Dreischeibenhaus

Die Modernisierung durch HPP im Herzen Düsseldorfs ist auch ein Statement

Das Dreischeibenhaus in Düsseldorf gilt vielen als Ikone der Moderne des Internationalen Bauens; in einem Deutschland, das noch längst nicht sämtliche städtebauliche Wunden geschlossen hatte, von den anderen gar nicht zu sprechen.

Ende der Fünfziger des 20. Jahrhunderts für die Phoenix-Rheinrohr AG von Helmut Hentrich, Hubert Petschnigg sowie Fritz Eller, Robert Walter und Erich Moser entworfen und durchgeplant, wurde der knapp hundert Meter hohe Bau 1960 fertiggestellt und im Mai bezogen. Bis zum Jahr 2010 wurde das Hochhaus als Firmenzentrale (Thyssenkrupp) genutzt, dann stand es leer. In bester Lage waren damit rund 30000 m² Bürofläche vakant.

Schnell war dem ersten Investor klar, dass das Hochhaus in seinem unsanierten und sowohl technologisch wie mit Blick auf die Ausstattung unbefriedigenden Zustand hier keine Mieter gefunden werden konnten. Mit dem zweiten Verkauf kamen die Düsseldorfer Architekten HPP ins Boot, die dem neuen Investor Vorschläge für mögliche Nutzungen unterbreiteten. Dass HPP die Architekten für die Modernisierung waren, hängt mit dem klugen Vorgehen der Bürogründer zusammen, die damals schon die Nutzungsrechte am Urheberrecht so sicherten, dass sie unverbrüchlich bei HPP bleiben. Schnell allerdings stellte sich heraus, dass die unter Denkmalschutz stehende Stahlskelettkonstruktion mit Vorhangfassade am effektivsten für eine weitere Büronutzung geeignet war. Das Dreischeibenhaus sollte also als Bürogebäude modernisiert und den heutigen Bedürfnissen an eine Vermietbarkeit angepasst werden.

Wesentliche Elemente der Modernisierung betreffen die Fassade, die Haustechnik, den Brandschutz, sowie alle Maßnahmen, die einer Wiederherstellung/Sanierung des ursprünglichen Zustandes dienen.

Die denkmalgeschützte Fassade wurde energetisch so ertüchtigt, dass sie auf jeder Geschossebene der Büros als 2-schalige Fassade mit öffenbaren Fenstern ausgeführt wurde. Dabei blieben die äußeren Fassadentragkonstruktionen mit dem Brüstungselement unangetastet. Die vorhandenen Fenster wurden durch eine Prallscheibe ersetzt, die am unteren und oberen Rand einen ca. 12 cm großen Abstand zum Rahmen hat und damit ausreichende Luftzirkulation erlaubt. Von Innen wurde – und hier konnte man sich die Einrüstung des Hochhauses sparen – eine zweite so genannte Primärfassade montiert. Die neue Primärfassade ist durchgehend von Rohfußboden zu Rohdecke montiert, seine Fenster sind öffenbar. Die innen liegende Brüstung der Primärfassade ist als Paneel ausgebildet, welches auf der Raumseite mit einer zur Rahmenkonstruktion ebenengleichen Glasfüllung versehen ist. Der ehemals innenliegenden Sonnenschutz konnte nun außen, allerdings geschützt im Fassadenzwischenraum, ca. 95 mm hinter der äußeren Prallscheibe, elektrisch bedienbar montiert werden. Die Alulamellen entsprechen dem ursprünglichen Bestand. Die Stirnfassaden mit den gekanteten Edelstahlflächen wurden gereinigt, sie konnten aufgrund der Dauerhaftigkeit des Materials als Originalteile erhalten bleiben.

Erhalten wurde auch das Design der Bürobeleuchtung, die schon im Urzustand in zwei Langfeldlinien parallel zur Fassade lief und die dem Hochhaus seine besondere Struktur verleiht. Die nach außen sichtbaren Stahlstützen des Tragwerks wurden – nach allerdings gescheiterten Versuchen, es hier mit anderen Farben, Weiß zum Beispiel zu versuchen – in der Originalfarbe Petrol neu lackiert.

Ein wesentlicher Eingriff in die innere Struktur der Geschossgrundrisse war die Parallelführung der Treppenhäuser mittels 90-Graddrehung der Originalerschließung. Damit konnte erreicht werden, dass die Geschosse auch für mehrere Mieter aufzuteilen ist, eine Notwendigkeit, die ursprünglich ja nicht bestand.

Ebenfalls wurden die – selbst heute noch üblichen – Technikgeschosse oben aufgelöst, nun wird die technische Versorgung dezentral auf jedem Geschoss angeboten. Dass ist nicht nur effizienter, es ergaben sich zusätzliche Mietflächen auf drei Geschossen (1200 m²). Diese sind teils über drei Ebenen geöffnet und können so als Sondermietflächen vermarktet werden.

Die Dachflächen über dem 21. Obergeschoss wurden auf den außenliegenden Scheiben als Dachterrasse gestaltet. Die Umwehrung der Dachterrasse erfolgt in Sicherheitsglas entsprechend des Fassadenrasters in der Breite 1,40 m und in der Höhe 1,90 m in Weißglas.

A propos Weißglas: Während der Neuplanung war auch Weißglas für die neuen Fenster geplant (versus Floatglas). Doch nach einer Bemusterung größerer Fassadenflächen war schnell klar, dass das zudem günstigere Floatglas die einzig mögliche Glassorte sein konnte. Die hohe Transparenz des Weißglases hätte das Monolithische zerstört.

Noch ist die südliche Stirnseite der Mittelscheibe geöffnet, noch wird über sie Material in die Restbaustellen in den drei oberen Geschossen gebracht. Wenn die Modernisierung Anfang 2015 abgeschlossen sein wird, wird das Dreischeibenhaus in neuem alten Glanz sich mehr als nur behaupten können im engeren Umfeld von Neubauten. Alt wird dann in jedem Fall sein wunderbarer Nachbar ausschauen, das Schauspielhaus (1965-70) von Bernhard Pfau zeigt zumindest in der Fassadenverkleidung größere Mängel. Die Sanierung und Modernisierung seines rund 10 älteren Geschwisters müsste für die Stadt der Ansporn sein, es den privaten Investoren nachzutun. Be. K.

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2015-02

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