„Wahre“ Absorption braucht professionelle Lösungen

1.Symposium Büro.Raum.Akustik lockte 300 Teilnehmer ins Kölner Messegelände

Seit einigen Jahren ist das Thema Raumakustik aus den Diskussionen um gesundheitsgerechte und leistungsfördernde Arbeitsumgebungen nicht mehr wegzudenken. Das gilt insbesondere auch für das moderne Büro, das mit seiner Flächenverdichtung gerade eine Renaissance zur offenen Bürolandschaft erlebt. Eine Landschaft mit per se hohen Geräuschpegeln, die sich in unterschiedlichste Nutzungszonen mit differenziertesten Anforderungen an die Raumakustik gliedert. Entsprechend groß ist der Bedarf an professioneller Beratung und wirksamen Konzepten, die nicht nur in Teilbereichen, sondern im Gesamtraum Büro greifen.

Im Hinblick auf die nächste Orgatec, die vom 26. bis 30. Oktober 2010 stattfinden und sich dem Thema Büroakustik zum wiederholten Mal mit einer Sonderschau widmen wird, hat die Kölnmesse jetzt ihr erstes zweitägiges Symposium Büro.Raum.Akustik veranstaltet. Etwa 300 Besucher aus Deutschland, Österreich und der Schweiz nahmen am 12. und 13. November an dem Kongress teil, der in Kooperation mit dem Akustikbüro Oldenburg und dem Hörzentrum Oldenburg konzipiert und realisiert wurde.

Renommierte Akustik-Experten wie der Schweizer Forscher Kurt Eggenschwiler stellten Phänomene und Werkzeuge der Akustik vor, referierten zu erfolgreicher Kommunikation (Charlotte A. Sust), zur Störwirkung von Hintergrundsprache auf kognitive Leistungen (Markus Meis für die erkrankte Sabine Schlittmeier), zur Rolle thermoaktiver Bauteile im Zusammenhang mit Raumakustik (Gerrit Höfker) u.v.m.

Markus Meis lieferte am zweiten Tag einen spannenden Beitrag zu raumakustischen Optimierungsansätzen durch Mitarbeiterbefragungen, die mit den Diagnose Tools Sprachverständlichkeit, Lautstärke und Nachhall ausgewertet wurden. In solchen Befragungen wird ersichtlich, dass sich – selbst in gut gestalteten Büros – 36% der Mitarbeiter durch Lärm extrem belästigt und bis zu 70% belästigt fühlen. Die Gespräche von Kollegen seien eine große Belastungsquelle im Büro, so Meis, und Sprache sei bei kognitiven Prozessen die dominante Störquelle. 

Insgesamt räumten die Referenten mit dem (Aber)Glauben an die Wirksamkeit behelfsmäßiger Lösungen – wie etwa Absorbern an Tischunterseiten oder Pflanzen, die den Schall schlucken sollen –  auf. Auch Teppichboden auf Estrich führe nur bedingt zu einem zufriedenstellenden Resultat, da er die Nachhallzeit nur bei hohen Frequenzen reduziere. Anhand von Beispielen aus der Beratungspraxis demonstrierte Christian Nocke wie jeder Raum akustisch optimal für die jeweilige Nutzung gestaltet werden kann. Der Referent sprach in diesem Zusammenhang von „wahrer“ Absorption.

Im Foyer hatten die Gäste die Möglichkeit sich in den Pausen des herstellerunabhängigen Vortragsprogramms bei einigen Produzenten Schall absorbierender Produkte zu informieren, die dort im Rahmen eines Sponsoring mit kleinen Ausstellungen vertreten waren. Ob Caparol, Renz Solutions, Ruckstuhl – um nur einige zu nennen ­–  im nächsten Herbst alle an der Orgatec und an der Sonderschau Akustik teilnehmen werden ist noch fraglich. Mit ihrer Präsenz beim 1. Symposium Büro.Raum.Akustik zeigten sie sich in jedem Fall zufrieden. Das überrascht nicht, denn das Publikum setzte sich, neben zahlreichen Vertretern der Büromöbelindustrie, aus führenden Mitarbeitern großer Anwenderunternehmen zusammen. „Wir konnten viele Kontakte knüpfen und wurden konkret für einige sehr große Bauprojekte eingeladen“, resümiert Hubert Höglauer, Marketingleiter der Egger Gruppe.

Auch die Veranstalter sind mit dem Ergebnis des Kongresses zufrieden. Für den 19. und 20. Oktober des nächsten Orgatec Zwischenjahres 2011 ist bereits ein weiteres Akustik Symposium geplant.

Petra Lasar

Internet: www.orgatec.de

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