Kultur in umgenutzten Kirchen
22.06.2026Noch bis zum 4.10.2026 verwandelt die „Manifesta 16 Ruhr“ zwölf Kirchen in Bochum, Duisburg, Essen und Gelsenkirchen in Orte für zeitgenössische Kunst und Architektur, Social Design sowie Begegnung und Austausch. Eröffnet wurde die „Manifesta 16 Ruhr“ am vergangenen Wochenende (21. Juni 2026). Es ist bereits die 30. Ausgabe der europäischen Biennale, deren Ausstellungsorte alle zwei Jahre wechseln. Der Eintritt ist frei.
"Ouranophobia 47051" von Abbas Zahedi ist eine akustische Klanginstallation, die u.a. aus gefundenen Orgelpfeifen besteht. Sie ist in der Liebfrauen Kirche zu sehen
Foto: Manifesta 16 Ruhr/Ivan Erofeev
Wie kann die bestehende Infrastruktur in den Stadtteilen neu gedacht werden, um neue Formen des gemeinschaftlichen Lebens in einer Zeit sozialer Fragmentierung, wachsender Ungleichheit und gesellschaftlicher Polarisierung zu ermöglichen? Die „Manifesta 16 Ruhr“ basiert laut eigener Aussage auf der Leitidee „This is not a church“ („Das ist keine Kirche“). Anstatt leerstehende oder wenig genutzte Kirchen ausschließlich als architektonisches Erbe zu betrachten, möchte die Biennale untersuchen, wie diese Räume zu neuen zivilgesellschaftlichen Ankerpunkten werden oder dazu beitragen können, mehr Nähe und Zusammenhalt in ihren Nachbarschaften zu schaffen. In einer Region, die durch eine polyzentrische Stadtstruktur und sich wandelnde soziale Realitäten geprägt sei, erforsche das Projekt, wie Kultur zur Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts, zur Rückgewinnung öffentlicher Räume und zur Förderung von Nähe zwischen Bürgerinnen und Bürgern beitragen kann.
Die Biennale präsentiert Beispiele dafür, wie ehemalige Kirchen in Ausstellungsräume, Gärten, Konzerthallen, Kunstschulen, Textilwerkstätten, Kulturzentren und Orte des bürgerschaftlichen Engagements umgewandelt werden können (hier: Kulturkirche Liebfrauen in Duisburg)
Foto: Daniel Sadrowski
In einer Zeit, in der allein in den kommenden zehn Jahren voraussichtlich mehr als 20 000 Kirchen in Deutschland leerstehen oder entwidmet werden, möchte die „Manifesta 16 Ruhr“ die Zukunft dieser Gebäude in den Fokus rücken. Durch neue künstlerische Auftragsarbeiten, durch Communities getragene Initiativen und kollaborative Forschungsprojekte präsentiert die Biennale zwölf Beispiele dafür, wie ehemalige Kirchen in Ausstellungsräume, Gärten, Konzerthallen, Kunstschulen, Textilwerkstätten und mehr umgewandelt werden können. Ergänzend zur Hauptbiennale erweitert das Programm „Manifesta 16+“ diesen Ansatz auf das gesamte Ruhrgebiet durch ein Programm mit 16 basisorientierten Initiativen, die Kirchengebäude in sechs weiteren Städten transformieren.
Das Ruhrgebiet wird dabei als Raum von Transformation verstanden.
Das Programm wurde von einem interdisziplinären Team aus acht Creative Mediators entwickelt: Josep Bohigas, Gürsoy Doğtaş sowie drei generationenübergreifende Tandems aus verschiedenen Ländern, das britische Tandem Michael Kurtz & Henry Meyric Hughes, das deutsche Tandem René Block & Leonie Herweg sowie das polnische Tandem Krzysztof Kosciuczuk & Anda Rottenberg.
Insgesamt werden 67 neue Produktionen gezeigt mit 107 Teilnehmenden aus mehr als 25 Ländern. Besonders stark vertreten sind Deutschland, Polen und die Türkei, ein Spiegel der Migrationsgeschichte des Ruhrgebiets. Die „Manifesta 16 Ruhr“ endet am 4. Oktober 2026. Der Besuch aller zwölf Veranstaltungsorte ist ebenso wie das Begleitprogramm (Veranstaltungen, Workshops, Familienangeboten und Spaziergängen) kostenlos.
