Wieder da

Kanzlerbungalow Bonn nach Renovierung wiedereröffnet

Erst steht ein Haus leer, dann steht es unter Denkmalschutz, schließlich unter Beobachtung, und am Ende – wenn es ein Happy Ende wird – unter Arbeitsplanen: Es wird saniert, es wird restauriert, es wird reanimiert.

So geschehen beim Kanzlerbungalow in Bonn, den der Münchner Architekt Sep Ruf 1963-65 im Auftrag des Bundeskanzlers Ludwig Erhard entwarf und bauen ließ, dessen Architektursprache sich an der des Mies van der Rohe anlehnte, die Architektur des Hauses steht repräsentativ für die Orientierung der jungen Republik an der von deutschen Architekten in den USA weiter entwickelten Moderne. Dem Kanzlerbungalow kam als Wohn- und Arbeitssitz seit der Zeit Ludwig Erhards eine besondere Funktion und Bedeutung im Zusammenspiel von Regieren und Repräsentieren zu. Er ist wegen seiner hohen künstlerischen und historischen Bedeutung Baudenkmal im Sinne des Denkmalschutzes des Landes Nordrhein-Westfalen.

Seit dem Auszug des Bundeskanzlers Helmut Kohl im Jahre 1999 und dem Umzug der Bundesregierung nach Berlin wird der Kanzlerbungalow nicht mehr genutzt, erst zwei Jahre später wird der aus zwei Beinahequadraten gebildete Wohnbau unter Denkmalschutz gestellt. 2005 schloss die Wüstenrot Stiftung mit der Bundesrepublik Deutschland, diese vertreten durch das Bundeskanzleramt und das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, einen Vertrag, in welchem die Erarbeitung einer Machbarkeitsstudie für die geplante Revitalisierung des Kanzlerbungalows festgeschrieben wurde. Mit der Machbarkeitsstudie wurden die baulich/technischen und wirtschaftlichen Voraussetzungen zur Durchführung der Baumaßnahmen und Etablierung einer denkmalverträglichen Nutzung geklärt. Zur Koordinierung der Arbeiten wurde eine fachübergreifende Projektgruppe mit Vertretern der beteiligten Behörden und dem Haus der Geschichte Bonn eingerichtet. Mit den Arbeiten wurde 2007 begonnen, jetzt, am morgigen Donnerstag (16. April 2009) wird der Bungalow wiedereröffnet und ab Anfang Mai der Öffentlichkeit übergeben. Er wird sich selbst ausstellen, seine Architektur, seine Geschichte und wird für spezielle Veranstaltungen zur Verfügung gestellt.

A propos Geschichte(n): Kurt Georg Kiesinger, Chef der ersten Großen Koalition 1966-69, war der Bungalow ein „scheußliches Gehäuse", Willy Brandt wohnte lieber in seiner Dienstvilla auf dem Bonner Venusberg und Helmut Schmidt qualifizierte den Ruf-Bau durch den Einbau einer Kellersauna. In Schmidts Amtszeit mussten wegen des RAF-Terrors auch die großen Panoramascheiben gegen Panzerglas ausgetauscht werden. Kanzler Schröder, schon mit einem Bein in Berlin, schlief hier nur eine Nacht; vielleicht hatte sein Vorgänger zuviele Duftmarken hinterlassen?! Be. K.

Kanzlerbungalow, Konrad-Adenauer-Allee 143, Bonn

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