Bauen mit Bambus

Deutsch-Chinesisches Haus auf der EXPO2010 in Shanghai

Das „Deutsch-Chinesische Haus“, ein gemeinsamer Auftritt Deutschland und Chinas auf der EXPO2010 in Shanghai macht mit einer gelungenen Kombination von Stahl, Beton und Bambus für die Konstruktion auf sich aufmerksam. Das deutsche Architekturbüro MUDI aus Shanghai zeichnet im Rahmen des bilateralen Projekts für die Koordination der Beteiligten aus beiden Ländern verantwortlich. Idee und Konzept entwickelte der Künstler Markus Heinsdorff, der schon einige Bambus-Pavillons entwickelte und sich seit Jahren mit dem Thema Bambus als Baustoff beschäftigt.

MUDI hat das Konzept vertieft und gemeinsam mit dem Tongji Design Institute aus Shanghai die Genehmigungsplanung durchgeführt. In China gibt es keine Normierungen für das Bauen mit Bambus, somit mussten sämtliche statischen und brandschutztechnischen Nachweise selbst erbracht werden. Hierzu wurden Tests an der TU Darmstadt durchgeführt, die chinesische Zertifikation erfolgte an der Tongji Universität in Shanghai.

Das Haupttragwerk besteht aus 8 m langen Bambusrohren, „Julong Bamboo“ aus der Provinz Yunnan. Die TU Darmstadt optimierte den Stahl-Beton-Bambus-Verbund und entwickelte ein neues Verfahren für einen extrem festen Verbund zwischen Beton und Bambus. Die Stahlknoten von Nick Seise für die Verbindungen des Fachwerks integrieren sich gut in das Gesamtdesign.

Im gesamten Gebäude wurde ein neues Verbundmaterial engesetzt. Bambuslamellen wurden durch einen belastbaren Klebstoff zu tragenden Elementen verpresst, vergleichbar mit der Herstellung von Brettschichtholzträgern nach deutschen Standards. Dieses hoch belastbare Trägermaterial wurde für die Erstellung der mächtigen Rahmen benutzt, die das Obergeschoss tragen. Für die Fassade wurden die Stahlprofile des Tragwerks mit Bambusbrettschichtholz verkleidet. Die eigentliche Haut bildet eine ETFE-Membran, die auf die Bambusverkleidung aufgebracht wurde. Die Fassade ist ein gelungenes Beispiel für die Kombination von tradioneller Arbeitsweise und moderner Ingenieurstechnik und verleiht dem „Deutsch-Chinesischen Haus“ eine charakteristische Hülle.

Internet: www.mudi.com

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