Mehr ist mehr: zwei neue kooperative
und interdisziplinäre Studiengänge
Durch eine Kooperation mit der Handwerkskammer erhalten die Absolvierenden des neuen Studiengangs der HS Coburg auch einen Gesellenbrief
Foto: Markus Schlempp, Hochschule Coburg
In Coburg und Kiel wurden zwei neue Studiengänge eingeführt, die von der Zusammenwirkung unterschiedlicher Expertisen aus Universitäten, Berufskammern und Unternehmen profitieren und den Studierenden bereits in der Ausbildung einen vielseitigen beruflichen Ausblick geben.
Die Hochschule Coburg hat gemeinsam mit der Universität Bamberg und der Handwerkskammer für Oberfranken ab dem kommenden Wintersemester den neuen Bachelorstudiengang „Bauerhalt und traditionelle Werktechniken“ eingeführt. Der Studiengang verbindet handwerkliche Ausbildung mit wissenschaftlichem Studium in den beiden Städten Coburg und Bamberg. Der Fokus liegt auf Erhalt und Sanierung bestehender Gebäude mit einem sozialen und ökologisch nachhaltigen Ansatz, der traditionelle Methoden und Materialien berücksichtigt. Die Besonderheit dieser Zusammenarbeit liegt darin, dass Absolvierende zusätzlich zum Bachelortitel einen Gesellenbrief im Handwerk bekommen.
Für die Hochschule Coburg ist das Projekt eine Weiterentwicklung bestehender Strukturen, denn Kooperationen mit der Universität Bamberg gab es bereits im Masterstudiengang „Digitale Denkmaltechnologien“. Mit diesem Studiengang bringt sie ihre wissenschaftliche Expertise insbesondere über das Kompetenzzentrum für Denkmalwissenschaften und Denkmaltechnologien (KDWT) ein. Der neue Studiengang ergänzt an der Fakultät Design + Bauen der HS Coburg außerdem Studiengänge wie Architektur und Bauingenieurwesen. Der neue Studiengang verbinde Forschung, Lehre und Praxis in besonderer Weise: „Aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse fließen direkt in die Ausbildung ein und werden anwendbar, zugleich erhält die Forschung wichtige Impulse aus der Praxis“, sagt Universitätspräsident Prof. Dr. Kai Fischbach.
Die Handwerkskammer für Oberfranken erhofft sich ihrerseits Antworten auf strukturelle Veränderungen im Berufsfeld: „Überall sind Fachkräfte gefragt, die praktische Fähigkeiten mit betriebswirtschaftlichem und planerischem Wissen verbinden“, so HWK-Präsident Matthias Graßmann. In Kombination mit dem Gesellenbrief eröffne diese Zusammenarbeit neue Wege, einen Betrieb zu gründen oder zu übernehmen. Der wachsende Bedarf an Spezialwissen im Umgang mit historischer Bausubstanz entspreche der Entwicklung der Aufgaben im Bausektor mit Blick auf Ressourcenknappheit, Klimaschutz und steigende Baukosten. Traditionelles Wissen wird im Studiengang bewahrt – und in Wissenschaft und Handwerk für die Zukunft gemeinsam weiterentwickelt.
Der neue Studiengang der HAW Kiel nimmt den Bausektor in die Verantwortung und reagiert gleichzeitig auf die Herausforderungen, die z. B. mit Blick auf extreme Wetterereignisse das Bauen heute und in Zukunft definieren werden
Foto: Nick Hanke
Die HAW Kiel startet zum Wintersemester 2026/27 erstmals den Masterstudiengang „Klimagerechtes Planen und Bauen“ in Kooperation mit der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. An Studierende gerichtet, die nachhaltige, widerstandsfähige und zukunftsfähige Gebäude und Infrastrukturen entwickeln möchten, verbinde der Studiengang ingenieurwissenschaftliche Inhalte mit ökologischen, rechtlichen und gesellschaftlichen Fragestellungen, um ein ganzheitliches Verständnis für die neuen Anforderungen zu vermitteln, so Prof. Dr. Alois Steiner vom Institut für Bauwesen. Studierende können zudem ihre Kenntnisse in Wahlmodulen vertiefen: Das Angebot umfasst Themen der Bautechnik, der Infrastruktur und der Umwelt.
Im zweiten Fachsemester bearbeiten die Studierenden in einem Projektmodul reale Aufgabenstellungen in Kooperation mit Unternehmen, öffentlichen Einrichtungen oder Forschungspartnerinnen. So sind Absolventinnen auf unterschiedliche Bereiche sowohl in privaten Unternehmen als auch öffentlichen Institutionen vorbereitet. Der Master-Studiengang „Klimagerechtes Planen und Bauen“ startet am 1. September 2026 mit 20 Studienplätzen. Bewerbungen sind ab dem 1. Mai 2026 möglich.
