Hild und K statt Nieto Sobejano

www.hildundk.de, www.nietosobejano.com

Zwischen Hofbräuhaus, Bier- und Oktoberfest-Museum, zwischen Starbucks und Kentucky Fried Chicken, also mittendrin in Münchens schöner Altstadt möchte das Mandarin Oriental erweitern. Das Hotel ist eines der Luxuskategorie mit Zimmerpreisen von 575 € bis „Preis auf Anfrage“ für die große Präsidentensuite (die kleine kostet 12 500 €/Nacht). Die Erweiterung – 51 Zimmer sind geplant – geht nur nach nebenan, über die Neuturmstraße hinweg. Dort steht zur Zeit noch das Fina-Parkhaus, das in städtischem Besitz ist. Bis ca. 2018 bietet es Platz für 270 Kurzzeit- und 230 Dauerparker. Die müssen, und das klingt ja nicht schlecht, nach dem Abriss an den Thomas-Wimmer-Ring fahren, das ist dort, wo einmal der Stadtwall die Stadt schützte und heute der Autoverkehr die Altstadt umzingelt.

Es gab also einen Wettbewerb für die Erweiterung, den mit 17 gegen 5 Jurorenstimmen die Madrider Nieto Sobejano Arquitectos gewannen. Nieto Sobejano haben bereits auf der anderen Seite der Altstadt, am Karlsplatz, den Königshof neu erfunden mit einem Entwurf, der die Gemüter aufregte. Zunächst, dann wurde die dezidiert zeitgenössische Architektursprache auf diesem recht freien Feld Münchener Urbanität doch als eine Möglichkeit akzeptiert (der Vorgängerbau ist zudem sehr verbaut und ohne wirkliche städtebauliche Qualitäten).

Ganz anders im schon beschriebenen Herzen der Stadt, die von Seiten der Stadtpolitik gerne auch „Weltstadt“ genannt wird (Walter Zöller, Planungssprecher der CSU-Fraktion im Rathaus). Hier hat die Stadtgestaltungskommission aktuell entschieden, den Entwurf aus dem Ausland nicht zu erlauben. Das Hotel wählte also den von Hild und K, der „wohltuende Zurückhaltung“ ausdrücke, so der Stadtheimatpfleger im Ehrenamt, Gert Goergens. Die „mineralischen Fassaden“, so der Heimatpfleger, „interpretieren den historischen Rhythmus zeitgemäß neu und durchaus eigenständig.“

Dass am Ort der Erweiterungsplanung jahrzehntelang eine „Bausünde“ (Elisabeth Merk, Stadtbaurätin) in Form eines Parkhauses den Straßenraumrhythmus vorgab, interessiert dabei nicht. Eine innerstädtisch, sehr zentral gelegene Parkfläche für Anlieger und Konsumenten ist ja auch ein irgendwie öffentlicher Ort, in jedem Fall ein wirksamer, weil umsatzbringender Stadtbaustein. Und ja, das auch, ein luftschadstoff- und lärmerzeugender.

Ludwig Wappner, ebenso Münchener Architekt wie Hild und K, bedauert die Entscheidung und empfindet das Verfahren, „das dazu geführt hat, dass schließlich der Entwurf meines sehr geschätzten Kollegen Andreas Hild präsentiert wurde, seltsam.“ Er glaubt, dass wir alle uns „grundsätzlich fragen [müssen], wie sich die Stadt verändert und weiterentwickelt. München lebt auch durch seine bauliche Vielfalt. [...] Wir hätten die Chance zu etwas Außergewöhnlichem gehabt, aber wie gesagt, sie wurde vertan.“ Gemach, gemach, eine Weltstadt wird eben nicht von heute auf morgen gebaut. Be. K.