Liebe Leserinnen und Leser,

manchmal hat es die Redaktion auch leicht. Sie sitzt bei Kaffee (ja, auch Tee!) und Kuchen und denkt ganz entspannt darüber nach, welche Titelthemen im kommenden Jahr die relevanten sein werden. Materialbezogen, mit Blick auf die Konstruktion, die Bautypologie und nicht zuletzt auf das, was Sie, liebe Leserinnen und Leser, in Ihrem Büroalltag beschäftigt. Manche Themen sind dann schnell ausgemacht, um einige allerdings wird bis zum letzten Kuchenkrümel gerungen. Und dann ab mit der Liste in den größeren Teamkreis mit Verkauf und Vertrieb und Nachbarredaktionen, die alle noch einmal schauen, wie die DBZ Redaktion wieder einmal den Nerv der Bauzeit getroffen hat.

Monate später kommen die in lockerer Diskussionrunde festgezurrten Themen wieder auf den Redaktionstisch. Jetzt gilt es, das wohlgewählte Titelthema über Inhalte anschaulich werden zu lassen. Zukunft, Beton, Hochschule und Akustik waren die letzten Themen, jetzt, in diesem Heft: Massives Bauen. Wahrscheinlich war es dieses Thema, das von den oben genannten Kuchenkrümeln begleitet diskutiert wurde, denn als wir zu unseren Heftpaten nach Leipzig reisten, stiegen wir noch einmal ein. So, als hätten wir noch gar nicht darüber gesprochen. Ansgar und Benedikt Schulz von Schulz und Schulz Architekten fokussierten das Thema sehr genau, ließen aber auch die Unschärfeebene zu mit dem Verweis, dass massives Bauen auch das Gegenteil von Leichtbau, Holzbau und Architektur aus Pappe oder Kunststoff sei; oder: sein könnte!

Die Auswahl der Projekte- und Bautechnikbeiträge gelang am Ende über Stichworte wie „robust“ und „langlebig“, über „Mauerwerk“ und/oder „Stahlbeton“. Auch die Bauphysik half, wo von schwerer Bauweise, hoher Rohdichte und thermischer Speicherfähigkeit die Rede ist.

Dass sich dann am Ende manches Vorurteil auflöste – dass massives Bauen unbedingt gleichzusetzen sei mit monolithischer Bauweise, die, nach Überzeugung der Leipziger, der „Traum jedes Architekten [ist], weil die hässlichen Dehnungsfugen in der Außenschale wegfallen“ – war ein Erfolg der Reise. Der andere, dass wir fünf Projekte in Deutschland und den Nachbarländern identifizieren konnten, die ziemlich genau unsere Diskussion um den Begriff „Massives Bauen“ widerspiegelt:

geschlossen und schwer, transparent und massig, mehrschalig und kompakt, monolithisch anmutend und steinern, aber hochtechnisch

Allen diesen Projekten ist – man kann es ruhig sagen – ihr hohes Gewicht, ihre Trägheit und Speicherfähigkeit des Baumaterials, ihre besondere Raum- und Klimaqualität und die Behandlung des Lichts als Raumgestalter gemeinsam. Alle setzen unsere Vorstellungen von Massivität dabei auf jeweils andere, aber verwandte Weise um. Wie sie das machen, lesen Sie ab Seite 22.

Viel Vergnügen dabei wünscht

Ihr

Benedikt Kraft