Stein auf Stein, aber anders

Wer solide bauen wollte, musste das Stein auf Stein machen. So jedenfalls das Credo der Mauer-steinproduzenten. Was in der Bauherren-Wahrnehmung tief verankert schien, bricht die Industrie nun auf: Nicht mehr Stein auf Stein – das auch –, ab jetzt heisst es: seriell! Das jedenfalls ver­suchen gerade die Emsländer Baustoffwerke, ein mittelständisches Unternehmen, das der Frage nachgegangen ist, wie digitale Planung, automatisierte Vorfertigung und nachhaltige Kalksandsteine dazu beitragen können, den Wohnungs- und Gewerbebau in Deutschland deutlich zu beschleunigen. Denn das ist ja das Problem: Aus Herstellersicht wird zuwenig gebaut.

Der Gründe sind viele, ständig steigende Rohstoff- und Transportkosten, komplizierte oder zu lange Genehmigungsverfahren (oder beides), der Wettbewerb und Fachkräftemangel. Dem möchte man nun dadurch begegnen, dass in einer ­vollautomatisierten Produktionslinie komplette
Wandelemente entstehen mit Wanddicken von 15–30 cm, Wandlängen von bis zu 6 m und Wandhöhen von bis zu 3,5 m. Womit, so der Hersteller, die „maßgeblichen Anforderungen des deutschen und niederländischen Markts erfüllt“ werden. Auf der Baustelle werden die Bauteile mithilfe von Mobil- oder Baustellenkranen montiert. Das alles spare Zeit, steigere die Ausführungsqualität, senke Kosten und diene, so ist etwas irritierend formuliert auf der Webseite zu lesen, der „Reduzierung des Fachkräftemangels“; weil man eben weniger Personal brauche.

Die Politik jedenfalls ist schon überzeugt. Der Bund schwärmt seit Jahren von modularem und seriellem Bauen als der Lösung der immer noch akuten Wohnungsbaukrise: „Was hier im Emsland entstanden ist, verdeutlicht, wie Innovation und Mittelstand gemeinsam die Bauwende voranbringen. […] Wir können eine führende Rolle übernehmen, wenn es darum geht, das Bauen neu zu denken und unsere Bauwirtschaft zukunftsfest aufzustellen“, so der für Niedersachsen zuständige Ministerpräsident Olaf Lies anlässlich eines Werkbesuchs.

Im Süden mit Holz, im Norden mit Kalksandstein, serielles Bauen heute kopiert serielles Bauen ges-tern: Damals hieß das noch WBS 70, WHH Gt 18 oder doch P2. Stein auf Stein, immer noch, jetzt aber in Mauertafeln zu eins verbunden. Ob das wirkt? Be. K.

www.kalksandstein.de

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