Häuser und Wohnbauten des Jahres 2026 ausgezeichnet
Bereits zum 16. Mal ist der Award Häuser des Jahres verliehen worden. Der erste Preis geht an Stern Zürn Architekten aus Basel/CH. Die Jury fertigte aus insgesamt 240 Einreichungen eine Longlist von 50 Projekten und benannte aus diesen neben dem Preisträger vier Anerkennungen, einen Newcomer- und einen Fotografiepreis. Beim Award Wohnbauten des Jahres hingegen sprach die Jury den ersten Preis bfstudio-architekten zu. In beiden Jurys war die DBZ vertreten. Die Bekanntgabe fand während des Best of Architecture-Summits des Callwey Verlags am 22. Oktober 2026 statt. Zu den Auszeichnungen sind Publikationen erschienen.
Ob aus Beton oder Holz, aufgeständert oder unterkellert, Bungalow oder Viergeschosser, am Hang, am See, in der Stadt oder umgeben von Wald: Die bei dem diesjährigen Wettbewerb Häuser des Jahres eingereichten Projekte sind nicht nur in ihren Dimensionen ganz unterschiedlich, sondern auch in Material, Form und Lage. Es
sind Hochpreisige darunter und Kostengünstige, mal sorgt Technik für Energieeffizienz, mal das Material und die Konstruktion. Alle Einfamilienhäuser werden in der gleichnamigen Publikation ausführlich mit Plänen und Fotos vorgestellt.
Die Jury legte bei der Auswahl der Gewinner Wert auf Nachhaltigkeit, innovativen Einsatz von Materialien, kreativen Umgang mit der baulichen Situation und auf konsequente Ausführung.
Das Siegerprojekt Maison Imho in Riehen/CH zeichnet laut Jury seine Haltung aus. „Architektonisch präzise, materiell klug und im besten Sinn zukunftsgewandt“, so das Juryurteil. Stern Zürn Architekten aus Basel gelinge hier ein Entwurf, der nicht laut auftrete, sondern durch Klarheit, Konsequenz und feine Differenz überzeuge. Das Projekt verbinde ortsbezogene Architektur mit einem starken Bewusstsein für Ressourcenschonung und Baukultur. Der Entwurf überzeuge auch durch den exakt gefügten Beton. Tragwerk und Raumfolge erscheinen dabei nicht als starres System, sondern als offen gedachte Struktur, die Flexibilität, Klarheit und Dauerhaftigkeit ermöglicht. Besonders eindrücklich sei das Zusammenspiel von gestocktem Beton und massiven Lehmwänden. Recyclingbeton aus der Region, CO2-reduzierter (CEM III) Zement und Lehm aus dem eigenen Aushub werden nicht als bloße Nachhaltigkeitsstatements eingesetzt, sondern als integraler Teil eines konstruktiven und gestalterischen Gesamtkonzepts.
Alle Ausgezeichneten dieses Awards finden Sie am Ende des Artikels.
Wohnen ist weit mehr als nur ein Dach über dem Kopf. Eine gute Wohnung schafft Sicherheit und Rückzug, ermöglicht Gemeinschaft und Teilhabe. Doch angesichts von Wohnungsmangel, steigenden Kosten und den Folgen des Klimawandels stellt sich die Frage nach der Qualität unserer Wohnräume mit neuer Dringlichkeit: Wie schaffen wir Wohnraum, der lebenswert, bezahlbar und zukunftsfähig ist? Die ausgezeichneten Projekte im Wettbewerb Wohnbauten des Jahres möchten darauf beispielhafte Antworten geben.
Dabei endet die Qualität des Wohnens nicht an der Wohnungstür. Das Quartier, gemeinschaftlich nutzbare Räume und Freiflächen werden zu einem selbstverständlichen Teil guter Wohnarchitektur. Höfe, Gärten, Dachterrassen und Gemeinschaftsräume schaffen Orte der Begegnung und fördern das nachbarschaftliche Miteinander. Architektur kann Gemeinschaft nicht verordnen, aber sie kann Räume schaffen, in denen Austausch und Teilhabe leichter möglich werden. Gleichzeitig reagieren viele Projekte auf sich verändernde Lebensmodelle etwa mit flexiblen Grundrissen und Nutzungskonzepten, die sich an unterschiedliche Lebensphasen anpassen lassen.
Hitzeperioden, Starkregen und Trockenheit machen klimaresiliente Lösungen zudem zu einem wesentlichen Bestandteil guter Baukultur. Begrünte Dächer und Höfe, schattenspendende Bäume, entsiegelte Flächen und ein intelligenter Umgang mit Regenwasser verbessern das Mikroklima und fördern Biodiversität. Freiräume werden damit als wesentlicher Bestandteil eines Wohnumfelds verstanden.
