Gustav Peichl (1928–2019)

Am 17. November 2019 starb der Architekt Gustav Peichl im Alter von 91 Jahren in seinem Haus in Wien/Grinzing.

Gustav Peichl (1928-2019)
Foto: Franz Johann Morgenbesser / wikimedia

Gustav Peichl (1928-2019)
Foto: Franz Johann Morgenbesser / wikimedia
Vielleicht war er trotz eines nicht kleinen Werks nicht der produktivste Architekt seiner Generation und möglicherweise war er zwischen den Domenigs, Holleins, Czechs oder Huths auch schnell mal zu übersehen. Mit der Bundeskunsthalle in Bonn, der Erweiterung des Frankfurter Städels oder der Kita für Bundestagsabgeordnete in Berlin war er in Deutschland bekannt, die in die Erde eingegrabene Erdfunkstelle Aflenz in der Steiermark machte ihn in der Heimat und vielleicht auch international bekannt. Tatsächlich hat der Mann, der kaum ausruhen konnte, nur in Österreich und Deutschland gebaut.

Aber möglicherweise liegt es den österreichischen Architekten dieses plusminus Jahrgangs im Blut, sich über Architektur auch künstlerisch, schriftlich oder zeichnerisch zu äußern. Der wunderbare Friedrich Achleitner oder auch Hermann Czech gehörten/gehören zu den Schreibenden, Gustav Peichl arbeitete seine Sicht auf das Architektonische in der Gesellschaft eher im Feuilleton ab; unter Pseudonym und auf höchstem Wirkniveau - so unter anderem im Hochhausstreit der Stadt München, in welchem Peichls Zeichnungen dezidiert für eine Höhenreduzierung der Kollegenbauten die Feder geschwungen hatte.

Geradeaus: Erweiterungsbau des Städelmuseums (rechts) von 1991

Foto: Benedikt Kraft / DBZ

Geradeaus: Erweiterungsbau des Städelmuseums (rechts) von 1991
Foto: Benedikt Kraft / DBZ
Als "Ironimus" kommentierte er das Baugeschehen ab 1954 für die Wiener Presse und später für die Süddeutsche Zeitung. Witzig, hintergründig und immer mit einem kleinen Spritzer Gift im Federstrich, den der ihm befreundete Wiener Sänger und Komponist, George Kreisler, in seinen oft schwarzhumorigen Liedern austrug.

Man hat Gustav Peichl, dessen größter Einfluss sicherlich der auf seine Schüler war (von 1973 bis 1996 war er Professor und Leiter der Meisterschule für Architektur an der Akademie der bildenden Künste, Wien), als Bauenden vielleicht unterschätzt, für viele war er ein verkappter Postmoderner, der dazu nicht stehen wollte. Er selbst hat diese Vereinnahmung immer von sich gewiesen, wenngleich es kaum zu übersehen war, dass seine Arbeiten mit Quadern, Kegeln, Halbrunden und viel Farbe ein Zitatenkonglomerat abstrakter Moderneinterpretationen war.

Nun ist er gegangen, aber sein kleines Werk hat, über den Wert und die Bedeutung, es selbst zu sein hinaus, eine starke Bindung an das bürgerliche Verständnis von Hochkultur. Nicht nur von daher wird uns der Schüler von Clemens Holzmeister und Mitarbeiter im Atelier von Roland Rainer unvergessen bleiben.

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