Zunächst gerettet: der Frankenhof in Erlangen

Wettbewerbsjury kürt Entwurf aus Fürth, der dem Denkmal respektvoll zu Leibe rückt

„Sanierung des Frankenhofs in Erlangen rückt näher“ titelt die Lokalpresse und bringt schnell auf den Punkt, worauf mancher gespannt wartete: der Frankenhof wird nicht abgerissen. Das war nicht unbedingt klar, in der Wettbewerbsausschreibung war auch die Möglichkeit zugestanden, das Ensemble aus den Sechzigern abzureissen. Obwohl Denkmalschutz besteht. Wie schreibt die Ausloberin: „Die o.g. Voruntersuchung hat mehrere mögliche Wege für die Umsetzung der Aufgabenstellung als realisierbar festgestellt, die sich in folgender Bandbreite bewegen:

- Generalsanierung Bestand mit Nachverdichtung auf tragfähigen Bestandsgebäuden und/oder als eigenes Gebäude auf dem Grundstück,

- Generalsanierung Bestand und Abbruch und Neubau "unwirtschaftlicher" Bestandsbauteile oder

- Abbruch und Neubau des Gebäudekomplexes ohne Wahrung des Bestandes.“

Dass das auf den ersten Blick widersprüchlich erscheint, das ist der Ausloberin bewusst, wie sie ein paar Zeilen später schreibt. Und: „Alle Lösungsansätze werden jedoch für die Wettbewerbsbearbeitung als gleichberechtigt und ebenbürtig angesehen. Die begründete Festlegung auf ein Konzept ist entwurfsabhängig und obliegt dem Wettbewerbsteilnehmer. Ebenso ist der Ausloberin klar, dass dies ein Abwägungsprozess ist. Ziel ist die Findung der bestmöglichen Lösung.“

Dieses Vage in der Ausschreibung – man könnte auch sagen: Rückgratlose – hatte in der Auslobungsphase vor ca. einem halben Jahr zu Verwirrung geführt wie ebenso die extrem hohen Nutzungsanforderungen, die in dem durchaus fragilen Ensemble unterzubringen waren. Der Juryvorsitzende, Prof. Kister von ksg Kister Scheithauer Gross Architekten, Köln, zog die Konsequenzen und trat aus der Jury aus. Ein Eklat?!

Auch konnte man sich – und kann das bis heute – darüber wundern, wieso das dem Denkmal direkt anliegende großvolumige Schwimmbad, das zur gleichen Zeit mit dem Frankenhof entstand, nur Teil eines angehängten Ideenwettbewerbs bleibt. Die Nutzung des zum Abriss vorgesehenen Bades würde den Druck vom Denkmal nehmen, es ergäben sich ganz neue Möglichkeiten, den Entwurf von Werner Wirsing komplett in unsere Jetztzeit zu tragen; als ein mit Leben gefülltes Denkmal.

Doch das Bad soll wohl erst weichen, wenn das Ersatzbad fertiggestellt ist in den nächsten Jahren. Dass bis dahin die Planungen, die sich aus dem am 19. Juni entschiedenen Wettbewerb ergeben, schon so weit sind, dass das Freiwerden des westlich anliegenden Areals diese nicht mehr oder nur mit massiven Aufwand verändern können, liegt auf der Hand. Ob sie überhaupt dem Gewinnerbüro überlassen werden, ist heute auch noch nicht klar.

Dass hier so gedrängelt wird, hat zwei Gründe: Zum einen scheidet der Referent für Bildung Kultur und Jugend und zugleich quasi Hausherr des Frankenhofes, Dr. Dieter Rossmeissl, altersbedingt demnächst aus dem Amt aus; und der möchte das Projekt „Kultur- und Bildungscampus“
(„KubiC“) noch unter seiner Ägide angeschoben wissen. Dann möchte die Stadt Erlangen in den Zuschussgenuss (ca. 50 Prozent) aus dem Bundes-Topf „Aktive Stadt- und Ortsteilzentren“ kommen. Hier warten die Gelder nicht ewig.

Jetzt muss der Rat über das Wettbewerbsergebnis beraten, im besten Falle, so OB Florian Janik, könne man Mitte 2017 starten. Am beschränkten Realisierungs-Wettbewerb hatten sich 17 Büros aus ganz Deutschland beteiligt, das mit anderen gesetzte Büro aus dem benachbarten Fürth, Bernhard Heid Architekten, sind nun die Gewinner.

