Haus 6, Berlin

Auf dem Gelände des ehemaligen Königlichen Corps-Bekleidungsamts Lehrter Straße 57 – heute „Werkhof57“ knistert es vor lauter Kreativen. Gleich rechts hinter der Einfahrt von der Lehrter Straße aus steht der Atelierbau für Katharina Grosse (Arch.: Augustin und Frank), weiter hinten links arbeitet die Künstlerin Karin Sander und darüber, in einer Dachaufstockung von Sauerbruch Hutton, eben diese. Es gibt weitere Architektur- und De­signbüros, aktuell wird der Werkhof um ein Wohnhaus zur Kruppstraße hin ergänzt. Planung: Sauerbruch Hutton.

Die Fassade des Viergeschossers zwischen Atelierbau Grosse und historischem Backsteingebäude besteht aus spiegelndem Blech, das – je nach Standpunkt – die Umgebung in unterschiedlicher Weise widerspiegelt. Doch nicht das Ephemere der Bilder und die Umkehrung der Farbstrategien von Sauerbruch Hutton – hier kommt Farbe immer nur aus dem Blickwinkel des Betrachters auf die Gebäudehaut – ist das Interessante, es ist vielmehr das scheinbar so leichte wie eigentlich selbstverständliche Flächenmanagement, das hier überzeugt. Die Nutzer wollten maximale Flächen bei maximaler Flexibilität der Grundrisse. Erreicht wurde das mit freitragen­den Spannbetondecken über einer Fläche von 47 x 10 m, mit der Verlegung der Leitungsschächte in die Fassadenebene und die Erschließung jeder Wohnung über breite Erschließungsbalkone an der Südfassade, auf die man über ein zentral liegendes Treppenhaus gelangt. Der Laubengang (eher „Balkon-gang“) ermöglicht zudem die Ausrichtung der maximal acht Wohnungen je Geschoss nach Norden und nach Süden. Während der Spiegel in Hausgröße irritiert, überzeugt diese Planung vollständig. Be. K.