3000 Jahre Holzbaukunst

Ausstellung „Chinesische Architekturmodelle“ vom 21. Oktober 2009 bis 24. Januar 2010, München

Über etwa drei Jahrtausende wurden fast alle öffentlichen Gebäude in China nach einem sich kaum wandelnden Bausystem errichtet: Auf hölzernen Stützen ruht ein mächtiges, geschwungenes Walmdach mit weit ausladenden Dachtraufen und Ziegeldeckung, das von einer kunstvollen Holzkonstruktion getragen wird. Stützen, Pfetten sowie übereinander angeordnete Reihen mit kurzen Balken bilden ein Gerüst, dessen Teile alle nur durch Zapfen miteinander verbunden sind, sodass ein elastisches Holzgerippe entsteht, das auch starke Schwingungen von Erdbeben dämpft. Die Wände sind nur eingestellt und haben keine tragende Funktion. Im Vergleich zu unseren Ziegeldächern besitzen die traditionellen chinesischen Ziegeldächer, je nach Größe, ein drei bis vier Mal höheres Eigengewicht und können so auch großen Stürmen standhalten. Zum Bauen wird das Holz der weißen Zeder verwendet, das die Zugspannung von Stahl hat und dessen Druckfestigkeit mehr als sechsmal so hoch ist wie von Beton. Diese Konstruktion trug dazu bei, dass viele historische Bauten Naturkatastrophen überstanden und deshalb heute noch Holzbauten aus dem 8. Jahrhundert n. Chr. existieren. Die meisten dieser Gebäude befinden sich westlich von Peking in der Provinz Shanxi. 

Die spezifische chinesische Weise der Holzkonstruktion wurde im 11. Jahrhundert auf Anordnung des Kaisers in einem Handbuch (Yingzao Fashi) detailliert festgelegt. Dank dieses Regelwerks sowie durch die große Anpassungsfähigkeit des Systems wird die charakteristische Holzbauweise seitdem von Generation zu Generation bis heute weitergegeben. Eine solche Langlebigkeit einer Baustruktur ist in der Architektur weltweit einzigartig. Im 20. Jahrhundert wurden in China von den wichtigsten buddhistischen Tempeln und Palastanlagen Dokumentations- und Lehrmodelle von höchster Präzision gefertigt. An den großformatigen Modellen sind alle Details genau nachgebildet, um das Studium und eine eventuell notwendige Rekonstruktion der historischen Bauten zu ermöglichen.

In der Ausstellung des Architekturmuseums werden 19 dieser Modelle vorgestellt, darunter befinden sich neben Detailmodellen des Konsolensystems (Dougong) die Nachbildungen der ältesten in China existierenden Holzkonstruktionen wie der Nanchan-Tempel (Tang-Dynastie, 782 n. Chr., Wutai, Shanxi), der Foguang-Tempel (Tang-Dynastie, 857 n. Chr., Wutai, Shanxi) und die Guanyin-Halle des Dule-Klosters (Liao-Dynastie, 984 n. Chr., Tanjin, Jixian). Letztere hat 28 Erdbeben überstanden, darunter jenes von 1679, bei dem außer der Halle kein anderes Gebäude in der Umgebung stehen blieb. 

Weiterhin werden die Modelle der 300 m langen, aus vier Hallen bestehenden Anlage des Yongle-Palast in Ruicheng (Yuan-Dynastie, 1271-1368, Provinz Shanxi) und des 270 ha großen Komplexes des Himmeltempels (Ming- und Qing-Dynastie, seit 1420, Peking) sowie ein Modell von einem der 492 buddhistischen Höhlentempel im Gebiet von Dunhuang präsentiert. Alle diese Anlagen stehen auf der Liste des UNESCO-Weltkulturerbes. Die einzigartige Sammlung ist im Besitz der Chinese Academy of Cultural Heritage in Peking und wird im Architekturmuseum der TU München zum ersten Mal außerhalb Chinas gezeigt.

Veranstaltung: Ausstellung “Die Kunst der Holzkonstruktion – Chinesische Architekturmodelle“
Ort: Architekturmuseum der TU München in der Pinakothek der Moderne, Arcisstr. 21, 80333 München
Zeit: 22. Oktober 2009 bis 24. Januar 2010
Weitere Informationen: Die Ausstellungseröffnung findet am 21. Oktober 2009 um 19 Uhr statt.
Internet: www.architekturmuseum.de

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