Urteil hilft keinem

Wann ist ein Architekt ein Architekt?

Das Verwaltungsgericht Stuttgart hat in erster Instanz ein Urteil gefällt, wonach ein dreijähriges Bachelor-Studium zum Erwerb der Berufsbezeichnung „Architekt“ berechtigt. Die Architektenkammer kündigte bereits an, umgehend in Berufung zu gehen. Professor Arno Sighart Schmid, Präsident der Bundesarchitektenkammer: „Mit dem Urteil wurde dem klagenden Architekten-Anwärter ein Bärendienst erwiesen. Selbst wenn die Entscheidung Bestand haben sollte, wird ihm die europäische sowie die internationale Bühne versperrt bleiben. Gleichzeitig untergraben die Richter damit den bisher gültigen Ausbildungsstandard von deutschen Architekten und gefährden so die Anerkennung der Eintragung in die Architektenlisten der deutschen Architektenkammern auf der europäischen und internationalen Ebene.“

Diese auf einem veralteten Gesetz basierende Entscheidung des Verwaltungsgerichtes macht deutlich, dass eine Reform der Bachelor-/Masterstudiengänge dringend geboten ist, denn mit einem dreijährigen Studium ist absehbar keinem Architekturstudenten geholfen. Die Idee des Bologna-Prozesses, nämlich eine europaweite Vereinheitlichung von Studienabschlüssen, wird hier jedenfalls ad absurdum geführt. Denn dem klagenden Architekten-Anwärter wird in Zukunft der europäische sowie internationale Markt versperrt bleiben, da hier Ausbildungszeiten von vier bzw. fünf Studienjahren vorgeschrieben sind. „Es kann nicht sein“, so Wolfgang Riehle, Präsident der Architektenkammer Baden Württemberg, „dass wir in Baden-Württemberg künftig Architekten eintragen sollen, die im Elsass oder in Vorarlberg nicht tätig werden dürfen.“

Klar ist aber auch, dass dieser Konflikt nicht auf dem Rücken der Studierenden ausgetragen werden darf. Gefragt sind jetzt Politik, Hochschulen und Verbände, um endlich nachzusteuern. Die Architektenkammern in Bund und Ländern stehen dafür bereit.

 

Internet: www.bak.de

Thematisch passende Artikel:

2009-10

In der Kürze die Würze? Verwaltungsgericht Stuttgart gewährt Bachelor-Absolventen den „Architekten“-Titel

Das Verwaltungsgericht Stuttgart hat in erster Instanz ein Urteil gefällt, wonach ein dreijähriges Bachelor-Studium zum Erwerb der Berufsbezeichnung „Architekt“ berechtigt (Aktenzeichen 4 K...

mehr

Ernst Uhing zum neuen Beisitzer ins Präsidium des BDB gewählt

Der Lüdenscheider Architekt tritt im BDB auf Bundesebene die Nachfolge von Dipl.-Ing. Hartmut Miksch an, der nach fast 20 Jahren als Präsidiumsmitglied sein Amt zurückgegeben hat

Mit überzeugendem Votum der rd. 240 Delegierten des diesjährigen Baumeistertages in Berlin ist am vergangenen Wochenende der Lüdenscheider Architekt BDB Dipl.-Ing. Ernst Uhing zum neuen Beisitzer...

mehr

Leitfaden „BIM für Architekten - Leistungsbild, Vertrag, Vergütung“

Der hier anliegende Leitfaden für Architekten und Planer ergänzt frühere Publikationen der Kammern

Die Expo Real-Messe in München bleibt die wichtigste deutsche Immobilienmesse. Grund genug für die Architektenkammern, auch in diesem Jahr wieder auf der Messe vertreten zu sein um Gespräche mit...

mehr

Wunsch und Wirklichkeit

Was Architekten heute noch verdienen können und wie sie ihr Arbeitsumfeld einschätzen

Das Online-Portal arcvote hat seine Datenbank zur Bewertung des Arbeitsumfeldes in deutschen Architekturbüros aus der Sicht der Architekten ausgewertet, um herauszubekommen was Architekten in...

mehr

Neue Präsidentin

Barbara Ettinger-Brinckmann löst Sigurd Trommer an der Spitze der Bundesarchitektenkammer BAK ab

Die 86. Bundeskammerversammlung der BAK hat heute Barbara Ettinger-Brinckmann zur Präsidentin der Bundesarchitektenkammer gewählt. In der 86. Bundeskammerversammlung der BAK in Berlin erhielt sie...

mehr