Liebe Leserinnen,

der Wandel ist die einzige Konstante, sagte schon der griechische Philosoph Heraklit. So auch in der Architektur, in der alles dem unumgänglichen Wandel der Zeit unterliegt. Das gilt für die Mikroorganismen, die ein Gebäude befallen, und für die vielen Nutzerinnen, die sich in ihnen bewegen. Wenn dem so ist, dass Transformation seit jeher zur architektonischen Praxis gehört, wieso die Notwendigkeit, ein ganzes Heft zu dem Thema zu machen? Weil so selbstverständlich ist die Umsetzung von Umbau-Maßnahmen in der Ressource „Gebäude“ nicht: Auflagen, Normen, strukturelle Herausforderungen etc. machen Transformation heute zu einer schwierigen Aufgabe. Wenn einst Material, Funktionen oder Stile wie selbstverständlich überlagert, umgenutzt und überschrieben wurden, wird heute – teils zu Recht – bewahrt und geprüft. ­

Mit dem Umbau komplexer Gebäudebestände haben sich unsere Heftpartner für diese Ausgabe schon früh auseinandergesetzt. Mit ksg architekten fiel die Wahl deshalb auf ein Büro, das bereits mehrere Jahrzehnte Transformationen im großen Maßstab begleitet und den heute vorwiegend im akademischen Kontext diskutierten Begriff in die Praxis überführt hat.

Gemeinsam haben wir vier Projekte ausgewählt, die nicht nur eine bauliche Transformation durchliefen, sondern auch eine im Sinne ihrer gesellschaftlichen Bedeutung. Wir starten in Nürnberg, wo ksg architekten das ehemalige Quelle-Versandzentrum in Gewerbeflächen und ein Bürgerzentrum umbauen, ohne dabei die Balance zwischen Erhalt eines identitätsstiftenden Komplexes und dem Einbetten neuer Nutzungen zu verlieren (S. 22 ff.). Im Süden bleibend zeigen wir Ihnen, wie asp Architekten im Herzen Stuttgarts ein verschlossenes Einkaufszentrums für das Publikum öffnen – nicht zuletzt mit einer durchlässigen Fassadengestaltung (S. 30 ff.). Da der Blick zum Nachbarn sich manchmal lohnt, entführen wir Sie als nächs­tes nach Paris. Hier haben Atelier Téqui Architectes ein Parkhaus in bester Lage zu 63 Sozialwohnungen (!) umgebaut und durch Einschnitte und eine Aufstockung Licht und Luft ins Gebäude gelassen (S. 36 ff.). In Brüssel schließlich betrachten wir den Wandel einer ehemaligen Garage zu einem Jugendzentrum. Durch minimale Eingriffe in die Bausubstanz schafften Atelier 229 einen großen sozialen Effekt und einen Raum, der auch hierzulande immer notwendiger wird (S. 42 ff.).

Alle diese Projekte zeigen, dass im Prozess der Transformation nicht nur die physische Substanz verändert wird, sondern auch die Art und Weise, wie geplant wird: Eine klare Rollen- und Aufgabenverteilung von Anfang an würde viele Fehler, Probleme und vor allem Kosten mindern.

Ich wünsche Ihnen eine transformative Reise durch unser Heft!

Ihre,

Amina Ghisu

P.S. Für eines bietet sich das Heftthema auch an: Mit den nächs­ten beiden Ausgaben endet meine Zeit bei der DBZ. Für das aufmerksame und interessierte Lesen bedanke ich mich bei Ihnen und hoffe, dass Sie unserem Magazin, trotz wandelnden Zeiten, treu bleiben. Mir war und ist es ein großes Vergnügen.

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