Helmut-Hentrich-Stiftungspreis 2015 verliehen

Wachsende Resonanz von Hochschulen und Absolventen

Die jeweils mit 5000 € dotierten Reisestipendien des Helmut-Hentrich-Stiftungspreises erhalten in diesem Jahr die Absolventinnen Katrin Recker (RWTH Aachen) und Katharina Oertel (TU Kaiserslautern). Lobende Erwähnungen gehen an Micaela Zellhofer (TU Darmstadt), Tobias Ebert (TU München) und Patricia Wess / Thomas Kalcher (TU Graz).

Die Jurysitzung und Bewertung der eingereichten studentischen Beiträge fand Anfang Juni unter Vorsitz von Professor Markus Allmann von der TU Stuttgart statt. Mit den weiteren Jurymitgliedern Frau Professor Anna Jessen (TU Darmstadt), Boris Schade-Bünsow (Chefredakteur Bauwelt), Benedikt Kraft (DBZ Deutsche BauZeitschrift) und Antonino Vultaggio (Kuratorium Helmut-Hentrich-Stiftung) wurden die eingereichten Pläne begutachtet und diskutiert.

Die Entscheidung für die Arbeiten von Katrin Recker und Katharina Oertel fiel, da diese insbesondere durch eine detaillierte Ausarbeitung und ihren sicheren formalem Ausdruck innerhalb der insgesamt 45 Einreichungen auffielen. Ebenfalls lobte die Jury die feinfühlige Auseinandersetzung mit der jeweiligen Aufgabenstellung.

Die Verleihung der Urkunden findet Anfang September in Düsseldorf unter Anwesenheit des Kuratoriums der Stiftung und dem Partnerkreis von HPP Architekten statt.

Die Helmut-Hentrich-Stiftung, 2001 kurz vor seinem Tod von Professor Dr. Helmut Hentrich ins Leben gerufen, verleiht jährlich den mit 10000 € dotierten Preis an Architekturabsolventen nationaler und internationaler Hochschulen. Seit 2012 wird der Stiftungspreis gemeinsam mit den Medienpartnern von Bauwelt und DBZ Deutsche BauZeitschrift ausgeschrieben. Der Erfolg der Zusammenarbeit wird durch die wachsende Resonanz von Hochschulen und Absolventen bestätigt.

Gewinner

„„Wohnen und Leben um die Zähringer Thomaskirche“

Katharina Oertel, TU Kaiserslautern, betreut/empfohlen von apl. Prof. Dr. Matthias Castorph

Erläuterungstext: Die Thomaskirche auf dem gleichnamigen Areal in Freiburg-Zähringen sollte saniert und umgenutzt werden, zudem galt es, vielfältige Wohnformen, sowie eine Kindertagesstätte zu entwickeln.

Das Konzept der vorliegenden Arbeit basiert auf der räumlichen Umkehrung des Kirchenraums. Durch das Abnehmen des Kirchendaches und das Ummanteln mit einem vollwertigen Gebäudekörper, wird der ehemalige Kircheninnenraum zum Außenraum gekehrt. Durch die präzise städtebauliche Setzung mit Wohnhaus erhält das Grundstück eine eindeutige räumliche Gliederung.

Jurystatement: Mit dieser sehr differenzierten und wohlüberlegten Arbeit ist es der Studentin gelungen, eine sinnvolle These zur Frage von „Weiterbauen“ und der Umnutzung von Kirchenbauten aufzustellen.

Überraschend ist, dass ein ehemaliger Kircheninnenraum zu einem Außenraum in Form eines Hofes wird, den ein neues Wohnhaus umschließt. Das Projekt entwickelt sich konsequent aus dieser Umkehrung heraus. Im Sinne eines „Objet trouvé“ macht damit der vormalig spezifisch für die Aufgabe Kirche gestaltete Raum durch seine Eigenartigkeit das neue Kulturforum zu einem besonderen Ort. Die Ergänzung durch ein zweites eigenständiges Gebäude, bringt das Ensemble in eine überzeugende Balance. Die städtebauliche Setzung überzeugt.

Das gesamte Projekt ist verbindlich in seiner prinzipiellen Haltung, konkret in der architektonischen Umsetzung und präzise detailliert. Im Vordergrund steht dabei nicht ein spektakuläres architektonisches Objekt zu entwerfen sondern durch ein kritisch kluges Nachdenken über vermeintlich funktionale Bindungen und der Weiterentwicklung architektonischer Standards ein außergewöhnliches, gleichwohl unprätentiöses, Projekt entstehen zu lassen. (ma)

„Landpartie – Ein Haus für Ruhe und Entschleunigung“

Katrin Recker, RWTH Aachen, betreut/empfohlen von Uni.-Prof. ir. Wim van den Bergh

Erläuterungstext: Die bewusste Selbstwahrnehmung während einer „Landpartie“ steht im Zentrum des Entwurfs. Das südlich des Rursees gelegene Haus zeigt sich als Neuinterpretation der Eifeler Urhütte und dient als Rückzugsort inmitten der Natur. Gleichzeitig fordert das einfache Haus die körperlichen Tätigkeiten der Bewohner, um eine Behaglichkeit im Wohnraum entstehen zu lassen.

