Rechenzentrum Potsdam
Unendliche Geschichte? Eher nicht, denn wenn Geschichte als Erzähltes betrachtet wird, ist sie irgendwann auch einmal abgeschlossen. Nun lässt sich erzählte Geschichte in ein Haiku fassen oder einen mehrbändig publizierten Roman, in Potsdam sind wir insgesamt eher bei Kurzgeschichten. Bürgervereine wie der Bauverein Potsdamer Stadtkanal 1722, Mitteschön! oder die Fördergesellschaft für den Wiederaufbau der Garnisonkirche sowie die Stiftung Garnisonkirche Potsdam haben in jüngster Vergangenheit in vielen kleinen, aber wirkungsvollen Projekten die Schlafstadt Berlins aus jüngster DDR-Geschichte befreit, hin zum barocken Flair einer Zeit, die die meisten dieser Bürger nicht kennen können.
Leider sind deren Initiativen zahlreiche historische Bauten zum Opfer gefallen und es werden weitere folgen. Dass dabei viel Reanimiertes den inneren Stadtraum bestimmt, bestimmen wird, stört offenbar Wenige. Direkt im Schatten des Rechenzentrums wurde vor Jahren schon eine Gedenkstätte für eine zu DDR-Zeiten zerstörte Kirche geschaffen, die Garnisonkirche. Der der evangelischen Gemeinde zugehörige Bau ragte leicht mit ihrem Turm in die Breite Straße, ein Hinüberwinken zum Schloss, ein Gruß denjenigen, die von Westen kommend die Stadt betraten. Ragt wieder, denn der Turm steht wiederaufgebaut, eine detailgenaue Rekonstruktion.
Nun steht er neben dem Rechenzentrum, in dem sich alternative Kunst und eine eher linke Bildung Räume geschaffen hat, Veranstaltungen durchführt und auch gerne gegen den in ihrem Schatten stehenden Kirchenbau lästert. Denn zwar war immer vom Turm die Rede, der als versöhnende Geste wiederaufgebaut werden sollte, doch länger schon werden Stimmen lauter, die ganze Kirche neu zu bauen.
Schaut man in einen ersten Stiftungssatzungs-Entwurf von 2008 ist dort zu lesen: „Mit der Gründung der Stiftung soll die Stätte als Symbolkirche und Erinnerungsort genutzt werden. Das bedeutet, dass die wechselvolle Geschichte der Garnisonkirche Potsdam in ihren unterschiedlichen Bezügen aufgearbeitet, dokumentiert und vermittelt wird.“ Wie diese Auseinandersetzung mit dem Ort und seiner Geschichte am Besten gelingen könnte? Wohl in friedlicher Koexistenz: Hier Kirchturm, dort DDR-Architektur, beides zusammen ein kooperierender Bildungsort.
Dass das vom neobarocken Lager anders gesehen wird, ist verständlich, aber unklug. Nun hat sich die Oberbürgermeisterin Potsdams für eine Verlängerung des Mietvertrags des Rechenzentrums bis 2034 ausgesprochen. Die Kirche, Eigentümerin, hat hierzu noch keine Rückmeldung gegeben. Die Stiftung Garnisonkirche kann sich eine Verlängerung vorstellen, dann aber sei endgültig Schluss, das Rechenzentrum müsse weg.
Dass man die Frage des Wiederaufbaus zukünftigen Generationen überlassen solle, wie Bischof Stäblein einmal sehr vage in den Raum stellte, böte einerseits ausreichend Zeithorizont für eine Ertüchtigung des RZ-Gebäudes, würde andererseits aber alle die frustrieren, die die Kirche noch zu eigenen Lebzeiten erleben wollen. Versöhnung, geht da was?! Be. K.
