Stadtmarketing: ein neuer Slogan für Bielefeld

Identität stärken: Kultur & Bielefeld

Bielefeld sucht einen griffigen Slogan für das Stadtmarketing. In der Auswahl der Markenbausteine der Bielefelder Marketing GmbH sehen sich Kulturschaffende der Stadt nicht repräsentiert.

„Bielefeld – das gibt’s doch gar nicht“ hat ausgedient. Seit dem 800-jährigen Stadtjubiläum 2014, steht der Slogan, der die Stadt im Teutoburger Wald beschreibt, auf dem Prüfstand. Eine von der Bielefeld Marketing GmbH in Auftrag gegebene Studie gibt erste Aufschlüsse darüber, wohin das neue Stadtmarketing der Stadt Bielefeld sich entwickeln könnte. Die Befragung führte Brandmeyer Markenberatung aus Hamburg durch. Drei Säulen haben sich aus der Umfrage ergeben, die die Stadtmarke tragen sollen: „lebenswerte Großstadt“, „starke Wirtschaft“ und „Stadt der Bildung und Wissenschaft“. „Davon abgesehen wurden weitere Markenbausteine identifiziert, die im geringeren Maße zur Attraktivität beitragen. Dazu zählen die Themen ‚vielfältige Unternehmungsmöglichkeiten‘, ‚die Einkaufsstadt‘, ‚funktionierendes Gemeinwesen‘ und  ‚facettenreiches Kulturangebot‘“, heißt es in den veröffentlichen Ergebnissen der Umfrage.

Über das wenig beachtete „facettenreiche Kulturangebot“ in der Analyse der Stadtmarke Bielefelds diskutierten gestern in der Kunsthalle in Bielefeld Friedrich Meschede, Direktor der Kunsthalle Bielefeld, Michael Heicks, Intendant Theater Bielefeld, Thomas Thiel, Direktor Bielefelder Kunstverein und Martin Knabenreich, Geschäftsführer Bielefeld Marketing. Kultur & Bielefeld ist die öffentliche Podiumsdiskussion überschrieben. Es ist eine hitzige Diskussion mit einem Publikum, das geschätzt durchschnittlich 60 Jahre alt ist. Es sind Kulturverfechter, die Kultur und deren Vermittlung als eine Aufgabe von etablierten Kulturinstitutionen sieht – wie Museen, Galerien etc., aber auch der „kleineren“ Kulturbetriebe der Stadt. Der Kunst- und Kulturbegriff wird vermischt und manchmal wird nicht klar, was die Leute bewegt – das Übersehen der durchaus guten Kulturstätten in der Auswahl des Stadtmarketings oder die Methode der Analyse des Stadtmarketings – per se.   

Bielefeld ist Vielfalt, ist ein Vorschlag aus dem Publikum für den Slogan der Stadt. Kultur ist auch Vielfalt. Dennoch wird die Frage, ob das Campus-Festival auch Kultur sei, im Publikum vereinzelt mit Nein beantwortet. Das ist interessant. „Kultur ist alles, was der Mensch selbst gestaltend hervorbringt: bildende Kunst, Musik, Wirtschaft, Wissenschaft uvm.“, schreibt Wikipedia. Folgerichtig, auch das Campus-Festival der Universität Bielefeld. Es gehen zwei Diskussionsstränge ineinander auf: Wie die Stadt Bielefeld ihre Wahrnehmung bzw. Stadtmarke stärkt und inwiefern Kulturbetriebe in Bielefeld ein fester Bestandteil dieser Markenidentität sein werden.

In der Diskussion spricht Martin Knabenreich oft von einem demokratischen Prozess, der mit der Findung der Stadtmarke einhergeht. Ein Begriff, der vom Publikum und den anwesenden Diskutanten gerne aufgegriffen wird. In einer Demokratie gewinnt die Mehrheit – 5.500 Menschen wurden befragt, die Menschen im Publikum fühlen sich außen vor. In einem partizipativen Prozess hingegen werden die unterschiedlichen Seiten gehört und es wird ein Konsens gefunden. Es scheint doch eher Partizipation, die die Kulturschaffenden von Knabenreich verlangen. Dieser Prozess fordert intensive Kommunikation und die Stärke zu zuhören. Um die Wahrnehmung der Kulturinstitutionen zu verbessern, fordert Michael Heicks, Kommunikation zwischen den Kunsthäusern und Galerien zu stärken und sich mehr zu vernetzen. 

Eines sollte bei einem Stadtmarken-Prozess verstanden sein: Dass die Grundlage repräsentative, aber dennoch subjektive Wahrnehmungen bilden. Eine Leitbilddiskussion ist hierbei unumgänglich, um den partizipativen Prozess weiterzuführen und trotzdem ist es notwendig (notfalls) eine Entscheidung zu treffen, in der sich vielleicht nicht jeder gleichwertig wiederfindet. Natürlich geht es darum, dass die Stadt unter ein gemeinsames Leitbild gestellt wird. Es ist aber ebenso unabdingbar, dass der Slogan einer Stadt kernig ist und die Menschen sich damit verbinden. Stichwort: Identifikation. Viele Menschen im Publikum fühlen sich durch das Weglassen des Markenbausteins „facettenreichen Kulturangebots“ nicht repräsentiert. Das kann bei der Identifikation mit dem Slogan schwierig werden. Denn „die besten Markenbotschafter sind jedoch die Bewohner selbst“, sagt Bernd M. Michael in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung am 17. Mai 2010. Bis heute hat sich daran nichts geändert: In diesem Sinne, liebe Bielefelder, seid Stolz auf eure Stadt, ganz gleich wie später die Unterzeile der Stadtmarke Bielefeld lauten wird. S.C.

Mit welchem Slogan werben andere deutsche Städte?

Hamburg: Wachsen mit Weitsicht
München: zunächst Weltstadt mit Herz, heute München mag dich!
Köln: Köln ist ein Gefühl
Berlin: Be Berlin.
Leipzig: zunächst 1990 Leipzig kommt!, heute Leipziger Freiheit

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