Viele der ausgezeichneten Projekte zeigen dabei, dass es nicht immer neue oder technisch aufwendige Lösungen braucht. Häufig sind es bewährte Prinzipien, wie natürliche Belüftung, kluge Verschattung, viel Tageslicht und sorgfältig gewählte Materialien, die Gebäude langfristig robust und lebenswert machen.
Die Jury des Wettbewerbs Wohnbauten des Jahres vergab in diesem Jahr einen ersten Preis, vier Anerkennungen und 45 Auszeichnungen sowie einen Fotografiepreis. Beim Siegerentwurf Wertewandel: Wohnen am Wacholderweg, Berlin von bfstudio Partnerschaft von Architekten lobte die Jury die „feinfühlige, ästhetische Architektur“. Entstanden seien zwei Gebäude, „die nicht laut sind und sich nicht in Schubladen einordnen lassen.“ Ausgangspunkt des Projekts bildet ein von Wohnzeilen, Einfamilien- und Reihenhäusern umgebenes Einfamilienhaus der 1950er-Jahre auf einem rund 2 600 m2 großen Grundstück in Berlin Westend. Ziel der Bauherrschaft war es, das 150 m2 große Bestandsgebäude zu erhalten, aufzustocken und um einen Neubau mit Mietwohnraum zu ergänzen. Besondere Berücksichtigung sollte dabei die Topografie des Grundstücks finden mit Höhenunterschieden bis zu 8 m. Die schließlich realisierte Wohnanlage umfasst neun Familienmietwohnungen mit gemeinschaftlicher Gartennutzung.
In der 300 Seiten starken Publikation Ausgezeichneter Wohnungsbau werden die 50 ausgewählten Wohnbauten ausführlich vorgestellt.
Häuser des Jahres
1. Preis: Stern Zürn Architekten, Basel/CH
Anerkennungen:
LP architektur ZT GmbH, Altenmarkt/AT
Hertl.Architekten ZT GMBH, Steyr/AT
Holdener Schönbächler | Architektur Kollektiv, Edlibach Zug/CH
BARD YERSIN architectes, Romont/CH
Newcomer: Claudia Bär & Josef Mallaun Architekten, Andelsbuch/AT
Fotografiepreis: Ralph Feiner
Jury: Karen Hartwig (Chefredakteurin A&W), Eva Maria Herrmann (Architekturjournalistin), Markus O. Kuntscher (Vorjahressieger, Kuntscher Tscherning Architekten und Stadtplaner PartGmbB), Roland Merz (Chefredakteur Atrium), Ulrich Nolting (Geschäftsführer InformationsZentrum Beton), Christoph Ramisch (Redakteur werk, bauen + wohnen), Michael Schuster (Chefredakteur DBZ Deutsche BauZeitschrift)
Wohnbauten des Jahres
1. Preis: Wertewandel: Wohnen am Wacholderweg, Berlin, Bauherr: Gartenstadt Atlantic, Architekten: bfstudio Partnerschaft von Architekten mbB Benita Braun-Feldweg & Matthias Muffert
Anerkennungen:
Zweigeschossige Dachaufstockung einer denkmalgeschützten Wohnanlage in Hamburg, Bauherr: Stadtboden Grundstücks GmbH & Co. Betriebs KG, Architekten: Trutz von Stuckrad Penner Architekten
Ursulastraße München, München, Bauherr: Privat, Architekten: Studio Mark Randel
Vom Kalksandsteinwerk zum Wohnquartier - urbane Transformation, Bremerhaven, Bauherr: GEWOBA AG Wohnen & Bauen, Architekten: Spengler Wiescholek Architektur//Stadtplanung PartGmbB
Studierendenloft Alicenstraße, Bauherr: Kai Laumann, Architekten: FerrantiSchnell Architekten
Fotografiepreis: Simon Menges
Jury: Roger Bundschuh (Bundschuh Architekten, Vorjahressieger), Reiner Nagel (Bundesstiftung Baukultur), Benedikt Kraft (stellvertretender Chefredakteur DBZ), Ulrich Nolting (Geschäftsführer Informations-Zentrum Beton GmbH), Roland Pawlitschko (Architekt und Autor), Selina Wach (Editor, Head of Discourse architektur.aktuell), Michael Ziller (zillerplus Architekten und Stadtplaner, Vorjahressieger)
Weitere Informationen:
Publikation
Till Raether, Eva Maria Herrmann: Häuser des Jahres 2026, Die 50 besten Einfamilienhäuser, 2026. 328 S., 450 Abb. und Pläne, 59,95 Eur, ISBN 978-3-7667-2904-0
Andrea Gebhard, Roland Pawlitschko: Ausgezeichneter Wohnungsbau 2026, Wohnbauten des Jahres, 2026. 360 S., ca. 400 Abb. und Pläne, 98,- Eur, ISBN 978-3-7667-2912-5
