Prägnante Einstiegshilfe
„Sowohl fürs Klima als auch fürs Portemonnaie“ kann sich eine energetische Sanierung im Bestand lohnen. Das hier genannte Spektrum verweist auf den zentralen Ansatz der – und das sei gleich resümiert – sehr übersichtlichen, im Detail zugänglichen, praxisorientierten Publikation. Es geht in der aufgeräumten, mit Plänen, Grafiken und Fachbegriffen gut gefüllten Arbeit um die Senkung des Energiebedarfs im Wohnungsbestand Deutschlands. Dabei wird zwar an den meisten Stellen gegen landläufige Praxis und politisch formulierte Aufgaben angeschrieben, dennoch ist die Arbeit kein Pamphlet, kein Manifest für ein anderes Bauen, sie ist schlicht das gut aufbereitete Ergebnis einer umfangreichen (Studien-)Sanierungsarbeit an unterschiedlichen Wohnhäusern (in München und, ein Pilotprojekt, in Heidelberg).
Die allgemeine Einführung ins Thema „Energetische Wohnungsbausanierung“, die zugleich auch die Darlegung einer Haltung zum Sanieren ist (wieviel Komfort brauchen wir eigentlich), umfasst im Wesentlichen den anschaulichen Vergleich unterschiedlichster Szenarien: Was wird wie saniert mit welchem Effekt (Einsparung Energie, Kosten, Folgekosten u. a.). Dabei schneiden Vollsanierungen zwar besser ab, doch der Blick auf Kosten und CO₂-Ersparnis lässt am Optimum zweifeln. Und: „Neue Fenster bringen immer etwas“ stimmt eben nicht, was auch die Autoren freimütig bekennen.
Es geht also um robuste Konzepte, die wie selbstverständlich die Nutzer miteinbeziehen, es geht um das Einfache, das viele der heute wie selbstverständlich gewordenen Maßnahmen als überzogen, zu teuer, zu ressourcenintensiv und in ihrer Komplexität oft auch wenig haltbar entlarven. Die Analyse der drei Wohnsiedlungen in München zusammen mit der der Pilotsiedlung ist griffig aufbereitet, kurze und prägnante Textstückchen machen mit Plänen und klaren Diagrammen deutlich, an welcher Stelle im Gebäude welche Maßnahmen die größte Wirkung entfalten. Ob das Ziel dieser Arbeit dann darauf zu reduzieren ist, dass hier erklärt wird, „wie das Ziel einer CO₂-Reduktion ohne Steigerung der Warmmiete erreicht werden kann“ (Verlag), ist eher Understatement und kann dem tatsächlichen Gehalt der auch Forschung seienden Arbeit nicht gerecht werden. Das Grundsätzliche lässt sich tatsächlich auf das Bauen insgesamt spielend leicht übertragen, man erkennt schnell die früheren (Forschungs-)Arbeiten, die eigentlich – so die Herausgeber/Autorinnen – erst nach dieser Arbeit hätten gemacht werden sollen. Womit sie mit Recht behaupten, dass der Blick auf das Bestandspotential ein – zumindest ökologisch, vielleicht auch ökonomisch betrachtet – ergiebigerer ist als der auf ein zukunftsfähiges „Einfach Bauen“, wie mit den Forschungshäusern in Bad Aibling anschaulich vorgeführt. Damit haben wir eine wichtige Einstiegshilfe in ein zentrales, die ganze Branche betreffendes Dauertema: Wie überhaupt noch bauen?! Be. K.
Birkhäuser, Basel 2026, 143 S., zahlr. Farb- u. sw-Abb., Diagramme, Pläne
Einfach umbauen. Ein Leitfaden. Hrsg. v: Florian Nagler, Tilmann Jarmer und Anne Niemann. Birkhäuser, Basel 2026, 143 S., zahlr. Farb- u. sw-Abb., Diagramme, Pläne.
44 €, ISBN 978-3-0356-3102-9
