Grünzug Südpanke, Berlin-Mitte

Ein Wasserweg mit zwei Seiten Grünzug Südpanke, Berlin-Mitte

Berlin boomt und baut. Die Stadt setzt auf Dichte, Freiräume verschwinden. Umso wichtiger werden die verbliebenen Flächen, die es ebenso wie die gebaute Struktur zu verbessern gilt. Einer dieser Freiräume ist die Panke, ein Nebenfluss der Spree, der lange Zeit kanalisiert und so dem Stadtraum entzogen war. Als Abwasserkanal abgewertet, verschwand bisher nicht nur der Fluss, sondern mit ihm auch der öffentliche Freiraum zugunsten industrieller Lagerflächen. Aber damit ist es nun zum Glück vorbei.

Mitten in der Stadt, unweit der Chauseestraße, der nördlichen Verlängerung der Friedrichstrasse, stellten sich bei dem Projekt „Grünzug Südpanke“ ganz besondere Herausforderungen.

Als Ausgleichsmaßnahme entwickelt für den gewaltigen Hochsicherheitskomplex des Bundesnachrichtendienstes, der nach Osten hin über mehr als 500 m den neuen Park abriegelt, von einer Straße durchschnitten und an den schmalsten Stellen nur 20 m breit, war die Gestaltung der insgesamt 28 000 m² keine leichte Aufgabe. Doch das Büro „bbzl – böhm benfer zahiri landschaften städtebau“ fand 2007 in einem Wettbewerb eine überzeugende Antwort. Es ist eine Lösung, die die kontroverse Situation des neuen Parks nicht leugnet, sondern in eine wohltuende Symbiose überführt.

Eine urbane und eine eher landschaftliche Seite besitzt der Park nun, mit einer dezidiert harten Uferkante im Westen und einer weichen Uferböschung im Osten, die zu zwei unterschiedlichen Freiräumen überleiten. Mit harten Elementen wie Betonfertigteilen als Sitzmöbel, Wegbelag oder Uferfassung lädt die Westseite zum Promenieren und Radeln, also zu einer Wiederentdeckung des lange verborgenen Stadtraums, ein.

Neue Wege und kleine Plätze schließen mit Rampen, Treppen und mineralischen Raumelemente an sehr sorgsam ausgewählten Stellen an die Stadt an. Ganz anders hingegen verhält sich die Ostseite, die mit gezielten Eingriffen in den wilden Baumbestand entschieden gelichtet und topografisch bewegt wurde, sodass ein naturnaher Landschaftsraum mit weichen Wegen entstand, der nun eher zum Verweilen und Liegen einlädt.

Über diesen Gegensatz entwickelt der neue Park eine ganz eigene Anziehungskraft. Zumeist wenige Meter unter Straßenniveau verlaufend, zeigt er mit seinem neuen, linearen wie mehrfach abgeknickten Flussverlauf stets nur perspektivisch reizvolle Abschnitte von sich, die zudem je nach Sonnenstand durch den wechselnden Schattenfall der Baumreihen am Rande des Parks noch eine grafische Überhöhung finden. Obwohl derzeit erst zu einem Drittel fertig, überzeugt der Park so bereits heute.

Sein südliches Entrée an der Habersaathstraße mit seinem Trialog von Platz, Rückhaltebecken und Treppenforum lässt jedoch noch ein letztes Finish vermissen. Nur zwei der drei rechteckigen Freiräume auf verschiedenen Niveauhöhen entwickeln visuelle Kraft: Becken und Treppen überzeugen, jedoch nicht der Platz, dessen allzu grafische Boden- und Banklineaturen quasi im Nichts enden und nur wenig
zu Aufenthalt und Kommunikation einladen. Eine Situation, die sich hoffentlich noch verbessern lässt, wenn endlich der Bau des BND-Komplexes beendet ist und dann auch der östliche Rand des Parks gestalt- und betretbar sein wird.

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