Törten. Kriminalgeschichten aus einer Bauhaus-Siedlung

Auf blauem Hintergrund verbinden sich weiße Linien zu einer Zielscheibe, in deren Kreis ein Schussloch bis zu ersten Seite linsen lässt. „Törten“ steht prägnant in großen Kleinbuchstaben auf dem Cover und meint damit das Projekt „Törten: Kriminalgeschichten aus einer Bauhaus-Siedlung“ – ein Experiment von Natascha Meuser an der Hochschule Anhalt: Studierende schreiben Kriminalgeschichten zur von Walter Gropius 1928 fertiggestellten Reihenhaussiedlung und dürfen sich auf diesem ungewöhnlichen Weg dem Gebauten nähern.

Die Kurzgeschichten sind skurril und düster und lassen, weil sie gut geschrieben sind, immer auch Raum für das Kopfkino. Jede Geschichte ist etwa sieben Seiten kurz; die Seitenzahl immer mittig am Bund – sie sind nicht wichtig bei der Kürze des Buchs, aber wie das Schussloch im Cover ein gewolltes Mittel. Bunte Illustrationen beschreiben das Geschriebene, nehmen aber in keinem Fall eine Überraschung vorweg. Das fast quadratische Format von 16 cm mit dem blauen Lesezeichenband für 77 Seiten gibt den kleinen Rahmen für eine einfallsreiche Herangehensweise, die in unserer bildgewaltigen Kommunikation über Gebautes zu kurz kommt: das Schreiben. Damit ist die kleine Publikation an sich schon ein Volltreffer; verdeutlicht aber auch, dass noch „Luft nach oben“ ist. Ein Tipp: lesen und selber schreiben. MS

Törten. Kriminalgeschichten aus einer Bauhaus-Siedlung. Hrsg. v. Natascha Meuser. DOM publishers, Berlin 2018, 80 S., 35 Farbabb., 14 €, ISBN 978-3-86922-632-3

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