Weltbestes Hochhaus
Trotz aller Kritik muss er wohl immer noch sein: der Internationale Hochhaus Preis IHP. Vielleicht, weil er aus der zurzeit noch einzigen Hochhausstadt der Republik kommt. Vielleicht, weil der Preisstifter, die DekaBank, das Wertpapierhaus der deutschen Sparkassen und Teil der Sparkassen-Finanzgruppe, ein treuer Geldgeber ist und natürlich selbst in Hochhäusern oder gar Skyscrapern residiert, so von 1993-2024 im Trianon Tower (von Novotny Mähner Assoziierte, HPP International u. Albert Speer & Partner) und nach der Pleite von dessen Eigentümergesellschaft im spektakulären FOUR (von UNstudio), im Turm T1.
Seit 2004 und alle zwei Jahre wird der mit 50 000 € dotierte Hochhauspreis von der Stadt Frankfurt a. M. ausgelobt. Initiiert wurde er von der Stadt zusammen mit dem Deutschen Architektur Museum DAM und der DekaBank. Seitdem wird er in partnerschaftlicher Kooperation von DAM und DekaBank organisiert, finanziert und in diesem Jahr zum 12. Mal verliehen.
Wie es sich für Architekturpreise mittlerweile gehört, gibt es Longlists und Shortlists und eine naturgemäß kürzere Liste der (fünf) Finalisten. Die ragen in den Himmel über Singapur, Sydney, Guangzhou, Curitiba und – man lese und staune – in Brüssel. In letzterer Stadt steht dann aber auch nicht der höchste Turm, auch nutzt der Neubau Reste einer Bestandsimmobilie. Allein gemein ist der Drang zur Begrünung, zu Leisure and Pleasure (begrünte Terrassen fürs Jogging, Räume für Meditation und Kinderbetreuung, Spa, Swimmingpool oder Fitnessangeboten etc.) und großen (Wohn-)Flächen. Zu Kosten, Eigentumsverhältnissen, Energie- und Ressourcenverbrauch, zu Ghettoisierung durch Verdrängung, zu Materialkataster oder planerischen Leitlinien für das Umfeld, zum Schattenwurf und Strömungseffekten: nichts.
Was wir nun mit dem „weltbesten Hochhaus“ (bis in zwei Jahren) anfangen sollen? Was macht die fünf Finalisten zu Referenzen in einem Bausegment, das zumindest beim IHP eher die Upper-Class adressiert und weniger eine Stadtbevölkerung? Über Gestaltung staunen? Über den Mut, dass eine Institution in Sachen Baukultur weiter am Mythos Signature Architecture bastelt? Wer schließlich gewinnt, ist einerlei; das DAM steht kurz in den Medien und dann heißt es wieder, zwei Jahre warten. Die könnte man nutzen!⇥Be. K.
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