Unterirdisch schon wieder

schneider + schumacher erweitern die Mannheim Business School in den Garten hinaus; unter der Grasnarbe

"Als die Financial Times die weltweit besten Anbieter von Firmen-Weiterbildungsprogrammen kürte, sorgte die Mannheim Business School (MBS) mit einem fünften Platz für Aufsehen – mit einem Schönheitsfehler: Denn während das organisatorische Dach für Management-Weiterbildung an der Universität Mannheim in vielen Kategorien zu den internationalen Top drei gehört, wurden ihre Räumlichkeiten und Infrastruktur unterdurchschnittlich bewertet. Das soll sich allerdings ab 2017 ändern: In den kommenden zwei Jahren wird im westlichen Ehrenhofflügel des Mannheimer Schlosses ein Studien- und Konferenzzentrum entstehen, das in Bezug auf Architektur und Funktionalität ein Aushängeschild für die Universität und ihre Business School werden soll." (aus der Presseinformation der MBS vom 21.05.2015)

"Mit einer großflächigen Glasfront öffnet sich das neue Studien- und Konferenzzentrum der MBS, das zwei halbrunde Hörsäle, einen weiteren, flexibel nutzbaren Konferenzbereich, zehn Gruppenarbeitsräume sowie ein großzügiges Foyer umfassen wird, in den Schlossgarten hinter dem Westflügel des Schlosses. 'So wird ein alter Kohlenkeller zum Land-Art-Projekt im Garten des Mannheimer Schlosses. Die in den bestehenden Garten eingeschnittene Anlage bildet zusammen mit dem historischen Schloss eine markante neue Einheit, die symbolisch sowohl für die Bewahrung und Achtung der Tradition steht, als auch für die Bedeutung von Innovation und Forscherdrang.' (Michael Schumacher)" (aus der Presseinformation der Architekten vom 28.05.2015)


Schon bei der Erweiterung des Frankfurter Städelmuseums waren sich die Kritiker uneins: Ist das genial oder einfach nur eine Verlegenheit? Dort in Frankfurt erweiterten die Architekten das Museum nicht wie die meisten Kollegen im Wettbewerb in den Innenhof und auf die Dächer, sondern komplett unter die Erde. Und krönten die Erweiterung mit einer statisch anspruchsvollen, steil hoch gewölbten und von runden Fenstern durchlöcherten Grasdecke.

In Mannheim wird diese Strategie gleichsam wiederholt, hier wird jedoch mit dem Selbstverständlichen des vorhandenen Kohlenkellers argumentiert. Aber liegt der tatsächlich bis in den Garten heinein? Im Gegensatz zur Frankfurter Lösung mit einer architektonisch anspruchsvollen NURBS-Fläche ist die Nutzung eines Kellervolumens, das in den begrünten Hinterhof des ehemaligen Schlosses erweitert wird, eher trivial. Die tageslichtgarantierende Pfosten-Riegelfassade und die beiden zusätzlichen Lichtaugen in der Decke zum Schloss hin wirken wie herbeigezwungen. Im Luftbild wirkt der Entwurf wie eines dieser digitalen Smilies, die verhindern sollen, dass der Adressat möglicherweise den Ton des Textes missverstehen könnte: Ist ja alles nicht so ernst gemeint!

Schade. Eine Erweiterung auf den Schlossplatz hinaus hätte dem Ensemble den Kick geben können, den sein Nutzer offenbar braucht; und die Stadt Mannheim sowieso. Be. K.

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