Erster Aufhänger

Sich treiben und überraschen lassen, so sollen wir – das empfiehlt der Herausgeber zu Beginn – die Arbeiten auf uns wirken lassen: 45 gebaute Häuser, die sich aus dem Bestand entwickelt haben, aus dem Weiterbauen, der Sanierung, Neugestaltung, Aktualisierung etc. Jedes auf drei Doppelseiten mit kurzem Text, Fotos, Plänen und knappen Kenndaten vorgestellt, geht das tatsächlich so: Man blättert, liest sich fest, überblättert, staunt (in mancherlei Hinsicht), sucht und vermisst einzig das, was es rund gemacht hätte: Angaben zum finan­ziellen, materialbezogenen und energetischen Aufwand, um das alles auch im Detail zu leisten. Denn Gestaltung, Grundrissneukonzep­tion, Ertüch­tigung etc. ist ja nicht das, womit wir überzeugen müssen. Häufig ist das Bauen im Bestand ja auch dem Vorurteil ausgesetzt, es sei zu teuer, zu einschränkend in der Planung und im Bau, zu wenig effizient in der Nutzung. Stimmt alles nicht, aber wer hier argumentieren will, braucht Fakten, und die bekommt man hier nicht geliefert. Und leider eben auch nicht die Beispiele, die den All­­tag der Bestandsarbeit zeigen. Das Meis-
te­ hier sind wertvolle Bauten, die kulturelle Bedeutung haben und wohl lange noch haben werden. So bleibt ein Flanieren durch beinahe durchgängig hervorragend gemachte Projekte, ein erster Aufhänger für das erste Gespräch mit den Bau­herr:innen. Was ja auch nicht schlecht ist.

Be. K.

Dennis Krause (Hrsg.), Bauen im Bestand. Zwischen Tradition und Innovation. Edition 1:100. Deutscher Architektur Verlag, Münster 2022, 287 S., zahlr. Farbabb. u. Pläne70 €, ISBN 978-3-946154-67-9
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