

Biennale Architettura 2018. Hrsg. von der La Biennale di Venezia, Venedig 2018, engl, 2 Bände, 580 S. bzw. 190 S., zahllose Farbabb., 80 €, ISBN 978-88-98727-19-3

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