Carlo Weber (1934–2014)

Der Gründungspartner von Auer Weber starb am 15. Mai 2014 wenige Tage nach seinem 80sten Geburtstag

Viele Jahre ist das schon wieder her, dass ich mit Carlo Weber und seiner Frau Liliane durch wogende Kornfelder spazierte und, neben aller Rückschau auf grandiose Augenblicke im Leben, mit den beiden über das sprach, was noch kommen wird. Wir machten den Spaziergang am frühen Abend, nach der sehr ausführlichen wie feierlichen Projektübergabe des Guts Siggen im Holsteinschen, dem Seminargebäude der Alfred-Toepfer-Stiftung (Hamburg). Wir wollten noch bis zur Ostsee laufen, aber der sandige Weg und das Gespräch sowie Carlo Webers Begeisterung für das Licht auf dem wogenden Korn ließen uns vor Erreichen des Küstensaums umkehren. Morgen, morgen früh werden sie beide noch einmal losziehen, so Liliane Weber, dann ganz sicher bis ans Meer.

Der Vorsatz, das sehr persönliche Gespräch ganz demnächst schon fortzusetzen wurde geschoben und verschoben bis heute und heute ist es zu spät, kurz vor einem, wie es auf der Website zu lesen ist, geplanten Ausflug des gesamten Büros zu Ehren seines 80. Geburtstages am 6. April verstarb Carlo Weber am 15. Mai 2014.

1934 in Saarbrücken geboren, begann er 1953 ein Architekturstudium an der TH Stuttgart und war damals bereits Mitglieder einer Generation deutscher Architekten, die die Architektur in diesem Land bis heute noch prägen (so Fritz Auer, mit dem er später ein gemeinsames Büro hatte), mit Günter Behnisch oder Lothar Seidel.

Nach einem Auslandsstipendium des DAAD an der École Nationale des Beaux Arts in Paris 1958-1959 und der Mitarbeit im Pariser Büro Les Frères Arsène Henry und bei Prof. Louis Arretche machte er 1961 seine Diplomarbeit an die TH Stuttgart. Hieran an schloss sich eine längere Zusammenarbeit mit Günter Behnisch, aus welcher vor allem Schulbauten entstanden.

1966 wurde Carlo Weber Gründungsmitglied der Architektengemeinschaft Behnisch & Partner zusammen mit Günter Behnisch, Fritz Auer, Winfried Büxel, und Erhard Tränkner. Mit diesem Team gewann er 1967 die heute legendären Bauten und Anlagen (1. Preis) beim Wettbewerb für die Olympischen Spiele 1972 in München, eine riesige Bauaufgabe, die das weitere Werden Carlo Webers – auch natürlich auch Günther Behnischs – prägte.

1980 gründete er gemeinsam mit Fritz Auer das Büro Auer Weber mit Standorten in Stuttgart und München. Hier entstanden unter seiner Führung das Kurgastzentrum in Bad Salzuflen, das Altenwohn- und Pflegeheim in Lemgo, das Stadttheater in Hof, das Casino der Heeresoffiziersschule in Dresden u. a. Für die 1998 fertig gestellte Erneuerung des Festspielhauses in Recklinghausen erhielten Auer + Weber 2001 den Deutschen Architekturpreis, nach dem Preis 1989 für das Landratsamt in Starnberg der zweite große Architekturpreis für das Büro. 2005 wurde das Ausstellunggebäude Brühlsche Terrasse in Dresden eingeweiht, zwei Jahre später das oben schon genannte Seminargebäude Gut Siggen in Ostholstein.

Mit dem 2006 gegründeten Büro Auer+Weber+Assoziierte haben Carlo Weber und Fritz Auer als Gründungsgesellschafter die Verantwortung für kommende Aufgaben in die Hände der nächsten Generation gelegt.

Neben seiner praktischen Arbeit am Entwurf war Carlo Weber auch in der Lehre tätig, lange Jahre als Dozent an der Universität Stuttgart und von 1992-1999 als Professor für Gebäudelehre und Entwerfen an der TU Dresden. 1996 wurde Carlo Weber Mitglied der Sächsischen Akademie der Künste. Unter vielen vielen Preisen für einzelne Bauten war die Verleihung der „Klassik-Nike“ durch den BDA 2013 für das ganze Team der an den Olympia-Bauten 1972 Beteiligten und ganz sicher auch für Carlo Weber eine besondere Auszeichnung. Dass der engagierte wie meist sehr verbindliche Mann die Realisierung seiner letzten Bauten nicht mehr erleben konnte, ist vielleicht nur aus unserer Sicht bedauerlich, ihm selbst war das Gelingen meist eine Gewissheit und die Freude am Ende trotz allem hat er sich sich niemals abgewöhnt. Be. K.

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