EZB Tower 350 Mio. Euro teurer

Eine Reise an der Baustelle vermittelt die Dimensionen des Eurohauses

Der Euro wackelt. Nicht. Sagt die Bundeskanzlerin, sagen andere europäische Länderchefs, sagen die europäischen Banken. Sagt die EZB, die sich gerade für mehr als eine Milliarde Euro ihre Europazentrale baut. Im Ostend von Mainhattan, der deutschen Bankenstadt und einzigen Großstadt Deutschlands mit einer echten Skyline: Hochhäuser Downtown Mainhattan.

Der Neubau der EZB nach einem Entwurf von CoopHimmelb(l)au steht ein wenig abseits der Cluster, die ein eigentlich verbindlicher Hochhausplan einmal fest gelegt hatte. Doch für eine Zentralbank mit auch politischer Macht und Bedeutung knickt ein Stadtrat auch schon mal ein. Baugenehmigung im Außenbereich, in welchem hohe Häuser nicht zugelassen sind.

185 m werden die Doppeltürme demnächst in den Himmel ragen, über gigantische Zwischenebenen in einem gebäudehohen Atrium verbunden, sich teils aufstützen auf einer Großmarkthalle, die einmal unter Denkmalschutz stand, in Teilen jedoch schon verschwunden ist. Noch ein Opfer. In der Halle selbst – alles geplant vom Leiter des Hochbauamtes (1925-32) Frankfurts, Martin Elsaesser – stehen demnächst Ein-/Ergänzungsbauten für die EZB.

Nun wird dem Elsaesser-Bau von Bauherrenseite vorgeworfen, er sei verantwortlich für die Bausummensteigerung (rund einmal geplanten 850 Mio. € auf rund 1,2 Mrd. €): das Dach kontaminiert, die Fundamente zu schwach, der Beton in schlechtem Zustand. Hätte man vor Planung, vor Auslobung, vielleicht gar bei der Standortsuche und –auswahl gutachterlich prüfen lassen können. Aber es musste damals schnell gehen, die Banker drohten schon mal mit Abzug aus der Finanzmetropole.

Der Umzug der EZB in das neue Gebäude auf der nördlichen Mainkante im Osten Frankfurts ist trotz aller Schwierigkeiten weiterhin für 2014 geplant, so jedenfalls der den EZB-Chef Mario Draghi auf dem Richtfest im September 2012 vertretende Jörg Asmussen, Mitglied des Direktoriums der EZB vor etwa 1000 geladenen Gästen. Dann sollen die Türme in einer Naturlandschaft stehen, die ähnlich gesichert sein dürfte wie die Baustelle heute, nur dezenter, mit weniger Nato-Stacheldraht und Wachhunde-Patrouillien. Der Euro? Wackelt. Die Türme (hoffentlich) nicht. Der Euro kann nach Frankfurt kommen, sein Haus steht beinahe fertig bereit. Be. K.

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