Balkon mit Meerblick
Fußgängerbrücke am Stadthafen Sassnitz-
„Wenn man erst die Furcht verloren hat vor der...
Foto: Wilfried Dechau, Stuttgart
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Die einseitige Aufhängung der Brücke gibt den...
Foto: Wilfried Dechau, Stuttgart
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Die Brücke verbindet den Rügenplatz mit dem 22 m...
Foto: Wilfried Dechau, Stuttgart
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links:
Der Mast misst 43 m. Durch das Abspannen...Foto: Wilfried Dechau, Stuttgart
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rechts:
Die Hängerseile sind nicht am...Foto: Wilfried Dechau, Stuttgart
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Schon 1987 planten Schlaich Bergermann und Partner...
Foto: Wilfried Dechau, Stuttgart
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Rund 100 Pfähle mit Durchmesser 42 cm bzw. 61 cm...
Foto: Wilfried Dechau, Stuttgart
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Der Mast wurde in Vorlage aufgestellt, um einen...
Foto: Wilfried Dechau, Stuttgart
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Zur Übergabe der Lasten an das Seiltragwerk wurden...
Foto: Wilfried Dechau, Stuttgart
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Der Stahl-Hohlkasten des Seilbrücken-Überbaus...
Foto: Wilfried Dechau, Stuttgart
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Die Fußgängerbrücke schlängelt sich über 243 m...
Foto: Wilfried Dechau, Stuttgart
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Die Erbauer der Brücke hüpfen als erste:...
Foto: Wilfried Dechau, Stuttgart
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Lageplan, M 1 : 2 000
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Schnitt AA, M 1 : 750
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Schnitt AA (Rampenbrücke), M 1 : 750
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Geländer, M 1:33 1/3
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Detailschnitt BB (Hänger 25), M 1 : 50
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Detailschnitt CC (Hänger 30), M 1 : 50
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Kreisringträger
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Schnitt Draufsicht Kreisring
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Abgespannter Mast
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Mike Schlaich
wurde 1960 in Cleveland, Ohio, USA geboren. 1979 begann Schlaich mit dem Studium des... -
Andreas Keil
wurde 1958 in Stuttgart geboren. Von 1979 - 1985 studierte Keil an der...
Der intern im Büro Schlaich Bergermann + Partner existierende Spruch: „Wenn Du eine Brücke siehst, die Du nicht siehst, dann ist sie von uns“ trifft auch bei der Brücke in Sassnitz zu. Vor allem, weil die Konstruktion hier im Hintergrund steht – im wahrsten Sinne des Wortes.
Nach dem Fall der Mauer 1989 ergab sich für das Ostseebad Sassnitz die Notwendigkeit struktureller städtebaulicher Veränderungen. Der Hafen – schon seit 1878 Startpunkt für Fährverbindungen nach Skandinavien – war zu Zeiten der DDR nur für den westdeutschen Verkehr zugänglich. Im Zuge des Städtebauförderprogramms des Landes Mecklenburg-Vorpommern wurde er neu eröffnet, die Fähr-Anlegestelle abgerissen und die Revitalisierung des Hafenbereichs und Wiedereingliederung in das Stadtbild von Sassnitz durch eine direkte Brückenverbindung beschlossen.
Randbedingungen
In ihrer Machbarkeitsstudie untersuchten Mike Schlaich und Andreas Keil zunächst verschiedene Zugangsvarianten. Die Wahl der Konstruktion hing ab von zahlreichen Randbedingungen:
Topographie der Umgebung
Die Kreidefelsen, Ursache des großen Geländesprunges von 22 m zwischen Stadt und Hafen, konnten weder statisch noch dynamisch hoch belastet werden. Auch direkt vor der Böschung auf Hafenniveau konnten keine Stützen gestellt werden, da sich dort eine Zubringerstraße zum Hafenbereich befindet. Im weiteren Verlauf der Brücke liegt ein denkmalgeschützer Bau. Der gesamte Bereich musste also stützenfrei überspannt werden. Erst auf dem unteren Stück bis zum Glasbahnhof konnten Stützen eingeplant werden.
Verkehrsführung der Stadt
Alle Straßen im Ortskern weisen rechtwinklig auf die Böschungskante. Die Gebäude und die Ausrichtung der Erschließung des Hafenbereichs verlaufen parallel zur Böschung. Dieser Richtungswechsel musste im Brückenverlauf berücksichtigt und ausgeglichen werden.
Barrierefreie Erschließung
Eine der wesentlichen Anforderungen war die hindernisfreie Erschließung des Hafens. Ein gekrümmter Brückenverlauf generiert im Vergleich zur direkten Verbindung der Start- und Endpunkte zusätzliche Länge und ermöglicht die erforderliche Neigung der Gradiente.
Wahrzeichen der Region
Der Wunsch der Stadt war es, die Brücke zu einem Erkennungszeichen über die Grenzen der Region hinaus werden zu lassen. Die Konstruktion sollte Ihren Teil dazu beitragen.
