Tunnelblick weiten

„Baukunst als unmögliche Möglichkeit“, da kommt einem gleich das „Das Unmögliche möglich machen“ in den Sinn. Und schon ist man mittendrin im sehr anspruchsvollen Lesestoff. Denn die Assoziation vom Möglichmachen entspringt, so die These des Autoren, einer in der abendländischen Philosophie lange betriebenen und durch sie selbst schließlich durchsichtig gemachten Gleichgewichtsverschiebung der den Begriff Architektur konstituierenden Bestandteile „Arché“ und „Techné“; zulasten der „Arché“. Der Autor, Christian J. Grothaus, zeigt in der hier überarbeiteten Dissertation hauptsächlich entlang Martin Heideggers Denken über „Physis, Ge-Stell, Kunstwerk und Gegnet“ mögliche Wege aus der über Jahrhunderte gewachsenen Dominanz einer „Techné“ auf, der alles Gebaute reinste Rationalität und/oder Selbstzweck zu sein hatte.

Was hat den Autoren nun angetrieben, sein Plädoyer für eine unbestimmte Architektur zu schreiben? Sehr unbestimmt liest man in der Einleitung, dass sich das oben genannte Ungleichgewicht „entsprechend“ auswirke. Aha?! Architektur (heute?) sei, so liest man zwischen den Zeilen, kalt und ohne eine durchaus mögliche Vielschichtigkeit, die in Anlehnung an Heiddegger als ein dem Ding Innewohnen beschrieben ist. Dass man am Ende der Reise durch die Geschichte der Begriffe und ihrer Verwalter bei Sou Fujimoto landet könnte eine Antwort auf die hier gestellte Frage sein: Fujimotos animistisch ästhetisches Verständnis vom gebauten Raum steht paradigmatisch für die Versöhung von „Arché“ und „Techné und bietet uns damit die Möglichkeit, den Tunnelblick auf die gebauten Dinge zu weiten; oder auch kritisch zu hinterfragen. Ein Register, das hier hilfreich wäre, fehlt. Be. K.

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