Mega-Tower, Wachstumsprognosen
Supertall, Megatall und wer weiß: Supertoll-Tower demnächst? Die weltweiten Wirtschaftskrisen schlagen auch auf Superprojekte durch, Preissteigerung von wenigen Prozent gehen hier gleich in das zig-Millionenfache an Mehrkosten. Immer noch werden weltweit – vor allem in den USA, Russland und im arabischen Raum – Gebäude mit mehr als 50 Geschossen realisiert, aber auch pausiert. So der Dubai Creek Tower (in der Höhe reduziert, Entwurf Santiago Calatrava) oder der Goldin Finance 117 in der chinesischen Hafenstadt Tianjin (Entwurf P & T Group, Hongkong), der als „das höchste ungenutzte Gebäude der Welt“ im Guinness-Buch der Rekorde geführt wird, angeblich 2027 aber eröffnet werden soll. Oder, gleich hier um die Ecke, der im internationalen Vergleich fast winzige, aber Mega-Tower genannte Elb-Tower in Hamburg (Entwurf Chipperfield Architects), dessen Himmelsstürmen durch die Insolvenz des Investors auf ein Maß zurückgebremst wurde, das dem ursprünglichen Entwurf sein ganzes hanseatisches Flair nimmt und der nun ein städtisches Museum aufnehmen wird und keine Büroflächen, Superapartments oder Restaurants dicht unter dem Himmel.
Diese und viele weitere Hochhausprojekte, also Megatall-Towers in der Welt, waren schon in ihrer Entwurfszeit aus der Zeit gefallen. Die hat nun ihre Arbeit getan, zugeschaut und gelassen die Schrumpfungen, den Stillstand oder das endgültige Scheitern der auch Gelddruckmaschinen zur Kenntnis genommen. Eine Ausnahme gibt es und man muss nach einer neuen Superlativ-Kategorie-Bezeichnung suchen: der Jeddah Tower. Mit 1001 m Höhe und einer Gesamtnutzfläche von 530 000 m² wird der Turm – ehemals Kingdom Tower – das Herzstück und die erste Bauphase des auf insgesamt 20 Mrd. US-Dollar veranschlagten Kingdom City-Projekts sein, in Jeddah, Saudi-Arabien, nahe dem Roten Meer. Die aktuell wieder im Bau seiende Multi-Mixed-Use-Immobilie soll 1,2 Mrd. US-Dollar kosten und ein Luxushotel beherbergen, Büroflächen bieten, Serviced Apartments, Luxuswohnungen und die unvermeidliche – in diesem Fall welthöchste – Aussichtsplattform, rund 30 m im Durchmesser auf Ebene 157 und nach Ticketkauf öffentlich zugänglich.
Um diese oder auch andere Höhen erreichen zu können, werden 59 Aufzüge, 54 davon ein- und fünf doppelstöckig, sowie 12 Rolltreppen in der Vertikalen arbeiten, die Aufzüge zur Aussichtsplattform brauchen ca. 100 Sekunden – ohne Umstiegszeit.
Bauverzögerungen gab es wegen Corona, aber bereits davor mussten die Fundamentierarbeiten präzisiert werden, der Boden trug nicht wie geplant. Nun gibt es Fotos, die den Rohbau bis zum 100. Geschoss zeigen. Der Kern überragt die Geschosse-Stapellandschaft deutlich, Kranausleger machen ein weiteres an Höhe. Große Flächen geschlossener Fassadenfelder kleben wie willkürlich platziert auf dem Betongerüst, man kann ahnen, dass der Ein-Kilometer-Turm vielleicht tatsächlich einmal fertig werden könnte, von 2028 ist die Rede. Dass der One Mile Tower von Frank Lloyd Wright, eine Hochhaus-Vision der 1950er-Jahre für Chicago den Jeddah-Tower noch einmal deutlich überragt hätte (bei angenommener dreifacher Nutzfläche) lässt nur noch die staunen, die noch nichts von Fosters Zwei-Kilometer-Turm in Riyadh gehört haben, ebenfalls Saudi Arabien. Foster+ Partners waren auch beim Wettbewerb 2011 zum Jeddah dabei … Vielleicht haben sie „Ich verdopple“ am Spieltisch gesagt und den Zuschlag für Riyadh bekommen?
„Sky‘s the limit“ scheint das Branchenmotto zu sein. Manchem geht allerdings schon die Puste aus. Frank Lloyd Wright scheiterte damals an den technischen Möglichkeiten – die haben wir heute, mega (tower)! Be. K.