Jurystatement: Das Haus soll, so die Verfasserin, „im hektischen Alltag die Möglichkeit der Entschleunigung“ bieten. Vielmehr aber scheint es, dass es der Verfasserin selbst gelungen ist, mit ihrem Entwurf eine stark entschleunigte Gangart einzulegen und sich sehr unzeitgemäß mit großer Liebe zu Konstruktion, Material und Detail auf die sich selbst gestellte Aufgabe einzulassen. In einem sorgfältig gemachten Buch stellt die Autorin in feinen Zeichnungen und Bildern den Prozess von der Ortsanalyse und Haustypologie zur Entwurfsfindung dar. Das Ergebnis ist ein zunächst ganz traditionelles, dennoch aber modernes Haus in Holzbauweise und eine Raumstruktur von präzise aufeinander abgestimmten Räumen. Einer Bauanleitung gleich wird in einer axonometrischen Darstellung jedes Detail vom Kamin bis zum Einbauschrank, Bodenbelag, Wand und Fenster durchdacht und beschrieben. Die Jury würdigt die Arbeit aufgrund der beeindruckenden Tiefe der Durcharbeitung und der Sicherheit im formalen Ausdruck. (aj)

Anerkennungen

„Ein Ort für Architektur – Umbau der TUM Mensa“

Tobias Ebert, TU München, betreut/empfohlen von Prof. Andreas Hild

Erläuterungstext: Mit dem Um- und Weiterbau des bereits einmal umgebauten Gebäudes der TUM-Mensa soll eine Fakultät der Architektur für Forschung und Lehre entstehen. Der Entwurf sieht die Aufstockung des Bestandsgebäudes um einen 10 m hohen Baukörper mit einer autarken Fachwerkkonstruktion vor. Ziel des Entwurfes ist es Bestand und Neubau in einen respektvollen Dialog zu bringen.

Jurystatement: Die Arbeit ist ein gelungener Beitrag zum aktuellen gesellschaftlichen Diskurs im Umgang mit dem gebauten Erbe im sozialen, politischen und technischen Kontext. Sie schafft es, Alt und Neu auf selbstverständliche und zeitgemäße Weise zu kombinieren und daraus eine neue eigenständige Identität entstehen zu lassen. Die Arbeit ist in großen Teilen schlüssig durchgearbeitet. (av)

„Haus der Bühnen an der Oberbaumbrücke in Berlin“

Micaela Zellhofer, TU Darmstadt, betreut/empfohlen von Prof. Jörg Springer

Erläuterungstext: Ausgangspunkt des Entwurfes ist es die Rolle des Theaters innerhalb des städtischen Gefüges zu hinterfragen und dessen zeitgemäßen architektonischen Ausdruck zu definieren. Programmatisch werden vorrangig die Erschließung, das Foyer und Vestibül als Orte der Begegnung thematisiert - die Bühnen werden auf kleine Studiobühnen heruntergebrochen.

Zentrales Element des Entwurfes ist die Kolonnade, welche differenziert zwischen Innen- und Außenraum vermittelt. Sie bedingt den gesamten strukturellen, konstruktiven und gestalterischen Aufbau des Theatergebäudes.

Jurystatement: Der Entwurf überzeugt mit seinem kraftvollen Auftreten an einem Ort, an dem Selbstbehauptung ebenso notwendig ist, wie deutliche Korrespondenz. Die Gestaltung des kompakten wie im Großmaßstäblichen gekonnt skulpturierten Volumens irritiert auf angenehme Art gewohnte Sehweisen. Die Grundrisse deuten eine pragmatische Eleganz innen an, die eine Lässigkeit widerspiegelt, die das noble Außen in der überraschenden Fassadengestaltung vielleicht nur gerade so andeutet. (bk)

„São Paulo Urban Observatory & Pocket Interventions”

Patricia Wess und Thomas Kalcher, TU Graz, betreut/empfohlen von Uni.-Prof. Dipl.-Ing. Klaus K. Loenhart

Erläuterungstext: São Paulo ist Südamerikas größte Stadt. Aufgrund des starken Wachstums konnte die Entwicklung der Infrastruktur nicht mithalten, was die Lebensqualität negativ beeinflusst hat. Kilometerlange Staus, immense Luft- und Wasserverschmutzungen, ausgedehnte Armut und hohe Kriminalitätsraten stellen die Herausforderungen dar.

Diese Arbeit beruht auf der Idee, vorhandene Strukturen über „Pocket Interventions“ nachhaltig zu transformieren. Die strategischen Eingriffe, die auf der Reaktivierung von frei zugänglichem öffentlichem Raum beruht, sollen mit Hilfe von planerisch und in weiterer Folge auch baulich definierten Bausteinen, Materialien und Oberflächen und der Partizipation lokaler Netzwerke bei der Entwicklung und Umsetzung zukunftsfähiger Räume unterstützend wirken. Diese neuen Räume werden für alle zur Kommunikation und Interaktion geschaffen.

Jurystatement: Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Problem des ungesteuerten Wachstums. Die Verfasser analysieren die Situation und leiten daraus die negativen Einflüsse auf das gesellschaftliche und soziale Miteinander ab. Gezielte Eingriffe in den öffentlichen Raum, hier „Pocket Interventions“ genannt, sollen die Identität einzelner Quartiere stärken und die Aufenthaltsqualität dort verbessern. Die erarbeiteten sechs Vorschläge reichen von „urban farming“ über einen Aquapark bis zu einer „roof top“-Begrünung. Die „Interventions“ sind modulartig aufgebaut und können kombiniert werden, allen gemein ist die Intention der Verfasser, das soziale Miteinander der Bürger vor Ort zu fördern. Die Arbeit wird einen noch größeren Realitätsbezug erhalten, wenn die ökonomischen Aspekte der Erstellung und des Betriebs hinzugefügt werden. (bsb)

Helmut-Hentrich-Stiftung

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