Smart.Space:Waverly, New York/US

Wohnen im Schuhkarton
Maximaler Raum auf minimaler Fläche

Das Wohnen in der Großstadt lässt sich auf zwei Dinge reduzieren: wenig Platz und hohe Mieten. Die Preise lassen sich nicht ändern, der Raum allerdings schon – zumindest, wenn es nach den Designvorstellungen des New Yorker Designunternehmens AvroKO geht.

Flexibilität ist das Motto. Qualität statt Quantität das Ziel. Nur ca. 51 bzw. 46 m² groß sind die beiden Appartements in Greenwich Village, die beweisen, dass intelligentes Innenraumdesign weder groß noch computergesteuert sein muss. AvroKO realisieren pro Jahr ein Projekt ohne Auftraggeber, eine Designstudie sozusagen, bei der sie ihre persönlichen Ideen umsetzen und der Kreativität freien Lauf lassen können. Und bei den Smart.Space-Appartements waren das viele Ideen. Grundlegendes Konzept ist die Wandelbarkeit der funktionalen Bereiche, so dass aus einer Einraumwohnung ein Fünf-Zimmer/Küche/Bad-Loft wird. Das Prinzip dahinter: Schaffe den Raum, den du brauchst, genau in dem Moment, in dem du ihn brauchst. Ungenutzte Fläche wird platzsparend untergebracht, genutzter Raum rückt in den Vordergrund: Das Bett verschwindet tagsüber im Schrank. Die kleinere Wohnung nutzt die freie Fläche, um Platz zum Arbeiten zu machen. Eine zweite Ebene kann dafür von der Decke heruntergelassen werden. Trotz Platzmangel, keine Angst vor offiziellen Abendessen! Der Küchentisch dient zwar der Zubereitung der Speisen, kann aber bis zu acht Personen bewirten. Die fahrbaren Container machen Platz für Sitzgelegenheiten. Anschließend alles mit der Hand spülen? Nein danke. Einfach die Abtropffläche der Spüle hochgeklappt und den Geschirrspüler von oben beladen. Die Küche ist mit allem ausgestattet, was das Herz des Hobbykochs begehrt. Hinter der Küchengeräte-Wand verbirgt sich Effektivität par exellence. Per Knopfdruck lässt sich diese Wand verschieben, die Küche wird kleiner und macht Platz für einen neuen Raum: das Gästezimmer. Schluss mit Übernachtungsgästen auf aufblasbaren Matratzen, denn ein vollwertiges Bett klappt sich herunter. Eine Schiebetür und mit Leder bezogene, schalldämmende Wände schaffen dabei reale Privatheit. Weiterer wichtiger Aspekt bei wenig Platz ist gut angeordneter Stauraum. Die Appartements haben also großzügig bemessene Einbauschränke und Regale, die auch die Raumhöhe der Altbauten ausnutzen.

Teil des Gesamtkonzepts ist die Umweltverträglichkeit der Materialien und die Gesundheit der Bewohner. Die Wände sind mit Kaseinfarbe gestrichen, die Böden wurden ökolgisch versiegelt und die Beleuchtung verspricht, neben Energieeffizienz selbstverständlich, Bakterien, Viren sowie unan­ge-nehme Gerüche abzutöten. Zwei Klappfahrräder steigern die Fitness der Bewohner und im Schrankbett versteckt sich eine viskoelastische Matratze. Im Bad findet sich ein Whirlpool inklusive Chromatherapie.

Die Appartements sind Prototypen, die als Gesamtkonzept vermarktet werden. Inklusive ist ein großes Maß an Lifestyle. Die Wohnung kommt schlüsselfertig mit gewissen Extras daher: Zwei Klappräder sind im Preis enthalten, ordnungsgemäß untergebracht im angepassten Wandschrank. Das Bücher­regal kommt bestückt daher, mit 50 Büchern, die die Partner der Designfirma für lesenswert halten. Bei Bezug der Wohnung muss man sich keine Sorgen machen, mit was man bei der Einweihung anstoßen soll, der klimatisierte Weinschrank ist gut ausgestattet mit 48 Flaschen ausgewählter Tropfen. Das sind die Vorzüge eines selbstinszenierten Projek­tes, keine Grenzen im Design. So sind auch Sessel und Tisch der Wohnraummöbel ein Eigenentwurf.

Nun ja, die Lifestyle-Accessoires sind vielleicht nicht so ganz ernst zu nehmen, allerdings lohnt es sich, darüber nachzudenken, ob ein Maximum an Fläche immer das Optimum ist. Die beiden Prototypen sind jedenfalls verkauft und der Gedanke an ein komplettes Smart.Space-Appartementgebäude schwebt im Raum... S.G.


Der klimatisierte Weinschrank ist bei Einzug bestückt mit 48 Flaschen Rot-, Weiß- und Roséwein

Die Attika bietet weiteren Stauraum

Die Attika bietet weiteren Stauraum

Entlang der Laufleisten lässt sich die Gerätewand der Küche verschieben, um Platz für das Gäste-zimmer zu schaffen

Luxuriöses Schrankbett: runtergeklappt zeigt sich eine mit Leder bezogene Nische mit eingebauten Regalfächern und Leseleuchte

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