Zeitz MOCAA, Kapstadt

Der Neubau des Zeitz Museum of Contemporary Art Africa „Zeitz MOCAA“ wird am 22. September 2017 eröffnet

Nicht die ägyptischen Pyramiden sind das touristische Highlights Afrikas, es ist die Victoria & Alfred Waterfront, ein Unterhaltungs-, Restaurant-, Shopping- und Appartement-/ Marinaviertel im Norden Kapstadts, das jährlich mit rund 25 Mio. Besuchern die Massen anzieht. Hier, auf dem weitläufigen Gelände der ehemaligen Hafen- und Werftanlagen, stand bis 2010 ein riesiger Getreidesilo isoliert inmitten all der Entertainmentarchitektur ringsum. Bis ihn Ex-Puma-Chef Jochen Zeitz entdeckte und ihn in ein Museum umwandeln ließ. Für das er seine private Sammlung gestiftet hatte. Architekten des Neubaus sind das Team um den Briten Thomas Heatherwick, London. Ihn hatten die Eigentümer des Silos, die V&A Waterfront Holdings (Pty) Ltd, bereits 2006 und 2011 gebeten, für den Silo einen Museumsentwurf zu entwickeln.

Der nahm sich die zweiundvierzig riesigen, zu einem Bündel zusammengegossenen Betonröhren, die vor Zeiten das höchste moderne Gebäude in ganz Afrika markierten, und schnitt sie im Kern bis zu 27 m Höhe auf. Die so entstandende, gleichsam gotische Halle wurde mit einem Glasdach geschlossen, auf welchem eine Dachterrasse weite Ausblicke auf die Stadt mit Tafelberg im Hintergrund, die ehemalige Hafenlandschaft und den Atlantik bietet.

Das Aushöhlen der Röhrenstruktur war vielleicht der zentrale – wie zugleich auch genial schöne – Eingriff in den denkmalgeschützten Bestand. Hinzu kommen Bestandsteile von Kornschächten, die ganz unvermittelt aus der Wandoberfläche in den Raum ragen. Auch die Fördertunnel im Untergeschoss, durch die der Mais in die Silos gepumpt wurde, existieren noch und werden für Lager- und weitere Nebenräume genutzt.

Das für gerade einmal 32 Mio. € realisierte Zeitz MOCAA – ein Neubau, der sicherlich diese atmosphärischen Qualitäten gehabt hätte, wäre deutlich teurer geworden – besitzt insgesamt neun Geschosse, von denen die sieben oberen der Öffentlichkeit zugänglich sind. Die Vertikalität des Baus können die Besucher in zwei röhrenförmigen, gläsernen Fahrstühlen überwinden, oder über eine offene Wendeltreppe, die überwältigende Blicke in das Foyer gewährt.

Die rund 9300 m² Nutzfläche bietet gut 6000 m² Ausstellungsfläche. Die sind in 100 Galerien aufgeteilt, in denen Dauer- und Wechselausstellungen installiert sind. Dazu kommen ein Restaurant mit Bar, ein Skulpturengarten auf der Dachterrasse, ein Buchshop, Räume für kulturelle Bildung, Lesesäle und ein Boutique-Hotel.

Die Ausstellung von afrikanischer Gegenwartskunst in Afrika versteht Chef-Kurator Mark Coetzee als „eine politische Geste. […] Wir wollen es afrikanischen Künstlern ermöglichen, an ihrer eigenen Geschichte mitzuschreiben."

Heute, am 22. September 2017, wird das Zeitz Museum of Contemporary Art Africa, kurz Zeitz MOCAA, erstmals seine Türen öffnen, neben zahlreicher Prominenz aus Politik und Kultur werden rund 24 000 Besucher am gesamten Eröffnungswochenende erwartet. Der Eröffnungstermin fällt mit dem Tag zusammen, an dem Südafrika auch den Tag seines Kulturerbes feiert. Gratulation in Richtung V&A Waterfront. Be. K.

Zeitz Mocca

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