Schinkels Bauakademie verschoben

Liegenschaftsfonds Berlin nahmen "roten Kasten" nicht mit auf die MIPIM

Der rote Kasten von Karl Friedrich Schinkel wurde nicht mitgenommen. Nicht dorthin, wo Investoren nach Projekten Ausschau halten: nach Cannes. Hier organisiert alljährlich die MIPIM Kontakte und Geschäftsabschlüsse im oberen Segment eines zumindest europäischen Immobilienmarktes. Wer hier nicht ist, der ist auch nichts, so jedenfalls die Sicht der meisten Investoren, die ihr Geld zukunfts- oder wenigstens prestigesichernd anzulegen gedenken.

Der rote Kasten, das ist die Bauakademie, die zurzeit in Berlin Mitte ein Gespensterdasein erleidet gegenüber der Stelle, wo dereinst ein wesentlich mächtigeres Gespenst sein kuppelbekröntes Illusionistenkleidchen effekthaschend wehen lassen soll … wenn es denn je die Wehen überstehen sollte: das Berliner Schloss.

Doch anders als das Schloss, dessen Wiedererstehung wir einem parteiübergreifenden politischen Willen zu verdanken haben, der sich in erster Linie dem Wunsch nach Wiedergutmachung verdankt und ansonsten diffus begründet wird mit städtebaulichen Erfordernissen, die ein zeitgenössischer Forumsbau niemals erfüllen könne. Im Gegensatz also zum Wiederaufbauprotektionismus Schloss hat es die Bauakademie zu keinem Zeitpunkt geschafft, eine Historikerkommission auf den Weg zu bringen, deren Besetzung nichts anderes zuließ als Wiederaufbau durch Rekonstruktion. Sie hat es auch nicht geschafft, die Fürsprachen von Förderverein, Architekten, Bauhistorikern oder Denkmalschützern, ja nicht einmal die des Landes in ein medienwirksames Echo umzuformulieren … ein Schloss ist eben eine andere Sache als ein von Bauhistorikern zumindest als Meisterwerk angesprochener, 1836 erbauter und 1963 abgerissener „roter Kasten". Es gab ein 2008 ausgelobtes Bieterverfahren des Liegenschaftsfonds, bei welchem jedoch allein der Stadtwerber Hans Wall ein Angebot vorgelegte. 20 Millionen bot er an, den Rest solle das Land übernehmen. Inakzeptabel für den Bauherren, auch ein Gebot wie das der privaten Berliner Baugesellschaft Am Schinkelplatz vom Anfang des Jahres 2011 brachten keine realistischen Realisierungsaussichten.

Damit hatte nun der Berliner Liegenschaftsfonds den „roten Kasten“ von der Objektliste für die oben genannte Leitmesse der Immobilienbranche gestrichen und uns wird die rote Plastikplanenattrappe zunächst einmal erhalten bleiben.

Dem Liegenschaftsfond sind die Gründe für das bisherige Scheitern der Finanzierung eines Wiederaufbaus klar: Die strengen Vorgaben des Berliner Senats, ein Investor habe bei einer Investitionssumme von 45 Millionen Euro dreiviertel der Flächen einer Fremd-, in diesem Falle der öffentlichen Akademienutzung zur Verfügung zu stellen, müssten jeden Investor verschrecken.

Der SPD-regierte Senat reagierte bisher nicht, der regierende Bürgermeister Klaus Wowereit ließ aber schon wissen, dass das Land kein Geld zuschießen könne. Ob die Flächenaufteilung zugunsten eines Investors verschoben werden könne, ließ er ebenfalls offen. Nun weist der stadtentwicklungspolitische Sprecher der Linke, Thomas Flierl, darauf hin, dass die ehemalige Bauakademie auch Preußische Bauakademie gewesen sei. Und damit könne man sich vorstellen, dass der Bund hier komplett aktiv werden müsse.

So geht alles weiter und nichts geht voran in Berlin. Dabei wäre es doch so einfach: Schinkels Bauakademie realisieren, daneben einen großen Schinkelpark mit Pavillonbauten mit einem Sammlungsmix á la Humboldt, das Ganze für 100 Millionen Euro und Friede Freude Eierkuchen mitten im Pleiteland Berlin! Schön wärs … Be. K.

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