Liebe Leserinnen und Leser,

„Matter matters“ ist der Titel einer Publikation (bei actar, in DBZ 12 | 2025 rezensiert), die sich dem Materiellen zuwendet, das auch das Baumaterial sein könnte. Was auch heißt, dass das Material, das wir zum Bauen verwenden, das Bauen bestimmt. Und damit unseren Alltag, unsere Gesundheit, Zufriedenheit, Ökonomie, Ökologie … vielleicht gar das Geistige? Als wir unser Heftthema „Materialien“ vor knapp einem Jahr festlegten, war uns nicht klar, wohin die Reise im April 2026 schließlich gehen würde. Klar war nur: Matter matters!

Sollte es eine Reise durch die Materialienwelt des Bauens werden? Glas, Faserbeton, Stahl, Lehm, Zementstein, Naturstein, Kunststein … Kork, Holz?! Wollten wir dem Diskurs über Materialgerechtigkeit folgen oder lieber dem der Ökonomie, Effizienz, Demontierbarkeit, Kreislauffestigkeit, Durabilität oder Modularität? Baumaterialien aller Sorten bieten unendlich viele Anknüpfungs-, Kritik- und Entwicklungspunkte, dass wir das Thema niemals komplett in ein schmales Monatsheft hätten bringen können. So fokussieren wir hier auf die Angemessenheit. Welches Material für welche Bauaufgabe. Und weil wir das „Bauen im Bestand“-Thema favorisieren, haben wir schließlich zusammen mit unseren Heftpartnern von AFF Architekten in Berlin drei Projekte ausgewählt, die genau das Angemessene des Materialeinsatzes reflektieren.

Dass das dann meist eine Art von Ableitung aus dem Vorhandenen darstellt, verwundert nicht. Dass das aber bei Kritikerkollegen der überregionalen Presse Magenschmerzen verur-sacht oder grundsätzliche Desorientierung, dann schon eher: Peter Grundmann Architekten mit ihrem hier (S. 28ff.) vorgestellten und mit dem DAM-Preis 2026 ausgezeichneten ZK/U Berlin – Zentrum für Kunst und Urbanistik wurden seitens der konservativen Presse (indirekt) gescholten, nicht einem Ideal von Schönheit gefolgt zu sein, sondern der „Engstirnigkeit des sozial-ökologisch orientierten Preisrichter-Milieus“ perfekt entsprochen zu haben. „Sehen so Deutschlands schönste Bauten aus?“, fragte der Autor. Offenbar hat er nicht verstanden, dass  die meisten von uns längst weiter sind, aus diskursiver Sicht („Schönheit“ ist keine Kategorie in der Ästhetik), aber auch aus ökonomischer Sicht. Denn bei der Wahl des angemessenen Materials können wir klimakatastrophale wie gerechtigkeitherstellende Aspekte nicht mehr hintanstellen. Dem Autoren des FAZ-Artikels empfehle ich vor dem Schreiben seines nächs­ten Artikels Merz-Spezial-Dragees!

Baumaterialien kommen nicht vom Bauhof; sie kommen aus einem Ökosystem, das längst aus dem Gleichgewicht gekippt ist. Somit muss der Einsatz der Materialien immer einer Angemessenheit folgen und nicht einem Kalkül (Schönheit, Perfektion, Neuheit, Bestheit …). Das kann dann auch schon mal dazu führen, sehr wenig zu verbauen, das Verbaute nicht mit unangemessen viel Materialien zu kaschieren oder gar ein Material zu wählen, das sehr leicht durch ein angemesseneres zu ersetzen wäre … auch wenn das vielleicht gebraucht, mit Patina oder eben „häßlich“ ist. Matter matters? Aber ja!

Seien Sie herzlich gegrüßt, bleiben Sie beweglich,

Ihr

Benedikt Kraft

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