Erweiterungsbau des Gymnasiums Martino – Katharineum eingeweiht

KSP Jürgen Engel Architekten setzen mit ihrem Neubau in Braunschweig auf akzentuierte Implementierung

Am heutigen Donnerstag, den 8.9.2011, wurde in Braunschweig der Erweiterungsbau des Gymnasiums Martino – Katharineum feierlich eingeweiht. Im Auftrag der Stadt Braunschweig, vertreten durch den Fachbereich Gebäudemanagement, wurde der Neubau nach den Plänen von KSP Jürgen Engel Architekten errichtet. Die Umstellung auf Ganztagsbetrieb im August 2005 machte neben den bereits geschaffenen Flächen im Bestand die Errichtung eines Erweiterungsbaus erforderlich. Im Neubau sind ein multifunktionaler Veranstaltungsraum, ein so genanntes Forum mit Theaterbühne, neue Musik - und Sammlungsräume, Gruppenräume sowie eine Mediothek mit Computerarbeitsplätzen untergebracht.

Städtebauliche Situation. Neubau im historischen Stadtkern von Braunschweig

Das Grundstück ist gekennzeichnet durch seine prominente Lage in direkter Nähe zum Altstadtmarkt im historischen Stadtkern Braunschweigs. Die unmittelbare Umgebung des Schulgeländes wird durch ein heterogenes Umfeld aus historischer Bebauung und Bauten aus der Zeit des Wiederaufbaus geprägt. Das Gymnasiums Martino – Katharineum besteht an diesem Standort seit 1869, blickt aber auf eine insgesamt 600-jährige Tradition zurück. Berühmte Persönlichkeiten wie Carl Friedrich Gauß, Heinrich Hoffmann von Fallersleben und Louis Spohr sind aus dieser Schule hervor gegangen. Nach der Zerstörung im Weltkrieg 1939-45 wurde in den 1950er Jahren das Hauptgebäude, die Aula mit der Turnhalle und das Hausmeistergebäude wieder aufgebaut.

Der Erweiterungsbau setzt in seiner Kubatur und in Verlängerung der Aula die Bebauung entlang der Breite Straße fort. Stadträumliche Kanten und Höhenbezüge werden aufgenommen, die Gebäudetiefe korrespondiert mit der Tiefe des benachbarten Aulagebäudes. Das zuvor dort gelegene Hausmeistergebäude, das sich nicht für die geplante Nutzung eignete, wurde durch den Neubau ersetzt. Durch den Abbruch des Hausmeisterhauses konnte innerhalb des vorgegebenen Budgets das Raumprogramm sogar um ein Drittel erweitert werden. Darüber hinaus wurde der Erweiterungsbau so positioniert, dass das Gebäudeensemble des Martino - Katharineums bei Bedarf um einen weiteren Neubau entlang der Breite Straße ergänzt werden kann. Die Zugangssituation zum Schulgelände zwischen Aula und Erweiterungsbau wird nun deutlich formuliert und neu gefasst. Der Schulhof wird durch diese Ergänzung gegenüber der Breite Straße abgeschirmt und es entsteht eine geschützte, dreiseitig gerahmte Hofsituation.

 

Innere Organisation – Nutzungen

Der kubische Baukörper des Neubaus entwickelt sich auf nahezu quadratischem Grundriss. Während der Neubau zur Straße hin eine eher geschlossene Fassade hat und die Mauer, welche den Schulhof als Begrenzung einfasst, fortsetzt, öffnet sich das Gebäude zum Schulhof und zur neuen Eingangssituation. Das zweigeschossige Foyer ist über die gesamte Höhe zum Schulhof hin verglast. Von dort gelangt man in den Veranstaltungssaal, das so genannte Forum, das für Konzerte und Veranstaltungen mit einer Bühne ausgestattet ist, und eine Bestuhlung mit bis zu 100 Sitzplätzen fasst. Im Erdgeschoss befinden sich überdies Nebenräume wie Toilettenanlagen, Technikräume und ein Stuhllager.

Große, bodentiefe Fensteröffnungen und Türen schaffen im Erdgeschoss eine visuelle und räumliche Verbindung zwischen Neubau und Schulgelände und einen Dialog zwischen Innen und Außen. Alle Fensteröffnungen sind so gestaltet, dass sie jeweils einen gerahmten Ausblick in die unmittelbare und weitere Umgebung eröffnen und wichtige (stadt)räumliche Bezüge auch im Inneren erlebbar machen. Sie erleichtern darüber hinaus auch die Orientierung innerhalb des Neubaus.

Eine offene Treppe führt vom Foyer hinauf in die Obergeschosse – ein weiteres, notwendiges Treppenhaus dient als zweiter Fluchtweg. Hier befinden sich im ersten Obergeschoss die Mediothek, ein Gruppen- und Sammlungsraum. Im zweiten Obergeschoss befinden sich zwei Musikräume, zwei weitere Gruppenräume sowie ein Sammlungsraum.

 

Fassade. Materialität und Farbe

Auch in der Materialität und Farbigkeit werden Bezüge hergestellt. Die Fassade des in Stahlbetonbauweise errichteten Schulgebäudes ist ebenso wie die traufständigen Häuser entlang der Breite Straße verputzt. Der sandfarbene Putz ist durch seinen Auftrag im groben Besenstrich sehr haptisch gestaltet und bekommt eine eigene Handschrift. Die zurückhaltende Farbigkeit des Neubaus korrespondiert mit den hellen Sandsteinfassaden am Altstadtmarkt und den Putzfassaden entlang der Breite Straße. Kontrastierend hierzu sind die Fensteröffnungen sehr präzise durch Faschen eingefasst. Die weißen, scharfkantigen Faschen sind auf die Putzfassade aufgesetzt und akzentuieren die unregelmäßige Anordnung der Fensteröffnungen, die jeweils einen besonderen Ausblick rahmen.

Auch im Inneren werden einzelne Elemente farbig akzentuiert. So sind die Treppenhauswand sowie Einbauten wie Garderoben- und Aufbewahrungsschränke und weitere untergeordnete Bauteile in Rot gehalten.

Die leicht zur quadratischen Grundfläche verdrehte Organisation der Innenräume orientiert sich an der Diagonalen Sichtachse zum Portal des Hauptgebäudes und schafft auf diese Weise nicht nur eine spannungsvolle Raumfolge im Inneren, sondern zugleich einen subtilen Bezug zum Bestandsgebäude.

Daten

Bauherr: Stadt Braunschweig, Fachbereich Gebäudemanagement

Nutzer: Gymnasium Martino Katharineum, Braunschweig

Architekt: KSP Jürgen Engel Architekten, Braunschweig

Aufgabe: Erweiterung des Ganztagsbereiches am Gymnasium Martino Katharineum im Zuge des Konjunkturprogramms II der Bundesregierung

BGF (oberirdisch) ca. 985 m²

Baubeginn 5/ 2010

Fertigstellung  8/ 2011

Eröffnung 8.9.2011

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