Eiermannbau, Apolda
Der heute als Eiermannbau bekannte vierstöckige Stahlbetonskelettbau mit einer Bruttogrundfläche von 6 300 m2 aus dem Jahr 1906 galt damals als konstruktiv neuartig. 30 Jahre lang war dort eine Weberei ansässig, die am damaligen Textilindustriestandort Apolda, einer Thüringer Kleinstadt zwischen Weimar und Jena, einen wichtigen Wirtschaftsfaktor darstellte.
Egon Eiermann erweiterte das Industriegebäude zwischen 1938 und 1939 für ein Feuerlöschgerätewerk, das bis 1994 dort produzierte. Nach dem Auszug des Werks wurde das Gebäude komplett entkernt und in den Jahren 2010 und 2011 erste Sanierungsmaßnahmen ergriffen, wobei mit der vertikalen Verlegung von Heizungs- und Stromleitungen die grundlegende Gebäudetechnik neu aufgesetzt wurde.
Die IBA erkannte das Potential des Industriegebäudes und fungiert seit 2018 als Projektentwickler vor Ort, während die Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) Thüringen die Eigentümerschaft über den Eiermannbau innehat. In Kooperation mit der Wüstenrot Stiftung und mit Studierenden und Absolventinnen und Absolventen beim IBA Campus 2016 wurde das Konzept der Open Factory entwickelt: eine vielfältige und moderne Nutzung bei gleichzeitiger Bewahrung des Industriecharakters der Immobilie.
Für ein geeignetes Heizsystem wurde man beim Raumklimaspezialisten Zehnder mit seinen Deckenstrahlplatten fündig. Zum Einsatz kamen dabei zunächst die Ausführung ZBN, später dann ZFP als Heizsystem. Dieses ist reaktionsschnell und energieeffizient, wobei nicht erst die gesamte Raumluft erwärmt werden muss, um Körper oder Gegenstände im Raum mit Wärme zu versorgen. Dadurch lässt sich mit einem wesentlich geringeren Energieeinsatz arbeiten. Weiter funktioniert das Heizsystem komplett ohne Wartung und verfügt über eine lange Lebensdauer. Zudem lässt sich eine Kühlfunktion der Deckenstrahlplatten zu jeder Zeit nachrüsten. Die gelochte Ausführung des Systems in Apolda zeichnet sich des Weiteren durch schalldämmende Eigenschaften aus. Die Deckenstrahlplatten sorgen dabei für eine Grundtemperatur von ca. 15 °C, die für viele Nutzarten wie Werkstätten oder Ausstellungen ausreichend ist. Damit sie ins Trägerraster der Decken passen, verfügen alle Deckenstrahlplatten über eine Länge von 4 m, die Breiten sind unterschiedlich. Insgesamt wurden in Apolda 170 Deckenstrahlplatten mit einer Gesamtfläche von ca. 1 000 m2 installiert. Die Energie dafür liefern sechs kaskadierte Gasbrennwertkessel mit jeweils 100 kW Wärmeleistung.
Dass ein 117 Jahre altes Gebäude auch heute noch so zeitgemäß sein kann, ist ein wichtiges Signal in unserer schnelllebigen Welt mit ihrer Wegwerfmentalität. Dank der Transformation des Industriedenkmals in Apolda stellt die Open Factory eine gelungene Alternative dar.
Projektdaten
Planung: Internationale Bauausstellung Thüringen GmbH, www.iba-thueringen.de
Fertigstellung: 2023
Hersteller: Zehnder,
www.zehnder-systems.de
Produkte: Deckenstrahlplatten ZBN und ZFP
