Wird aufgebaut: Schinkels Bauakademie

Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages hat in seiner Bereinigungssitzung am 10. November 2016 Mittel für die Wiedereinrichtung der Bauakademie in den Bundeshaushalt 2017 beschlossen

Seit gut 15 Jahren steht - lange noch vor dem Abriss des Palastes der Republik 2006 - auf der nordöstlichen Ecke der Fundamente der Bauakademie von Karl Friedrich Schinkel ein die Originalkubatur anzeigender Eckturm aus echtem Ziegel. Die Fenster in diesem Akademiestückchen zeigen die dahinterstehenden Gerüste unter freiem Himmel, die die dünne Wandschale gegen Windkräfte absichern sollen. Den Rest der Akademie bilden mit Fassadenfotos bedruckte Planen, die den Schinkelbau von ganz weitem gesehen wie wiedererstanden zeigen - in Anlehnung an die 1993 aufgehängte Nordwestfassade des Barockschlosses, das 2013 seine Grundsteinlegung erleben konnte.

Doch so richtig konnte sich die Politik, die für das Schloss im Bundestag mit Mehrheit ihr Herz und das Portemonnai öffnete, für den aus ihrer Sicht möglicherweise wenig spektakulären und doch baugeschichtlich so wichtigen Akademiebau erwärmen. Möglichweise fehlte hier nicht bloss ein gut vernetzter von Boddien sondern auch der nötige Sachverstand. Jetzt aber, immerhin bloß 54 Jahre nach ihrem Abriss, hat der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages in seiner sogenannten Bereinigungssitzung am 10. November 2016 Mittel für die Wiedereinrichtung des Gebäudes der Bauakademie in den Bundeshaushalt 2017 beschlossen.

Was in dem wiedererrichten Bau untergebracht wird, ist natürlich noch offen. Offen ist auch, in welchem Stil, aus welcher Zeit der vielfältig umgestalteten Akademie die Vorlage für die Rekonstruktion kommen soll.

Ihr Abriss 1962, der auf die Rekonstruktion des im Weltkrieg 1939-45 zerstörten Baus folgte, diente dem Neubau des Außenministeriums der DDR (geplant vom Architektenkollektiv Josef Kaiser, Heinz Aust, Gerhard Lehmann und Lothar Kwasnitza). Der Riegelbau wurde in den Neunzigern abgerissen, um Platz für die Neuerfindung von Stadträumen zu machen, die man gerne mit "historisch" bezeichnet und die ebenso historisch sind, wie das, was abgerissen wird.

In den vergangenen Jahren hat es immer wieder Initiativen für den Wiederaufbau gegeben.  Der Parlamentarische Baustaatssekretär Florian Pronold: „Mit der Wiedererrichtung des Gebäudes sollte auch eine breite Diskussion der zukünftigen Nutzung verbunden werden. Ich wünsche mir, dass die Bauakademie zu einem zentralen Ort für Architektur wird, sowohl was bedeutende Sammlungen betrifft als auch für Konzepte für die Zukunft.“ Und er schließt: „Wir wollen jetzt alle an einen Tisch holen, die den Wiederaufbau unterstützen: das Land Berlin als Grundstückeigentümer, die Stiftung Preußischer Kulturbesitz und die gesellschaftlichen Initiativen.“ Und vielleicht noch ein paar Städteplaner, Architekten und Bürger. Man kann ja nie wissen! Be. K.

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