 

Das Wettbewerbsergebnis:

1. Preis

Bernhard Heid Architekten, Fürth
Wolfram Heid Volker Heid
Landschaftsarchitektur: Bernhard Lorenz, Nürnberg

2. Preis

STUDIO DIETZIG, München
Roman Dietzig · Anne Wernicke

3. Preis

Bär Stadelmann Stöcker Architekten, Nürnberg
Friedrich Bär
Landschaftsarchitektur: WGF Objekt GmbH Landschaftsarchitekten, Nürnberg
Franz Hirschmann

4. Preis

Bayer & Strobel Architekten, Kaiserslautern
Gunther Bayer, Peter Strobel

5. Preis

Köhler Architekten + beratende Ingenieure GmbH, Gauting
Rainer A. Köhler
Landschaftsarchitektur:  Kübertlandschaftsarchitektur, München
Horst Kübert

Anerkennung

Numrich Albrecht Klumpp Gesellschaft von Architekten mbH, Berlin
Tiemo Klumpp, Arthur Numrich, Grant Kelly
Landschaftsarchitektur:  KuBuS Freiraumplanung GbR
Rabea Seibert

Anerkennung

Blocher Blocher Partners, Stuttgart
Dieter Blocher, Wolfgang Mairinger
Landschaftsarchitektur:  Greenbox Landschaftsarchitekten
Schäfer, Masashi Nakamura

Anerkennung

Motorplan Architekten, Weimar
Johann Bierkand

Die Modelle und Pläne aller Wettbewerbsteilnehmer sind bis 29. Juni (geöffnet werktags von 10 bis 16 Uhr) im Gebäude C des Museumswinkels (Erdgeschoss, Luitpoldstr. 45, in Erlangen) zu sehen.

Aus dem Protokoll der Preisgerichtssitzung vom 18. Und 19. Juni 2015 zum Gewinnerentwurf:

„Diese Arbeit zeichnet sich durch die konsequente und sensible Haltung zum Bestand aus. Der Charakter des Frankenhofes mit seinem prägnanten Turm, der unterschiedlichen Höhestaffelung seiner Bauteile, dem Innenhof und die für die Bauzeit charakteristischen Fassaden bleibt durch die vorgesehenen Maßnahmen erhalten.

Die neue Gebäudeergänzung, die gezielt entlang der Südlichen Stadtmauerstraße als eingeschossige Aufstockung bis zur Raumerstraße geplant wird, betont die neue an der Ostseite vorgesehene barrierefreie Eingangssituation des Frankenhofes und schafft somit eine eindeutige Adressbildung.

Die Lage der Kindertagesstätte an exponierter Stelle im Grünbereich an der Kopfseite des Neubaus neben dem Haupteingang unterstreicht die Nutzung des Ensembles als Begegnungsstätte für Mehrgenerationen.

Die Fassade der neuen Ergänzung besticht durch ihre zum Bestand passende Proportionen und gleichzeitig kontrastierende Anmutung. Sehr positiv wird hier die unter tragwerksplanerischen Gesichtspunkten gut durchdachte Lösung mit der separaten Gründung und der Überlagerung zwischen alten und neuen Konstruktionen bewertet. Die im Hof sichtbaren Stützen der neuen tragenden Konstruktion sind jedoch in den Fassadendarstellungen nicht berücksichtigt worden.

Die vorgesehene Innendämmung bildet eine geeignete Alternative zur energetischen Sanierung unter Würdigung des Charakters der Bestandsfassaden.

Auch die angestrebte Transparenz innerhalb der öffentlichen Bereiche bildet ein Qualitätsmerkmal dieses Entwurfs. Der Blickbezug vom Eingang bis zur neuen kleinen Ergänzung des Konzertsaals an der Westseite über dem Café- und Barbereich hinaus sowie die Gestaltung des Innenhofes als Atrium mit verglasten Schiebeelementen zu den umliegenden Nutzungsbereichen ermöglichen eine Verbindung zwischen Innen- und Außenraum unter Einbeziehung der Nutzung des Innenhofes in das Gesamtkonzept.

Die Zuordnung der Nutzungen ist jedoch noch nicht ausreichend gelöst (z.B. Jugendkunstschule im UG, Eingangsbereich) und müsste deutlich überarbeitet werden im Sinne der Erreichbarkeit, Orientierbarkeit und Nutzbarkeit der einzelnen Funktionen.

Problematisch wird die langgestreckte Form des Konzertsaales angesehen. Die Positionierung der neuen Ergänzung ermöglicht weitestgehend den Erhalt der vorhandenen Anpflanzungen.

Die Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit sind durch den Erhalt des Bestandes, den gut durchdachten Umgang mit seinen Konstruktionen, das innovative Konzept zur energetischen Sanierung sowie die Lage und Gestaltung der neuen Ergänzung nachgewiesen.

Im Ideenteil wird die langgestreckte Bebauung der geplanten Aufstockung entlang der Südlichen Stadtmauerstraße zum Thema. Die vorgesehene neue Bebauung erfolgt hier konsequent im gleichen Duktus blockrandbegleitend unter Einbeziehung der Sportfläche im Inneren.“

Mehr dazu in einem Bericht über eine erste, persönliche Besichtigung des Denkmals in der ersten Jahreshälfte 2015.

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