Christoph M. Achammer

"Die Digitalisierung im Bauwesen hat nur Erfolg, wenn wir Wissen miteinander teilen"

Christoph M. Achammer hat mit seinem Büro ATP architekten ingenieure ein BIM-Kompetenzzentrum in der Schweiz gegründet. Wir haben mit ihm über einzureißende Zäune, Generische Property Server und Wissensvermittlung gesprochen.

DBZ: Wieso haben Sie ein BIM-Kompetenzzentrum gegründet?

Christoph M. Achammer: Weil ATP ein großes Architektur- und Ingenieurbüro ist, das als Integraler Planer agiert und an allen seinen Standorten BIM-Kompetenzzentren hat. Ein BIM-Kompetenzzentrum deshalb, weil wir als Integrale Planer die interdisziplinäre Zusammenarbeit seit 40 Jahren üben und daher in meinen Augen die intellektuellen und kulturellen Voraussetzungen haben, BIM anzuwenden. BIM ist nämlich keine technologische Herausforderung, sondern eine intellektuelle und kulturelle. Ein Teil des Kompetenzzentrums beschäftigt sich damit, der gesamten Community einen Generischen Property Server zur Verfügung zu stellen. Ein Generischer Property Server, der die Attribute so vereinheitlicht, dass man weiß, wo stehen diese, was meint das Attribut, welche internationale austauschbare Kennung  hat das Attribut. Eine Fensterbreite zum Beispiel: An welcher Stelle im Inhaltsverzeichnis kann ich diese finden und was meint die Fensterbreite genau. Und was hat das für einen IFC Code oder bsdd Guide.

DBZ: Wieso in der Schweiz?

Achammer: Weil die Schweiz, als einziges der drei Länder, die von sich behaupten Deutsch zu sprechen, ihre BIM-Kompetenz auf eine Ebene über alle Verbände konzentriert hat und derzeit am weitesten ist, was nationale Anstrengungen angeht.

DBZ: In welcher Phase der Gründung befinden Sie sich?

Achammer: Das Büro gibt es seit ein paar Jahren. Mit Eröffnung des Architektur- und Ingenieurbüros hat die Geschichte begonnen. Mit der Plattform Bauen digital Schweiz sind wir schon seit mehreren Jahren in Kontakt.

DBZ: Was kann ich als Planer dort lernen, wenn ich nicht bei ATP arbeite?

Achammer: Alle Erkenntnisse, die wir für die Organisation eines geordneten BIM-Prozesses erwerben und erworben haben, stellen wir der Community zur Verfügung. Es ist einer der großen Irrtümer der Digitalisierung im Bauwesen, dass man meint, man muss die eigenen Gartenzäune hochziehen. Damit kämpft Deutschland und zum Teil auch Österreich. Wir stellen unsere Erkenntnisse in digitaler Form unseren Mitwettbewerbern auf www.bimpedia.eu zur Verfügung. Auch in der Hoffnung, dass wir Feedback bekommen und gemeinsam besser werden.

DBZ: Dort kann ich als Architekt und Ingenieur bzw. Planer konkrete Handlungsanweisungen finden?

Achammer: Dort kann sich jeder ATP Content bis zu einer gewissen organisatorischen Ebene herunterladen.

DBZ: Wer ist mit Ihnen noch beteiligt?

Achammer: Wir sind zum Beispiel mit den Akteuren von Bauen digital Schweiz verbunden.

DBZ: Deutschland hat auch ein BIM-Kompetenzzentrum beschlossen. Was raten Sie den Deutschen?

Achammer: Grundsätzlich glaube ich, dass die Herangehensweise in Deutschland, mit dem hohen Organisationsgrad in allen einzelnen Teilaspekten des Planens und Bauens, nicht zum Erfolg führt.

DBZ: Was fordern Sie?

Achammer: Die Regierungen und Regierungsorganisationen, auch als große öffentliche Auftraggeber, müssen sich Länder anschauen, die weiter sind in der BIM-Einführung, z. B. Großbritannien, Skandinavien und auch die Schweiz. Wichtig ist, dass sie als Auftraggeber sagen, wir vergeben nur noch Aufträge, wenn wir die Dokumente in einer bestimmten LOD bekommen. Und den Rest der Ausarbeitung kann man den Baubeteiligten überlassen.

DBZ: Sie finden Deutschlands BIM-Einführung also überbürokratisiert?

Achammer: Ja. Ich vergleiche das immer mit den Umweltstandards. Wir sind uns alle einig, dass LEED und BREEAM im Verhältnis zu DGNB Grundschulniveau haben. DGNB ist um Klassen ausgereifter und intelligenter. Aber durchgesetzt haben sich LEED und BREEAM, weil sie schneller, einfacher und bearbeitbarer sind.

DBZ: Wo sehen Sie das Potential einer Zusammenarbeit?

Achammer: Gerade bei übergreifenden Themen, wie zum Beispiel dem Generischen Property Server. Dort auch die deutschen Institutionen miteinzubinden. Es gibt deutsche Unternehmen, die bereits mitmachen wollen.
Doch zunächst ist es ja eine ursächliche Aufgabe, die jeder Staat zu erfüllen hat. Ein solcher Server ist eine staatliche Infrastruktur, die allen zur Verfügung gestellt werden sollte. BIM hat auch eine Problematik: Es heißt, es wäre nur etwas für die Großen und brächte die kleinstrukturierte Open-BIM-Welt um. Das ist in dieser Phase auch ganz richtig. Doch das wäre furchtbar schade. Denn 80 % der Architekturbüros sind KMUs. Ich denke, die Digitalisierung in unserer Branche hat nur Erfolg, wenn wir Wissen miteinander teilen. Und das geht nur über eine digitale Infrastruktur, die nie privatisiert sein sollte.
Die Bildung eines Generischen Porperty Servers, auf den jeder kostenlos zugreifen kann, würde die Industrie sofort um 10 Jahre nach vorne bringen. Und vielleicht gelingt es uns, Deutschland mitzunehmen. Es wird immer über eine Sicherung des Datengolds und der Interessen diskutiert, auch aus mangelnder fachlicher Kenntnis. Wenn ich auf die Attributenebene herunterkomme, können wir sämtliche Themen im generischen (nicht firmenspezifisch) weiterhin so betrachten, wie wir sie betrachten.

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