In Leipzig droht totaler Baustopp

Oberlandesgericht gibt Klage Erick van Egeraats recht

Bereits am Freitag, den 2. Oktober 2009, hat das Oberlandesgericht Dresden dem Sächsischen Immobilien- und Baumanagement (SIB) aufgetragen, bei der Realisierung des Hauptgebäudes der Universität Leipzig und des Paulinums - ehemalige Kirche St. Pauli - dem Entwurf von Erick van Egeraat genau zu folgen. Der Vorsitzende des Gerichts hat ein Bauverbot angekündigt für all die Gebäudeteile, bei denen von der ursprünglichen Gestaltung abgewichen wird. Mit dieser Entscheidung droht für den Freistaat Sachsen ein totaler Baustopp.

“Die Entscheidung ist wirklich eine Bestätigung für die Architekten in allgemeinen“, meint Erick van Egeraat. “Hoffentlich trägt diese Entscheidung dazu bei, dass Bauträger in der zukünftigen Zusammenarbeit mit dem Architekten dessen Entwurf und Kompetenz wieder respektieren, so dass er sich auf sein eigentliches Fach konzentrieren kann.“

Die Parteien sind nun aufgefordert sich zusammenzusetzen, um diese dramatische Zuspitzung des Konflikts zu vermeiden. Der Niederländische Architekt Erick van Egeraat, der dem Staat Sachsen die Verletzung seiner Urheberrechte vorgeworfen hat, ist mit diesem Resultat zufrieden. Erfreut, dass endlich wieder über seinen Entwurf gesprochen wird, sagt er: "Es ist gut, dass wir wieder miteinander sprechen. Es gibt aber keinen Grund, auf die Resultate dieses Berufungsverfahrens im Oberlandesgericht Dresden stolz zu sein. Vielmehr ist es bedauerlich, dass ein öffentlicher Bauherr - nach neun Monaten Streit - erst vom obersten Gericht auf seine Pflichten hingewiesen werden muss. Das ist nicht gut für das Projekt, das ist nicht gut für die Universität und nicht gut für Leipzig."

Erick van Egeraat: "Wir haben immer gesagt, dass es unsere Absicht ist, das Projekt so zu bauen, wie wir es den Leipzigern versprochen haben. Um das zu realisieren, muss ich als Verfasser eingebunden bleiben! Der Neubau der Universität Leipzig ist zur Zeit eines der wichtigsten öffentlichen Bauvorhaben in ganz Deutschland. Dazu passt es nicht, erst einen internationalen Wettbewerb auszuloben und dann zu denken, man könne ja alles auch ohne den Entwurfsverfasser fertig stellen.“

Der Auslöser des Konflikts zwischen dem Architekten und dem Freistaat Sachsen entstand, als die Sonderbauabteilung des SIB, entgegen den Vorgaben des Architekten, den Auftrag gab, den außenliegenden Sonnenschutz des Paulinum nicht mit Steinlamellen, sondern durch mit Steindekor bedruckte Aluminiumlamellen auszuführen.

Für das Oberlandesgericht war - wie schon in der ersten Instanz für das LG Leipzig - die Argumentation des SIB's, mit der Materialänderung Kosten einsparen zu wollen, nicht stichhaltig. Insbesondere, da inzwischen durch die Folgekosten des nicht autorisierten Handelns, das Baubudget weit höher belastet würde. Der Richter wies den durch Erick van Egeraat angeklagten Freistaat Sachsen darauf hin, dass diese Affäre dem Steuerzahler schon viel Geld kostete und dazu den Leipzigern bis jetzt noch nichts gebracht hat.

Der Streit um die Wahrung des Urheberrechts des niederländischen Architekten und dem Freistaat beziehungsweise dem mit der Bauausführung beauftragten SIB schwelt schon über Monate. Van Egeraats ursprüngliche Firma musste aus Gründen der internationalen Finanzkrise und des umfangreichen Engagements der Rotterdamer in eben den Krisengebieten (Russland z. B.) Insolvenz anmelden, der Freistaat war gezwungen, ein neues Architektenteam mit dem Weiterbau zu beauftragen und hielt die neu von Egeraat gegründete Firma dafür nicht für fähig.

Die jetzige Berufung vor dem Oberlandesgericht in Dresden bedeutet, dass die beiden Parteien "schnellstmöglich" mit einem Workshop die dramatische Zuspitzung des Konflikts quasi in letzter Sekunde zu verhindern. Dazu Stephan Gößl, Sprecher des sächsischen Finanzministeriums: „Bei dem geforderten Treffen müssen alle mit dem Bau des neuen Paulinums anstehenden Probleme auf den Tisch und möglichst in beiderseitigem Einverständnis geklärt werden. Wird das nicht erreicht, kann Erick van Egeraat binnen zweier Monate Klage in der Hauptsache einlegen.“ Was im schlimmsten Falle einen mehrjährigen Baustopp von Leipzigs neuem Vorzeigebau zur Folge hätte.

Auf der Website des vor allem in Russland ins Trudeln geratenen Büros design by erick van Egeraat alias Erick van Egeraat sind die beiden folgenden Sprachen zu wählen: Englisch oder Russisch ... www.erickvanegeraat.com

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