Liebe Leserin, lieber Leser,
haben Sie schon einmal einen Kindergarten entworfen? Wieviel haben sie dabei gestalterisch vorgegeben? Oder sind Sie der Meinung, Planerinnen und Planer sollten den Kindern möglichst wenige Vorgaben machen, damit sie sich mit ihrer ganz eigenen Kreativität frei entfalten können und sich den Raum aneignen können?
Kinder sind keine kleinen Erwachsenen. Zugegeben: eine Binsenweisheit. Aber damit Kinder sich wohlfühlen, bedarf es auf Seiten der Entwerfenden eines besonderen Verständnisses für ihre Lebenswelten und Bedürfnisse. Deshalb widmen wir uns in dieser Ausgabe ganz dem Bauen von Kindergärten und Kindertagesstätten.
Im Idealfall soll der Kindergarten nach dem erstmaligen Verlassen des familiären Umfelds zur zweiten Heimat werden. Relevant sind dabei vor allem die verwendeten Baustoffe: Wohl nirgendwo werden Materialien so sehr mit allen Sinnen getestet wie in einer Kindertagesstätte. Deshalb kommt der Auswahl und der Gestaltung von Oberflächen eine ganz andere Bedeutung zu als bei anderen Bauaufgaben, sagt auch
Michael Schoener vom Leipziger Büro Schoener und Panzer Architekten, das wir für diese DBZ-Ausgabe als Heftpartner gewinnen konnten. Gemeinsam mit ihm und seiner Kollegin Nadja Chawaf haben wir nach ausführlicher Diskussion aus zunächst 13 von der Redaktion vorausgewählten Projekten vier herausgefiltert, die wir Ihnen detailliert vorstellen möchten. Dabei haben wir uns vor allem von den Grundrissen leiten lassen, die alle mit Besonderheiten aufwarten.
Zum einen sind da die (identischen) Zwillingskindergärten Besse und Grifte in Edermünde vor den Toren Kassels von Löser Lott Architekten zusammen mit Lukas Droste Architekten, bei denen bereits die Dachlandschaft die darunterliegenden Räume andeutet (S. 26ff.). Vom Äußeren her eher neutral kodiert wirkt dagegen das Kinderhaus Brunnengasse bei Bregenz/AT von bernardo bader. Hier bestechen nicht zuletzt die Verankerung im Ort sowie die Einfachheit des Grundrisses (S. 32ff.). Eine im Grunde simple Idee liegt auch dem Betriebskindergarten Weilimdorf von schleicher.ragaller zugrunde: Die verdrehte Anordnung der Gruppenräume gibt dem ganzen einen Twist, der zu seiner einmaligen räumlichen Qualität beiträgt (S. 38ff.). Der Skelettbau sowie der umlaufende Laubengang der Kita Bewegungsreich von Therese Strohe Michael Ullrich Architekten/D+S wiederum ermöglichen auch über die derzeitige Nutzung hinweg eine hohe Flexibilität des Gebäudes (S. 44ff.).
Und nicht ganz unwichtig: In unserem Rechtstipp widmen wir uns dem gesteigerten Haftungsrisiko von Architektinnen und Architekten bei der Planung von Kindertagesstätten (S. 72f.).
Da ist etwas dabei, aus dem Sie Inspiration für Ihre Projekte ziehen können? Das würde uns freuen.
Ihre
Heide Teschner
