Otto Wagners Waffen

Otto Wagner (1841–1918) gehört – folgt man der männlichen westlichen Sicht – zu den internatio­nalen Heroen der frühen Moderne, die Wiener Stadtbahn, die Postsparkasse oder die Kirche am Steinhof gelten längst als Schlüsselwerke der ­Architektur des 20. Jahrhunderts.

Der Vater der Wiener Secession setzte Anfang des 20. Jahrhunderts radikal neue Theorien zu Architektur und Städtebau in die Welt. Dass sich seine auch Provokationen im Kampf um eine neue Architektur auf das Zeichnerische stützten, führte zu kompositorisch raffinierten und technisch aufwendigen (Flug-)Blättern, die im Atelier Otto Wagners unter seiner Anleitung entstanden.

Die Ausstellung in der Tchoban Foundation ist die erste in Berlin zum Werk Wagners und zugleich das erste Mal seit mehr als 60 Jahren, dass sein Schaffen in Deutschland gezeigt wird. Der Ort ist gut gewählt, lernte der Architekt doch während seines Studiums an der Bauakademie das Werk Karl Friedrich Schinkels kennen, dessen Sammlung architektonischer Entwürfe zum Vorbild für seine eigene, höchst einflussreiche Werkpublikation wurde.

Mit einer Auswahl aus der mehr als 1 000 Blätter umfassenden Sammlung des Wien Museums präsentiert die Ausstellung die wichtigsten Stationen und Themen in Wagners Karriere. Neben seiner Architektur werden auch kompositionelle und technische Charakteristika der Zeichnungen und ihr strategischer Einsatz als „Waffen aus Papier“ im „Kampf“ um die moderne Architektur thematisiert. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.

Otto Wagner – Architekt des modernen Lebens
Tchoban Foundation – Museum für Architekturzeichnung
Christinenstraße 18a, 10119 Berlin
Ausstellungsdauer: noch bis zum 17. Mai 2026
Öffnungszeiten: Mo–Fr 14–19 Uhr,
Sa–So 13–17 Uhr

www.tchoban-foundation.de,www.wienmuseum.at

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