Ausstellung der Berlinischen Galerie

Bettina Pousttchi – In Recent Years

vom
12.09.2019
bis
06.04.2020

Bettina Pousttchi arbeitet an der Schnittstelle von Skulptur, Fotografie und Architektur. Ihre temporären fotografischen Interventionen im öffentlichen Raum bedecken oft ganze Häuserfassaden und nehmen Bezug auf den urbanen oder historischen Kontext eines Ortes. Pousttchi reflektiert die Rolle der Fotografie im digitalen Zeitalter und befragt das Verhältnis von Erinnerung und Geschichte aus transnationaler Perspektive.

Für ihre Ausstellung In Recent Years in der Berlinischen Galerie entwickelt sie eine Fassadenarbeit, die den gesamten Eingangsbereich des Museums einnimmt. Darüber hinaus zeigt sie in der ersten großen Ausstellungshalle einen Überblick ihrer skulpturalen und fotografischen Werke, darunter auch jüngst entstandene Arbeiten. Das netzartige Motiv ihrer Intervention an der Glasfassade der Berlinischen Galerie ist ein Hybrid aus architektonischen Strukturen. Das Muster basiert auf Fotografien der Künstlerin von Fachwerkhäusern, die sie digital bearbeitet hat. In der Gesamtheit entsteht eine ornamentale Form, welche die Architektursprache des europäischen Kulturraums mit der Vorderasiens verbindet. Dieser Verschränkung der Perspektiven liegt ein transnationaler Gedanke zugrunde, der zentral ist für das Werk der Künstlerin. Pousttchi verweist mit dieser Synthese auf die fluiden Grenzen zwischen den Kulturen und nationalen Identitäten, die sich insbesondere auch in der unmittelbaren Nachbarschaft der Berlinischen Galerie erfahren lassen. Sie fragt zugleich danach, wessen Geschichte und Kultur im öffentlichen Raum erzählt und repräsentiert wird: Welche lokale und auch nationale Identität wird durch städteplanerische und architektonische Entscheidungen konstruiert?

Im Museum präsentiert Pousttchi skulpturale Arbeiten, die den Stadtraum thematisch nach innen bringen und mit denen sie ihr Interesse an den Strukturen des öffentlichen Raumes vertieft. Sie bestehen aus transformiertem Stadtmobiliar wie Straßenpfosten, Baumschutzbügeln oder Fahrradständern. Diese Objekte begrenzen öffentliche Räume und regulieren Bewegung. Als Barrieren im Stadtraum definieren sie Zugänglichkeit und werden doch im Alltag häufig nicht bewusst wahrgenommen. Die eigens für die Ausstellung in der Berlinischen Galerie entstandene Skulpturengruppe besteht aus Leitplanken: Die Künstlerin hat die einzelnen Teile mechanisch verformt und zu bis zu 4 Meter hohen Skulpturen teilweise in kräftiger arrangiert Farbgestaltung. Ein weiterer Teil der Ausstellung im Innenraum zeigt Pousttchis fotografische Arbeit World Time Clock (2008–2016), die in Berlin ihren Ursprung hat. Für die umfangreiche Fotoserie reiste die Künstlerin über acht Jahre hinweg in mehreren Etappen in die unterschiedlichsten Zeitzonen der Welt. An jedem dieser Orte fotografierte sie eine öffentliche Uhr zur immer gleichen Zeit, 13:55 Uhr. So entstand eine weltumspannenden Arbeit zur politischen und sozialen Organisation von Zeit und Raum in Städten wie New York, Moskau, Hongkong, Sydney, Taschkent, Kapstadt, Rangun, Rio de Janeiro u.a.

Mehr über die Ausstellung erfahren: hier

Berlinerische Galerie, Landesmuseum fuer Moderne Kunst, Fotografie und Architektur
Alte Jakobstraße 124
10959 Berlin