Modulbau, Stuttgart, Berlin und Bockenem

2018 realisierte Kleusberg in Stuttgart ein dreigeschossiges Verwaltungsgebäude aus insgesamt 138 Modulen. Bereits in der frühen Planungsphase stand fest, dass das Gebäude nur für einen begrenzten Zeitraum genutzt werden sollte. Dementsprechend lag der Fokus auf einem Konzept, das Rückbau und Wiederverwendung der Module von Beginn an mitdachte. 2024 wurde das Gebäude dann kontrolliert zurückgebaut, wobei ein Großteil der Module und Bauteile einer weiteren Nutzungsphase zugeführt werden konnte. In Berlin entstand aus den wiederverwendeten Modulen ein Verwaltungsgebäude, in Bockenem ein Bürogebäude, bei dem Bestandsmodule durch neu gefertigte Einheiten ergänzt wurden.

Grundlage für die Transformation war das Gebäudesystem ModuLine®. Dieses ermöglicht, genehmigungsfähige Gebäude ohne baurechtliche Einschränkungen sowohl für temporäre als auch für dauerhafte Nutzungen zu errichten. Durch flexible Grundrisse ohne tragende Innenwände können die Gebäude dabei an veränderte Anforderungen angepasst werden. Der Rückbau wird somit nicht als klassischer Abbruch verstanden, sondern als präzise geplanter Transformationsprozess.

Ziel des Projekts in Stuttgart war es, möglichst viele Materialien und Bauteile zurückzugewinnen und weiter zu verwenden. Nach der Entfernung von Möblierung und Medienleitungen erfolgte der Rückbau der technischen Gebäudeausstattung. Dazu gehörten Schließanlagen, Brandmeldetechnik, Heizungs- und Klimatechnik sowie Sanitärinstallationen. Anschließend wurden die Module entkernt, Stoßverbindungen geöffnet und Fassadenflächen aufbereitet, sodass die Elemente ­erneut eingesetzt werden konnten. Besondere Aufmerksamkeit galt dabei der Abstimmung zwischen Rückbau und späterem Wiederaufbau. Jedes Modul wurde exakt dokumentiert und nummeriert, um die spätere Positionierung am neuen Standort nachvollziehen zu können. Beschädigte Bauteile wurden repariert oder ersetzt und Oberflächen nachbearbeitet. Der Rückbau musste dabei in einer anderen Reihenfolge erfolgen als die ursprüngliche Montage – eine Herausforderung, die ein hohes Maß an logistischer und technischer Koordination erforderte. Hinzu kamen komplexe Anforderungen an Transport und Zwischenlagerung, da z. B. die innerstädtischen Rahmenbedingungen am neuen Standort in Berlin eine flexible Anlieferung und Zwischenlagerung der Module nur eingeschränkt zuließen. Die demontierten Module wurden deshalb zunächst auf Zwischenlagerflächen sortiert und entsprechend der späteren Montagereihenfolge vorbereitet. Um zusätzliche Lieferwege zu reduzieren, wurden einzelne Module bereits im Zwischenlager mit Materialien für den Innenausbau beladen. Neben den Modulen selbst konnten Türen, Außentreppen, Sanitärobjekte, Heizkörper, LED-Leuchten, Einbauküchen und weitere Ausstattungen ausgebaut und aufgearbeitet werden und wurden so für neue Projekte verfügbar gemacht.

Projektdaten

Planung: Kleusberg, www.kleusberg.de

Fertigstellung: 2018, dann 2025

Hersteller: Kleusberg

Produkt: ModuLine®

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