Audi Urban Future Summit in Frankfurt a. M.

Die Audi Future Initiative leidet unter dem Blick auf die Machbarkeit; und die klare Forderung nach bleibender Emotionalität

Wie sieht die Zukunft der Städte aus? Natürlich die Zukunft der Mega-Städte, so groß sollten die Gebilde schon sei, über die sich ein Autokonzern wie Audi beispielsweise Gedanken macht. Sollten wir sie aus dem desillusionierten und zugleich heroisch fokussierten Blick eines Ridley Scott betrachten, der seinen Blade Runner der Düsternis, dem Gewaltpotential einer technoiden und bereits im Verfall begriffenen Megastadt aussetzte? Oder im schieren Gegenteil so, wie sie der Architekt und Stadtvisionär Frank Lloyd Wright in seinen Entwürfen zur Broadacre city malte: luftig, grün, weitläufig?

Der Blick auf die Gegenwart und die Prognosen auf zukünftige Zeiten großer Stadträume beschäftigt in ganz natürlicher Weise die Unternehmen dieser Welt, die in den vermuteten Megacities demnächst ihren hauptsächlichen Markt für den Absatz ihrer Produkte sehen müssen. Insbesondere die Automobilindustrie ist hier betroffen, sie sucht – immer noch viel zu zaghaft und mit vorurteilsbeladenen Vorbehalten nach den Trends, auf die sie sich einzustellen haben in der kommenden, vielleicht schon der nächsten Zukunft.

Audi zum Beispiel, gibt Unmengen von Geld aus für eine Initiative, die zwischen Marketingshow und echtem Brainpool osziliert. Initiierte einen Ideenwettbwerb, feierte sein Ergebnis im letzten Jahr in aller Größe in Venedig auf der Architekturbiennale. Dem Wettbewerb folgten weitere Veranstaltungen und die Gründung eines „Audi Insight Teams“, welches die Ergebnisse der Ausstellungen und Kongresse, der Workshops und Roundtables in den Konzern tragen und hier intern weiterdiskutieren soll. Auf dem dann vor Tagen in Frankfurt am Main, im direkten Vorfeld der IAA, organisierten Audi Urban Summit, lud die VW-Tochter wieder einmal zum Gedankenaustausch ein. Auf dem Audi Urban Summit, einem Kongress im Rahmen der von Stylepark kuratierten Initiative wurden weitere Statements so genannter Keynote-Speaker generiert, und in anschließenden Workshops mit Architekten, der Politik und Journalisten weiter vertieft. Gab es ein Ergebnis? Wurde eines erwartet? Nicht direkt, doch Ergebnisse gab es schon.

Zum Beispiel die Vision, dass das Auto der Zukunft kein Benzin mehr verbrennt. Dass es gas- und/oder stromgetrieben sein wird. Dass es eine mobile Schnittstelle werden soll zwischen öffentlichem und privatem Raum, zwischen Realität und virtuellem Raum (z. B. Web 2.0). Es soll integrierter Bestandteil der gesamten städtischen Mobilität sein, sich also den Verkehrsraum gleichberechtigt mit allen anderen teilen. Dieses Auto wird immer in Bewegung bleiben, schneller oder langsamer. Aus Sicht von Audi (Rupert Stadler) wird das Auto „immer emotional“ bleiben; jedenfalls so emotional, wie man heute mancher sein iPad anschaut, anfasst, auffasst.

Also Gestaltung. Wie die aussehen könnte, davon gab es am Vorabend der Summit-Veranstaltung einen Vorgeschmack im Audi-Pavillon (Arch.: Schmidhuber + Partner). Hier wurden in bester (und überaus altbewährter) Lightshow-Manier zwei Technikstudien präsentiert, der „urban concept“ und der offene „urban concept Spyder“. Dass diese sich an eine Studie des Jahres 1919 anlehnen (ein Elektroautoprototyp von Slaby-Beringer) deutet auf Kontinuität und verweigert die Revolution. Doch was hätte Audi auch zeigen können in einem Umfeld, in welchem „Adam Riese permanent auf dem Beifahrersitz“ sitzt (Kay Lindemann, Verband der Automobilindustrie)? Hier, auf dem Messegelände in Frankfurt, nicht im „The Squaire“ über dem Fernbahnhof mit Flughafenanschluss, in welchem der Kongress tagte, hätte man ein Statement ganz anderer Art erwartet, erhofft, die teils provozierenden Aussagen der Award-Teilnehmer, die Rückmeldungen und internen Diskussionen zum Thema „Urbanisierung des Automobils“ (Saskia Sassen) bieten doch Möglichkeiten, zeigen Perspektiven, wie Audi in die Zukunft blicken könnte. Dass die urbanen Konzeptstudien auf vier Rädern nicht mehr zu sein scheinen, als ein Angebot an gutsituierte Käufer mit Fahrerlaubnis ab 16 Jahren, muss als vertane Chance betrachtet werden. Die Messe-Besucher, die hier hätten aufgeweckt werden können, sehen nichts weniger als zwei sportliche Fahrzeuge, in welche man keinen Kinderwagen einpacken könnte.

Der Wiener Kongress – Sie erinnern sich? – tanzte; der in Frankfurt arbeitete. Seine Fragen, die Reaktionen auf seine Thesen etc. müssen jetzt einsickern in das Adam-Riese-Denken der Vorstände. Ansonsten werden wir die Städte der Welt nicht von Maschinen á la Audi oder Mercedes befahren sehen, sondern von Endgeräten á la Apple und/oder Aldi. Das längst veraltete Kommunikations- und Identifikationsmodell Auto steht vor Bedeutungsverlust oder Bedeutungswandel. Die jetzt noch Ungeborenen werden aber allein über einen klug und nachhaltig eingeläuteten Wandel die so genannten Premium-Marken als solche noch erkennen können; und dann vielleicht auch konsumieren. Dass diese dann ganz anders emotionalisieren müssen, als durch Geschwindigkeit, Beschleunigungsvermögen aber auch Verbrauchszahlen, müsste eigentlich klar sein; müsste. Be. K.

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