Balkon mit Aussicht
Die Lage der zukünftigen Brücke mit Blick über den Hafen – oben der berühmte Sachsenblick, von dem aus schon die Urlauber zu DDR-Zeiten auf den Fährhafen und die Fähren geschaut haben, an deren Fahrten nach Schweden sie gerne teilgenommen hätten, aber nicht durften – ließ die Idee des Balkons am Meer entstehen.
In weiteren Studien wurde die optimale Spannweite des seilgestützten Brückenteils über den Böschungsabschnitt und das denkmalgeschützte Gebäude ermittelt und der verbleibende Teil durch einen sehr ökonomischen und schlanken, im Gegenschwung gekrümmt verlaufenden Rampenbrückenteil mit Anschluss am Glasbahnhof vervollständigt. Damit war es möglich, das genau definierte Gesamtbudget einzuhalten.
Konstruktion
Die letztlich verwirklichte Brückenvariante besteht aus zwei Teilen. Oben am Sachsenblick beginnt der Weg hinunter zum Hafen auf einer 119 m langen, frei spannenden Seilbrücke, die in ihrem Verlauf fortgeführt wird in einer Rampenbrücke, deren 124 m lange Verbundkonstruktion von neun Stützenpaaren getragen wird. Am Übergangspunkt der beiden Brückenteile werden die Horizontalkräfte durch Fachwerkdiagonalen aus 14 m Höhe in den Baugrund abgeleitet. Die Diagonalen sind zugleich als Treppenzugang ausgebildet und ermöglichen den direkten Zugang von der Brücke zum Platz ohne Umweg über den Glasbahnhof.
Rampenbrücke
Im Grundriss sind – dem Verlauf der Brücke folgend – gekrümmte Walzprofile mit querverlaufenden T-Profilen horizontal ausgesteift. Die 20 cm starke Betonplatte liegt im Verbund mit den Stahlträgern und beteiligt sich so am Lastabtrag. Die schlanken Stahlrohr-Stützen stehen in ca. 12,5 m Abstand und sind biegesteif im Stahlbau des Überbaus und mit Gewindestangen in den Fundamenten verankert. Zur zusätzlichen Queraussteifung wurden in jeder dritten Stützen-achse diagonale Verbände angeordnet.
Seilbrücke
Die Seilbrücke besteht aus wenigen Hauptelementen: Tragseil, Hängerseile, Hängerrahmen und Überbau-Hohlkasten. Der Überbau ist nur auf seiner Innenseite über Hängerseile im Abstand von ca. vier Metern an den Tragseilen der Brücke angeschlossen. Die einseitige Aufhängung soll den Balkoncharakter unterstreichen und ermöglicht dem Besucher die uneingeschränkte Aussicht auf die Ostsee beim Gang über die Brücke.
Das Abspannen der Mastspitze mit Seilen in zwei Achsen zur Böschung hin begrenzt effektiv die Verformungen der Brücke, ohne unnötig große Biegesteifigkeit im Brückenhohlkasten zu erzeugen, wodurch unerwünschte Querbiegemomente angezogen würden. Diese Maßnahme reduzierte die maßgebenden vertikalen Verformungen um 75 %.
Schwingungen und Wind
Die geringere Steifigkeit von Fußgängerbrücken im Vergleich zu Straßenbrücken kann zu Schwingungen führen, die durch den Schrittrhythmus „aufgeschaukelt“ werden.
Objekt: Brücke am Stadthafen Sassnitz
Standort: Sassnitz auf Rügen
Bauherr: Stadt Sassnitz mit BIG
Planung: Schlaich Bergermann und Partner, Stuttgart, www.sbp.de
Mitarbeiter: Mike Schlaich, Andreas Keil, Knut Stockhusen, Sebastian Linden
Bauleitung: Hartmut Pieper, Binz
Prüfingenieur: Frank Breinlinger, Tutlingen
Bauzeit: 2006-07
Konstruktionsart: einseitig aufgehängte, im Grundriss gekrümmte Hängebrücke
Material: Stahl, Betonbrücke auf Überbau
Geländer: Edelstahl Maschendraht
Projektdaten
Seilbrücke: 119 m
Rampenbrücke: 124 m
Höhenunterschied: 22 m
Nutzbreite: 3 m
Gefälle: 6,47 %
Masthöhe: 43 m
Durchmesser Mast: 1 250 mm
Gewicht Mast: 50 t
Anzahl Hängerseile: 28
Gewicht Hängebrücke: 320 t
Länge Rammpfähle: bis 25 m
Durchmesser Pfähle: bis 60 cm
Baukosten
Gesamt: ca. 3 Mio. €
Literatur zum Thema
Fußgängerbrücken, Konstruktion, Gestalt, Geschichte von Ursula Baus und Mike Schlaich, Birkhäuser Verlag, 2008, ISBN: 978-3-7643-8138-7
Seebrücke, Fotografisches Tagebuch, Sassnitz 5. Januar 2006 – 22. Juni 2007 von Wilfried Dechau, Ernst Wasmuth Verlag, 2007, ISBN: 978-3-8030-0682-0
Die Brücke am Stadthafen Sassnitz wurde mit dem Deutschen Brückenbaupreis 2010 ausgezeichnet
















